25. März 2018, 06:00 Uhr

Abriss der Druckerei

Von Asbest »nichts gewusst«

Vier Reihenhäuser sollen auf dem Gelände der ehemaligen Druckerei in Rosbach gebaut werden. Doch weil beim Abriss nicht genau hingeschaut wurde, ermittelt nun die Polizei – und für den Bauherrn wird es teuer.
25. März 2018, 06:00 Uhr
Die Reste der Druckerei Glas liegen unter Plastikplanen. Weil die Dachwellplatten Asbest enthalten, hat die Polizei die Arbeiten auf der Baustelle gestoppt. Der kontaminierte Bauschutt muss nun für viel Geld entsorgt werden. (Foto: lh)

Die Reste der früheren Druckerei Glas in der Rosbacher Jahnstraße unweit des Rathauses liegen derzeit unter großen blauen Planen. Ein Bauzaun ist aufgestellt. Vor gut zwei Wochen hatte der Abriss des Gebäudes begonnen, derzeit ruhen die Arbeiten. Der Grund: Die Dachwellplatten enthalten krebserregendes Asbest. Jetzt liegen sie zwischen dem anderen Bauschutt – weshalb dieser möglicherweise komplett als Sondermüll entsorgt werden muss. Die Verwendung von Asbest ist in Deutschland seit Anfang der Neunzigerjahre verboten.

 

Kinder müssen drinnen bleiben

 

Annegret Haffner blickt mit Sorge auf die Baustelle neben ihrem Wohnhaus. »Es war alles voll mit Staub, der überall reingekommen ist«, schildert die frühere Stadtverordnetenvorsteherin der WZ. Die Anwohner seien verunsichert; die Kinder des Wohngebiets hätten ob der Gesundheitsgefahr nicht mehr auf den privaten Spielplatz neben dem Haus spielen dürfen. »Eigentlich müsste das alles gesäubert werden. Zum Glück hat es in den letzten Tagen geregnet.« Eine Reinigung auf eigene Kosten lehnt sie ab.

 

Bis zu fünf Jahre Haft möglich

 

Der Inhaber des Geländes gibt gegenüber der WZ an, nichts von der Asbestbelastung gewusst zu haben. Eine Fachfirma habe den Abriss des Daches übernommen, der hätte das auffallen müssen, sagt der Mann, der selbst ein Bauunternehmen besitzt, das unter anderem Altbausanierungen im Portfolio hat und nach eigener Aussage über »langjährige Erfahrung im Bauhandwerk« verfügt. »Wenn ich das gewusst hätte, hätte ich das natürlich anders gemacht.«

Jeder wusste, dass da Asbest drin war

Nachbarin Annegret Haffner

»Jeder wusste, dass da Asbest drin war«, sagt Nachbarin Haffner. Die von einem Mitarbeiter der Berufsgenossenschaft BAU alarmierten Kontrolleure des Regierungspräsidiums Darmstadt wurden denn auch schnell fündig und informierten die für Umweltdelikte zuständige Polizei in Gießen, wie ein RP-Sprecher der WZ mitteilte.

Bis der kontaminierte Bauschutt abgedeckt und eingezäunt war, so die Auflage aus dem Kreisbauamt, sei aber einige Zeit vergangen, bemängelt Haffner. »Das Zeug lag offen herum.« Erst auf Druck der Stadt hätten die Behörden reagiert, so die Darstellung.

Die Polizei ermittelt nun wegen des Verstoßes gegen das Chemikaliengesetz und unerlaubten Umgangs mit gefährlichen Abfällen – ein Straftatbestand nach Paragraf 326, der mit einer Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren oder einer Geldstrafe bestraft werden kann. Ob der Bauherr vorsätzlich gehandelt hat, womöglich um die Kosten für die teure Entsorgung der Eternitplatten zu sparen, muss nun ermittelt werden. Der Eigentümer hat die Auflage erhalten, ein Entsorgungskonzept mit dem RP zu erarbeiten. »Eine Fachfirma wird das jetzt machen«, verspricht der Investor. Die fachgerechte Beseitigung der Dachplatten wäre wesentlich günstiger gewesen.

Info

Anwohner gegen erste Planung

Ungeachtet dessen soll das Wohnbauprojekt in der Rosbacher Jahnstraße wie geplant angegangen werden, sagt der Eigentümer und Investor. Er werde den Bauantrag einreichen, sobald das Stadtparlament grünes Licht gebe. Nötig dafür ist eine Bebauungsplanänderung, da das Areal noch als Mischgebiet ausgewiesen ist und in ein reines Wohngebiet umgewandelt werden soll. In der jüngsten Sitzung wurde der Punkt nicht behandelt. Gegen einen ersten Plan mit bis zu zwölf Meter hohen Mehrfamilienhäusern hatten die Nachbarn vehement protestiert. Ein neuer Entwurf, der von den Beschwerdeführern laut Stadt positiv angenommen werde, sieht vier Reihenhäuser mit einer maximalen Gebäudehöhe von neun Metern vor. (hed)

 

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