10. August 2018, 19:46 Uhr

Vom Anfang und Ende aller Musik

10. August 2018, 19:46 Uhr
Profi an der Orgel: Christian Schmitt-Engelstadt. (Foto: gk)

»b-a-c-h ist Anfang und Ende aller Musik«: Diesen Satz trägt Max Reger – Organist und Schöpfer bedeutender Orgelwerke – am 31. Mai 1906 ins Stammbuch einer Verehrerin ein. Dass ein Name vollständig in Töne umgesetzt, zum Klingen gebracht werden kann, ist äußerst selten. Das aus vier aufeinandergelagerten Halbtönen bestehende b-a-c-h-Motiv stellt hohe Ansprüche an die kompositorische Umsetzung. Mehr als 300 (!) Tonsetzer – von Bachs Zeitgenossen Jean Ph. Rameau über Franz Liszt und Max Reger bis zu Sofia Gubaildulina – haben sich, aus Verehrung für den Meister, zu Variationen über das berühmte Motiv inspirieren lassen.

Einer von ihnen ist Robert Schumann, der im Sommer 1845 sechs Fugen über den Namen Bach für Orgel oder Pedalklavier, op. 60 komponierte. Die monumentale Schlussfuge des Zyklus brachte der Wormser Organist Christian Schmitt-Engelstadt am Sonntagabend in der Friedberger Stadtkirche im Rahmen der Sommerkonzerte zu Gehör. Nach düster-grollendem Beginn entfaltet sich eine enorme Dynamik, ein großer Spannungsbogen wird geschlagen. Schumann gelingt es, eine Fülle thematischer Varianten aus dem b-a-c-h-Motiv zu entwickeln. Rhythmus-, Tonartwechsel, plötzliche Klangeruptionen: Schmitt-Engelstadts kongeniale Interpretation dieser Fuge machte verständlich, warum dem Komponisten der Zyklus so viel bedeutete, wenn er z. B. in einem Brief vom 8. Februar 1847 schreibt: »An keiner meiner Compositionen habe ich so lange gefeilt und gearbeitet, sie des hohen Namens, den sie führt, nicht ganz unwürdig zu machen.«

Den Höhepunkt des Abends stellte nach der Pause die (unvollendete) »Passacaglia und Fuge über b-a-c-h, op. 150« des im Schwarzwald aufgewachsenen und 1933 in Leipzig verstorbenen Sigfrid Karg-Elert aus dem Jahr 1931 dar – uraufgeführt in der Johanneskirche zu Leipzig. Mit einem gewaltigen Donnerschlag beginnt das Werk. Bis an die Grenzen der Tonalität gehend, reißt der Komponist ein riesiges Tor auf und lenkt den Blick auf ein zerklüftetes Klanggebirge. Auch der Laie ahnt bald, welch große Verehrung des musikalischen Giganten Johann Sebastian Bach – vielleicht größter Tonsetzer überhaupt – in Karg-Elerts singulärem Werk zum Ausdruck kommt. Nach einer ruhig, fast behäbig beginnenden Fuge mündet das, die b-a-c-h-Tonfolge immer stärker in den Vordergrund treten lassende, Werk in eine von schrillen Dissonanzen durchzogene glanzvolle Apotheose des Meisters.

Dass der Organist aus Worms auch die leiseren Töne nicht vernachlässigte, zeigte seine Präsentation von Bachs sechster Triosonate in G, BWV 530. Dieses anspruchsvolle, scheinbar leichtfüßig daherkommende kleine Werk war würdiger Auftakt zu einem beeindruckenden Konzertabend, der auch mit vier vom Komponisten für Orgel bearbeiteten Miniaturen aus Schumanns »Album für die Jugend«, op. 68 aufwartete. Am Ende eines bemerkenswert intensiven anderthalbstündigen Klangerlebnisses stand lang anhaltender Applaus – vom Interpreten mit zwei Zugaben bedankt.

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