23. Juli 2018, 17:00 Uhr

Verkehrsrowdys

Verkehrsrowdys rasen, blenden, drängeln

Plötzlich hängt der 5er BMW am Heck des Opel Corsa. Der BMW-Fahrer drängelt, betätigt die Lichthupe, überholt Sekunden später rechts. Das Gefahrenpotenzial solcher Manöver ist enorm, immer wieder kommt es zu Unfällen. Die Butzbacher Autobahnpolizei versucht, Rowdys aus dem Verkehr zu ziehen.
23. Juli 2018, 17:00 Uhr
Drängeln ist auf Autobahnen keine Seltenheit. Aufblenden in Kombination mit Auffahren ist allerdings strafbar. Autobahnpolizisten ahnden Verstöße und nehmen es mit Verkehrsrowdys auf. Etwa 50 Fälle pro Jahr hat die Butzbacher Station zu verzeichnen. (Foto: dpa)

Autobahnpolizei

Hessens größte Autobahnstation befindet sich in Butzbach: Vom Bad Homburger Kreuz bis nach Homberg, von Altenstadt nach Haiger – das Arbeitsgebiet der Polizisten umfasst über 190 Autobahnkilometer. Was genau die Mitarbeiter tun? Die WZ hat nachgefragt.


Der Mann drückt aufs Gas. »Er war schnell unterwegs, fuhr dicht auf, überholte immer wieder rechts«, erinnert sich Dirk Bepler von der Butzbacher Autobahnpolizei. Er saß mit einem Kollegen im Zivilfahrzeug, fuhr auf der A5 Richtung Kassel, als der Verkehrsrowdy an ihm vorbeirauschte. Bepler hängte sich an das Auto des Rasers. »Er gefährdete andere Fahrer«, erinnert er sich. Hinter Gießen, in Höhe der Rastanlage Reinhardshain, zog die Streife den Wagen aus dem Verkehr. »Am Steuer saß ein Arzt, auf dem Beifahrersitz ein junger Tramper«, erinnert Bepler sich. »Der Tramper sagte aus, er habe große Angst gehabt.« Aufgrund dieser Aussage und der vielen Fahrverstöße war der Arzt auf der Stelle seinen Führerschein los. Der Clou: »Der Tramper hat ihn dann nach Hause gefahren.«

Tipp: Kennzeichen merken

Solche Extremfälle sind selten. Dass die Butzbacher Autobahnpolizei Rowdys anhält oder ermittelt, passiert laut Bepler aber im Durchschnitt mehrfach pro Woche. Zum Rowdytum reicht es laut dem 52-Jährigen nicht, mal falsch zu überholen oder schnell zu fahren. »Ein Rowdy ist jemand, der es über einen längeren Abschnitt darauf ankommen lässt, der rücksichtslos ist und andere Menschen in Gefahr bringt, um sich einen Vorteil zu verschaffen.«

Beplers Tipp an Opfer: Kennzeichen merken. »Sonst haben wir keinen Ermittlungsansatz.« Hilfreich sei auch, den Fahrer beschreiben zu können. Bekomme die Autobahnpolizei den Hinweis auf einen Rowdy »und der Geschädigte ist noch am Fahrzeug dran«, schicke man sofort eine Streife los.

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Dirk Bepler von der Butzbacher Autobahnpolizei. (Foto: nic)

Im Regelfall laufe es aber so, dass ein mutmaßliches Opfer zu einer Polizeistation fahre und dort eine Anzeige aufgebe. Spielte sich der Vorfall im Verantwortungsbereich der Butzbacher Autobahnpolizei ab, beginnt sie zu ermitteln. »Der Wagenhalter wird angeschrieben und aufgefordert mitzuteilen, wer zum Tatzeitpunkt gefahren ist.«

Handelt es sich um ein Firmenfahrzeug und das Unternehmen nennt den Fahrer nicht, kann es passieren, dass mehrere Beamte mit einem Durchsuchungsbeschluss anrücken. »Kürzlich waren wir in einer Baufirma. Die haben sich total quergestellt.« Ein Kollege habe vor Ort darauf hingewiesen, dass der Durchsuchungsbeschluss auch die Rechner umfasst, sagt Bepler. Damit wäre der Betrieb lahmgelegt gewesen. »Schnell stand der verantwortliche Fahrer fest.«

Nicht jede Lichthupe ist verboten

Die Hauptursachen, die Menschen zu Rowdys werden lassen, sind laut Bepler Zeit- und Termindruck, außerdem Drogen- und Alkoholeinfluss. »Und bei jungen Fahrern Imponiergehabe.« Den 52-Jährigen danach gefragt, ob am Spruch »Jeder Rowdy fährt ’nen Audi« etwas Wahres daran ist, winkt dieser ab. »Sie fahren in der Regel etwas höher motorisierte Autos, denn Rowdytum hat immer auch etwas damit zu tun, wer den stärkeren Wagen hat.« Weibliche Rowdys seien zudem seltener als männliche.

Übrigens: Nicht jede Lichthupe ist verboten. Wenn die rechte Spur frei ist und man den Vordermann darauf hinweisen möchte, dass man überholen will, ist ein kurzes Aufblenden erlaubt. Bepler ergänzt: »In Verbindung mit Drängeln handelt es sich aber um eine Nötigung.«

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