25. August 2019, 20:11 Uhr

Viele Fragezeichen und hohe Kosten

25. August 2019, 20:11 Uhr
Der Bahnhofstunnel endet an Gleis 12. Viele Bürger wünschen sich einen Durchstich bis nach Fauerbach. (Foto: Nici Merz)

Unter welchen Voraussetzungen ist ein Durchstich des Bahnhofstunnels bis nach Fauerbach machbar? Welche Kosten würden verursacht, was muss beachtet werden und welche Skizzen, Gutachten und Konzepte zu einem möglichen Tunneldurchstich gibt es bereits? Das wollten die Stadtverordneten im Februar vom Magistrat wissen. Die Rathausmitarbeiter stießen bei der Recherche tatsächlich auf eine Machbarkeitsstudie von 2010, die den Stadtverordneten bislang nicht bekannt war. Aktuelle Aussagen der Deutschen Bahn machen deutlich, dass es enorme Hürden gäbe, sollte das Projekt umgesetzt werden.

In den Jahren 2008 bis 2010 wurde eine Machbarkeits- und Finanzierungsstudie für den Bahnhof Friedberg und dessen Umfeld erstellt. Die Stadt, der RMV, die Wirtschaftsförderung Wetterau und die DB Station & Service AG gaben die Studie beim heimischen Architekturbüro Frielinghaus in Auftrag. Eines der untersuchten Themen ist die Verlängerung der Personenunterführung im Bahnhof nach Fauerbach.

Um die Länge des Tunnels gering zu halten, wurden damals eine geradlinige Verlängerung um etwa 55 Meter und ein Vorplatzbereich auf Fauerbacher Seite vorgeschlagen. Von dort müsste eine Verbindung zum Friedhofsparkplatz geschaffen werden. Was den Verantwortlichen damals (und heute nicht minder) Sorgen bereitete, ist der enorme Höhenunterschied. Das Gelände auf Fauerbacher Seite liegt zehn Meter tiefer als das Bahngelände. Zwei Varianten wurden betrachtet: Eine Rampenanlage mit 6 Prozent Gefälle und ein Aufzug; aufgrund der Wartungsintensität wurde die Aufzug-Idee nicht weiter verfolgt.

Fünf bis sieben Jahre Planungszeit

Um den Tunnel zu verlängern, müsste eine Planung erstellt und ein Planfeststellungsverfahren beim Eisenbahn-Bundesamt eingeleitet werden. Bearbeitungsdauer: fünf bis sieben Jahre. Vorausgesetzt die Finanzierung steht. Da es sich bei dem Tunnelbau laut DB aber um ein »einseitiges Verlangen der Stadt Friedberg« handelt, müsste diese auch die gesamten Kosten übernehmen. Ob Fördergelder von Bund oder Land fließen, kann heute niemand sagen. Die Stadt müsste das Bauwerk anschließend an die DB abtreten und eine Ablösung zahlen; auch die Unterhaltung des Tunnels fiele der Stadt zu.

Im Stadtparlament wurde seitens der CDU auch die Überlegung ins Spiel gebracht, eine Brücke über die Bahngleise zu bauen. Auch diese Variante wurde in der Studie von 2008/2010 betrachtet. Aufgrund der Oberleitungen müsste diese rund 150 Meter lange Brücke mindestens 5,70 Meter über den Schienen liegen und eine Konstruktionshöhe von 1,30 Meter aufweisen. Ein Höhenunterschied von bis zu 17 Metern müsste bewältigt werden. Soll die Brücke barrierefrei werden, müsste eine Rampe von 350 Metern gebaut werden.

Es kommt hinzu, dass es auf dem Friedberger Bahnhof laut DB an Raum für die Brückenstützen fehlt. Umfangreiche Gleisumbauten und -verlegungen wären nötig. Das sei finanziell nicht darstellbar, heißt es in der Studie, weshalb diese Variante nicht weiterverfolgt wurde.

Studie unter Verschluss

Die Stadt hatte bei der Bahn nachgefragt, welche Kosten auf sie zukommen könnten. Schätzungen zufolge geht es um mehrere Millionen Euro. Die Bahn kann aufgrund der bautechnischen Einschränkungen dazu keine verlässliche Aussage machen.

Wie Dr. Christiane Pfeffer, Leiterin des Amtes für Stadtentwicklung, Liegenschaften und Rechtswesen, im Ausschuss für Stadtplanung sagte, habe die Machbarkeitsstudie bei den Planungen zum barrierefreien Ausbau des Bahnhofs keine Rolle gespielt. Der Grünen-Fraktionsvorsitzende Florian Uebelacker kritisierte, dass die Studie den Stadtverordneten seinerzeit nicht ausgehändigt wurde und quasi unter Verschluss blieb. »Das war eine andere Rathausspitze«, sagte Bürgermeister Dirk Antkowiak (CDU).

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