12. Dezember 2018, 20:47 Uhr

Vorhofflimmern: Wie schützt man sich?

12. Dezember 2018, 20:47 Uhr
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Aus der Redaktion
Informierten über das Vorhofflimmern: Marta und Wilhelm Weil aus Karben, die seit vielen Jahren ehrenamtlich für die Deutsche Herzstiftung im Einsatz sind, und Referent Prof. Dr. Reinhard Voss (r.). (Foto: pv)

Mehr als 1,8 Millionen insbesondere ältere Menschen in Deutschland leiden nach Angaben der Deutschen Herzstiftung an Vorhofflimmern. Jenseits des 80. Lebensjahres sind über zehn Prozent der Menschen betroffen. »Vorhofflimmern ist eine ernst zu nehmende Herzrhythmusstörung, die unbemerkt und unbehandelt gefährlich für Herz und Gehirn werden kann, bis hin zu Herzschwäche und Schlaganfall«, erläuterte Prof. Dr. Reinhard Voss, Facharzt für Innere Medizin, Kardiologie und Angiologie, Chefarzt der Klinik für Innere Medizin am Kreiskrankenhaus Schotten, vor vollem Haus in der Sonntagsvorlesung am GZW.

Bei Vorhofflimmern gerate das Herz meist völlig außer Takt. Der erste Anfall könne mit heftigen Schlägen bis in den Hals hinauf, Druckgefühl im Brustkorb und einer ungewohnten Luftnot bei leichten Tätigkeiten (Treppensteigen) auftreten. Betroffene verspürten eine plötzliche Unruhe, wenn das Herz völlig unregelmäßig und eventuell schnell mit einem Puls von bis zu 160 Schlägen pro Minute rase. Die chaotische Herzschlagfolge könne aber auch mit einer normalen Herzfrequenz einhergehen (60 bis 100 Schläge pro Minute). Oft seien Herzstolpern und Herzrasen verbunden mit innerer Unruhe, Angst, einer Neigung zu schwitzen, Atemnot und Leistungsschwäche.

»Bei diesen Symptomen sollte man sofort den Arzt aufzusuchen«, riet Prof. Voss. Mit einem EKG, Langzeit-EKG oder einem Ereignis-Rekorder könne die Ursache des Herzstolperns festgestellt und ein Vorhofflimmern diagnostiziert werden. Problematisch ist Vorhofflimmern, weil sich infolge des unregelmäßigen Herzschlags in einer Ausbuchtung des Vorhofs (im sogenannten Vorhofohr) Blutgerinnsel bilden können. Werden diese ausgeschwemmt und gelangen mit dem Blutstrom in den Kopf, verstopfen sie ein Hirngefäß und verursachen so einen Schlaganfall mit – je nach Größe des verstopften Gefäßes – mehr oder weniger dramatischen Folgen. Um sich vor der Gefahr eines Schlaganfalls zu schützen, müssen Betroffene gerinnungshemmende Medikamente – so genannte Blutverdünner – einnehmen.

Tückisch ist nach Angaben des Referenten, dass Vorhofflimmern bei über der Hälfte aller Patienten ohne Symptome oder Beschwerden auftritt und dadurch lange Zeit unbemerkt bleiben kann. »Nicht selten werden Patienten mit einer Herzschwäche oder einem Schlaganfall stationär aufgenommen und erfahren zum ersten Mal, dass Vorhofflimmern dafür verantwortlich ist«, berichtete Prof. Voss. Er riet, jede Möglichkeit zu nutzen, um unregelmäßigen Herzschlag festzustellen: wiederholt den eigenen Puls tasten und die Anzeige am Blutdruckmessgerät beachten. Personen ab 60 sollten bei Routinekontrollen beim Arzt den Herzschlag durch Pulsmessung prüfen lassen. In jedem Fall sei zur Vorbeugung ein gesunder Lebensstil ratsam mit Ausdauertraining (je 20 bis 30 Minuten) drei- bis fünfmal wöchentlich, Abnehmen bei Übergewicht, gesunder (mediterraner) Ernährung mit viel Obst und Gemüse, Rauchverzicht und allenfalls mäßigem Alkoholgenuss.

Für Patienten, bei denen Medikamente nicht den gewünschten Therapieerfolg zeigen, bietet sich nach Angaben des Referenten die Katheterablation an. Erfahrene Rhythmologen könnten bei bis zu 85 Prozent der Patienten mit diesem Eingriff anfallsweises Vorhofflimmern beseitigen, bei anhaltendem Vorhofflimmern betrage die Erfolgsquote 50 Prozent. Der Eingriff sollte in ausgewiesenen Spezialkliniken durchgeführt werden.

Informationen über das Vorhofflimmern gaben an einem Info-Stand der Deutschen Herzstiftung auch Marta und Wilhelm Weil aus Karben, die seit vielen Jahren ehrenamtlich und unermüdlich für die Deutsche Herzstiftung im Einsatz sind.



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