29. Oktober 2018, 20:33 Uhr

Viele Schritte bis zur Brezel

29. Oktober 2018, 20:33 Uhr
Die »Brezelbäcker« aus der Tagesförderstätte Ockstadt und ihre Betreuer haben Mitarbeitern des Rathauses Brezeln mitgebracht. Aber nicht nur das: Sie haben vom Einkauf der Rohware bis zum Verkauf der Brezeln wichtige Schritte erlernt. (Foto: pm)

Brezeln für die Stadtverwaltung: Die Bad Nauheimer Rathausmitarbeiter konnten sich über das Gebäck freuen. Menschen mit Schwerst-Mehrfachbehinderungen aus der Tagesförderstätte Ockstadt der Behindertenhilfe Wetteraukreis hatten die Brezeln hergestellt und im Rathaus zum Verkauf angeboten. »Um die jeweiligen individuellen Fähigkeiten der dort betreuten Menschen mit geistigen Behinderungen zu fördern und zu stärken, werden regelmäßig Projekte im Sozialraum geplant. Damit ermöglichen wir die Teilhabe am alltäglichen Leben und den sozialen Kontakt außerhalb der Tagesförderstätte. Ein Teil unseres Sozialraumprojektes ist der Verkauf von Brezeln, für den die beiden Betreuer Melanie Schneider und Andreas Wilhelm verantwortlich sind. Die Idee dafür entstand, als beide Ende 2017 während einer Hospitation bei einem Träger der Lebenshilfe Erfahrungen sammelten«, erklärte Eva Reichert, Geschäftsführerin der Behindertenhilfe.

Beim Brezelverkaufprojekt erlernen die Teilnehmer alle Abläufe vom Einkaufen der Rohware, wozu bereits das Bewältigen des Weges zum Supermarkt und die Auswahl der Produkte gehören, über Hygienevorschriften in der Küche, das Bedienen des Backofens, das Verpacken der Ware bis zum Verkauf, die Fahrt zum Kunden, soziale Gepflogenheiten und das Kassieren einschließt. Alle Schritte wurden umfassend geübt. Die Menschen mit Behinderung sollen dabei aus ihrem geschützten »Raum« hinaus kommen und auf andere, fremde Menschen und ungewohnte Situationen treffen, was für viele eine besondere Herausforderung darstellt.

Bürgermeister Klaus Kreß und Erster Stadtrat Peter Krank lobten das Projekt: »Wir freuen uns, dass die Behindertenhilfe Wetteraukreis mit ihrer Idee des Brezelverkaufs direkt an uns herangetreten ist. Eine Aktion, die wir selbstverständlich gerne unterstützen – unsere Mitarbeiter haben sich sehr über den ›Frühstücksservice‹ gefreut. Durch diese sinnvolle Aufgabe erhalten die betreuten Menschen mit Unterstützungsbedarf nicht nur mehr Lebensqualität, sondern auch Abwechslung im Alltag und die Möglichkeit, beim Verkauf zu erleben, wie und wo andere Menschen arbeiten.«

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