17. April 2019, 17:00 Uhr

Europawahl

Von Friedberg nach Spanien: Die EU als Reisehelferin

Die Friedbergerin Rita Tiemann konnte durch das Erasmus-Programm ein Auslandssemester in Spanien machen. Die finanzielle Unterstützung durch die EU war ihr dabei eine große Hilfe.
17. April 2019, 17:00 Uhr
Gemeinsam mit anderen Erasmus-Studenten macht Rita Tiemann (M.) in Spanien viele Ausflüge. (Foto: pv)

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Frau Tiemann, wollten Sie schon immer ein Auslandssemester machen?

Rita Tiemann: Ja, das war schon länger geplant. Ich hatte die Wahl zwischen einem Auslandssemester oder einem Praktikum im Ausland. Ich habe mich für das Auslandssemester entschieden. Ich wollte das Uni-System einfach Mal in einem anderen kulturellen Kontext kennenlernen und ausprobieren, wie ich zurechtkomme.

Warum ging es nach Spanien?

Tiemann: Die Universität in Hamburg, an der ich Sozialökonomie studiert habe, hat mehrere Partner-Unis, auch außerhalb Europas. Allerdings muss ich zugeben, dass ich mir die außereuropäischen Kooperationen nicht leisten konnte. Die spanische Kultur hat mich aber schon immer interessiert. Auch das Klima hat mir zugesagt, und ich hatte auch schon Grundkenntnisse in Spanisch. Dass ich in die schöne Stadt Oviedo an der Nordküste Spaniens reisen durfte, habe ich dem Zufall zu verdanken.

Wieso das?

Tiemann: Die Uni Hamburg hat ein Erasmus-Abkommen mit der Partnerhochschule in Oviedo. Allerdings hätte ich die Kurse in Spanisch besuchen müssen, und dazu waren meine Kenntnisse nicht gut genug. Ich habe schon eine Weile über diversen Motivationsschreiben gebrütet, als ich Paul kennengelernt habe. Paul konnte wie ich ebenfalls nur grundlegend Spanisch sprechen, wollte aber trotzdem an unsere Partner-Uni in Oviedo. Also hat er Kontakt zu den englischen Fachbereichen hergestellt und gefragt, ob es Interesse an einer Kooperation gäbe. Und die gab es. Paul und ich waren die ersten, die im August 2014 für fünf Monate nach Spanien geflogen sind und dort Kurse auf Englisch besucht haben.

Wie waren Ihre Erfahrungen mit dem Erasmus-Programm?

Tiemann: Ich will nicht lügen, ein bisschen Aufwand war es schon. Ich musste ein Motivationsschreiben, eine Referenz eines Dozenten und eine Notenübersicht einreichen. Aber insgesamt hat die Organisation das Prozedere schon sehr vereinfacht. Allerdings sind die Plätze für ein Auslandssemester immer sehr umkämpft. Paul und ich hatten Glück, dass unsere Anträge außer Konkurrenz gelaufen sind. Der ganze Papierkram hat sich aber gelohnt. Die Europäische Union hat die Kosten für das Semester von mehr als 3000 Euro übernommen. Zusätzlich habe ich noch 280 Euro pro Monat für andere Ausgaben bekommen.

Das Auslandssemester hat meinen Lebensweg entscheidend verändert

Rita Tiemann

Wie sind Sie in Spanien aufgenommen worden?

Tiemann: Sehr herzlich. Wir hatten am Anfang ein paar Schwierigkeiten, denn wir waren am falschen Campus der Hochschule eingeschrieben. Aber die Mitarbeiter und die Dozenten haben alles getan, um uns zu helfen. Und auch die anderen Studenten und die Einwohner haben uns herzlich aufgenommen.

Wie lief es ansonsten in der Uni?

Tiemann: Meine Kurse habe ich genauso genossen wie die Stadt an sich. Die Vorlesungen waren persönlicher, fordernder. Ich habe mehr gelernt. In den einzelnen Kursen hatten wir wöchentlich kleine Prüfungen, die einen Teil der Note ausgemacht haben. Ich hatte jeden Tag Hausaufgaben auf, es gab ständig Präsentationen, und ich habe dabei nicht nur mit meinen Erasmus-Kollegen, sondern auch mit Kommilitonen aus Spanien zusammengearbeitet. So konnte ich auch mein Spanisch verbessern.

Blieb da noch Zeit für andere Dinge?

Tiemann: Ja, natürlich. Bei meiner Anreise hatte gerade ein öffentliches Musikfestival in der Altstadt begonnen, mit allabendlicher Livemusik. Die Uni hat Städtereisen nach Madrid, Bilbao, San Sebastian, Avilés oder Gijon veranstaltet. Durch das schöne spätsommerliche Wetter konnten wir lange Bergwanderungen zu antiken Kirchenruinen, dem Sagrado Corazón de Jesus – einer riesengroßen Jesusstatue auf dem Monte Narranco – oder an die Strände der Nachbarstädte unternehmen, wo Sidra und Paella gleich noch besser schmeckten.

Haben Sie viele Menschen kennengelernt?

Tiemann: Ja. Meine Erasmus-Freunde kamen damals aus Brasilien, der Slowakei, Slowenien, Bulgarien, Großbritannien, Frankreich oder auch Italien. Zu vielen habe ich heute noch hin und wieder Kontakt.

Hat sich Ihr Denken über Europa durch das Auslandssemester verändert?

Tiemann: Ja. Wer an Europa und die Europäische Union denkt, dem kommen vielleicht die Wörter »Zollunion« und »Grundfreiheiten« oder die Namen de Gaulle und Churchill in den Sinn. Für mich ist die EU seit meinem Erasmus-Semester aber mehr als eine Akteurin auf der politischen Bühne der Welt. Für mich persönlich ist sie seit diesen fünf Monaten eine Helferin, der ich eine große Reise zu verdanken habe. Und die hat meinen Lebensweg entscheidend verändert.

Inwiefern?

Tiemann: Was meinen akademischen und beruflichen Werdegang angeht, profitiere ich enorm von der Zeit. Davon abgesehen, dass ich meine Selbstständigkeit, mein kulturelles Fingerspitzengefühl und mein Organisationstalent trainiert habe, habe ich meinem Auslandssemester die Zulassung zum Masterstudium »Europa: Integration und Globalisierung« zu verdanken.

 

Das Erasmus-Programm

Das Erasmus-Programm ist ein Förderprogramm der Europäischen Union. Innerhalb der letzten 30 Jahre konnten insgesamt rund 4,4 Millionen Studierende unterstützt werden, davon rund 650 000 aus Deutschland. An dem Programm nehmen alle 28 Mitgliedsstaaten der EU sowie fünf weitere europäische Länder teil (Norwegen, Island, Liechtenstein, Schweiz, Türkei). Zentrale Bestandteile sind die Anerkennung von Studienleistungen im Ausland und die finanzielle Unterstützung von Austauschstudenten. Voraussetzung ist, dass die entsendende und die aufnehmende Hochschule ein entsprechendes Abkommen miteinander haben. Seit 2014 werden die Programme für »Lebenslanges Lernen« unter dem Oberbegriff Erasmus+ gebündelt. Hierzu gehören nun auch Programme der schulischen und beruflichen Bildung sowie außerschulische Aktivitäten.

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