25. September 2019, 19:41 Uhr

Vision einer inklusiven Wetterau

25. September 2019, 19:41 Uhr
Sobald ein Betrieb mehr als 20 Mitarbeiter hat, muss dort mindestens ein Arbeitsplatz mit einem schwerbehinderten Mitarbeiter besetzt werden. Dass solche Regelungen erst gar nicht nötig sind, ist Ziel der Inklusion. (Foto: dpa)

Um die Inklusion in der Wetterau voranzubringen, hatte sich der Kreistag 2015 verpflichtet, die UN-Behindertenrechtskonvention umzusetzen. Eine Lenkungsgruppe wurde beauftragt, um einen Aktionsplan vorzubereiten. Nach vier Jahren ist dieser nun so gut wie fertig. Er soll die Rechte der Menschen mit Behinderungen stärken.

Vorsitzender des mittlerweile gebildeten Inklusionsbeirats ist Prof. Manfred Thrun, der auch die Lenkungsgruppe geleitet hat. In den zurückliegenden vier Jahre hätten zunächst die Lenkungsgruppe, später die Arbeitsgruppen im Inklusionsbeirat an dem Aktionsplan gearbeitet, der laut der Ersten Kreisbeigeordnete Stephanie Becker-Bösch (SPD) ein genereller Perspektivenwechsel »von der Integration zur Inklusion« sein soll.

»Unter Integration wird die Anpassung der Menschen mit Behinderungen an das vorhandene System verstanden. Inklusion im Sinne der UN-Behindertenrechtskonvention bedeutet dagegen die Anpassung des Systems an die Fähigkeiten und Bedürfnisse der Menschen«, beschreibt Prof. Thrun den Ansatz der Lenkungsgruppe.

Auf mehr als 50 Seiten seien nun Handlungsfelder definiert, die Thematik einleitend vorgestellt und dann Visionen und Ziele für eine inklusive Wetterau definiert worden. Aktuell befinde sich der Aktionsplan in der Endredaktion, teilt Becker-Bösch mit. Das Grundgerüst und die entscheidenden Punkte seien aber definiert. »Vor allem unsere Vision von einer Wetterau, in der Menschen mit und ohne Behinderung gleichberechtigt, selbstbestimmt und wertschätzend zusammenleben«, betont Thrun. Dabei werde die Würde jedes einzelnen Menschen gewahrt. Menschen würden nicht auf ihre Defizite reduziert, sondern mit ihren unterschiedlichen Begabungen und Möglichkeiten wertgeschätzt. »Das Bewusstsein und die Akzeptanz für eine inklusive Gesellschaft ist auch bei Menschen ohne Behinderung Normalität. Das öffentliche Leben im Wetteraukreis wird dann so organisiert sein, dass die Infrastruktur in allen Bereichen, insbesondere im Bildungs-, Gesundheits-, Sozial- und Verkehrswesen von allen Menschen ohne Einschränkung nutzbar ist«, beschreibt er die Vision in einer Pressemitteilung. Beispiele dafür, was konkret im Aktionsplan steht, ist dieser allerdings nicht zu entnehmen.

Beispiele für die praktische Arbeit

Welche Themen der Inklusionsbeirat abseits theoretischen Fragestellungen habe, zeige jedoch das Beispiel eines jungen Mannes mit der Diagnose Autismus. Er würde nach seiner Schulausbildung gerne ein Freiwilliges Soziales Jahr machen. Sowohl der Träger als auch die Bundesorganisation sähen sich aber nicht in der Lage, Unterstützung für die notwendigen Seminartage zu gewähren, teilt Becker-Bösch mit. Ein Vorschlag sei gewesen, auf die Seminartage zu verzichten. »Das hat nun gar nichts mit Inklusion zu tun und ist eigentlich beschämend für die Beteiligten«, beklagt Jochen Rolle, Geschäftsführer von Inklusive Arbeit (InkA) und Mitglied der Lenkungsgruppe.

Ein weiteres Beispiel für Hürden auf dem Weg zur Inklusion sei das einer Neuntklässlerin, die für weitere drei Schuljahre eine Berufsschule besuchen wolle, um gleichgestellt zu sein mit den Absolventen von Förderschulen, die zwölf Jahre beschult werden und dann entsprechend mit 18 Jahren versuchen, auf dem Arbeitsmarkt Fuß zu fassen. »Svenja ist aber erst 15. Die drei Jahre fehlen ihr noch. Hier kommen wir einfach mit den Schulen nicht weiter«, sagt Rolle. Der Inklusionsbeirat habe Lösungen vorgeschlagen, zu denen es aber bislang noch keine Resonanz von den Schulen gebe.

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