07. März 2018, 20:23 Uhr

Vergessene Kämpferinnen

07. März 2018, 20:23 Uhr
Sie wissen um die Bedeutung des Wahlrechts für Frauen (v. l.): Dorothea Schwantje, Christoph Degen und Rita Streb-Hesse.

Im Janaur 1919 durften Frauen in Deutschland erstmals wählen. Das Gesetz, das dies ermöglichte wurde 1918 verabschiedet. »Zwölf vergessene Frauen« heißt die Ausstellung, die die Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Frauen (ASF) nach Nidderau ins Familienzentrum geholt hat. Frauenporträts erinnern an die ersten weiblichen Abgeordneten im Hessischen Landtag zwischen 1919 und 1934. ASF-Vorsitzende Dorothea Schwantje erklärte, dass die Wurzeln der Ausstellung weiter zurückreichen. Bereits 1983 sollte Ingrid Langer von der Uni Marburg das Wirken der ersten weiblichen Abgeordneten erforschen. In den Staatsarchiven seien kaum Dokumente zu finden gewesen. Langer fasste die Ergebnisse in einer Dokumentation zusammen und konzipierte die Ausstellung.

1989 würdigte der Hessische Landtag die ersten Frauen mit Mandat. »Das Buch und die Ausstellung macht diese zwölf bisher unsichtbaren Pionierinnen wieder sichtbar«, sagte Schwantje.

1919 gehörten dem ersten Hessischen Landtag fünf Frauen aus verschiedenen Parteien an. Bis 1933 wurden zwölf Frauen Volksvertreterinnen, die Sitz und Stimmen im Landtag hatten. Sie gehörten den Parteien der Weimarer Koalition aus SPD, Zentrum und DDP an, ebenso wie der rechten und der linken Opposition. Die Arbeit dieser weiblichen Abgeordneten wurde aus den Landtagsprotokollen rekonstruiert.

Ein Drittel Frauen im Parlament

Mit Machtübernahme der Nationalsozialisten verloren die Frauen die 1918 errungenen politischen Rechte. Die nationalsozialistische Partei hatte schon 1921 in ihren Grundsätzen festgelegt, dass Frauen von der aktiven Politik auszuschließen seien.

Landtagsabgeordneter Christoph Degen ist optimistisch: »Mit Blick auf den 28. Oktober, wenn in Hessen der Landtag neu gewählt wird, brauchen wir keine Quote. Die Mehrheit der Wahlkreise wird von Frauen belegt.« Er erinnerte an Elisabeth Selbert, eine der vier »Mütter des Grundgesetzes«. Sie setzte durch, dass der Satz »Männer und Frauen sind gleichberechtigt« am 23. Mai 1949 in das Grundgesetz aufgenommen wurde.

Rita Streb-Hesse, ehemalige SPD-Bundestagsabgeordnete aus Frankfurt ergänzte, dass es in Hessen den Elisabeth-Selbert-Preis gibt. »Im aktuellen Bundestag beträgt der Anteil der weiblichen Parlamentarierinnen 32 Prozent«, sagte sie. Trotz »Gleichberechtigung« sind Frauen auch 100 Jahre nach Einführung des Frauenwahlrechts in gesellschaftlichen Führungspositionen, in Politik, Wissenschaft und Wirtschaft unterrepräsentiert. Die Differenz in den Löhnen betrage bei gleicher Arbeit immer noch 21 Prozent. Die Ausstellung diene auch dazu bewusst zu machen, wie wichtig das Grundrecht auf Wählen ist, gerade bei der immer geringer werdenden Wahlbeteiligung, erklärt Schwantje. (Foto: geo)

Die Ausstellung ist noch bis zum 16. März im Familienzentrums (Montag, Dienstag und Donnerstag von 8 bis 12 Uhr und Montag von 16 bis 18.30 Uhr) zu sehen.

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