09. März 2018, 20:42 Uhr

Ungebremst durch den Alltag

09. März 2018, 20:42 Uhr
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Von Harald Schuchardt
Hoch das Bein: Slapstick gehört bei den »Schönen Mannheims« dazu. Das sind hier (v. l.): Susanne Back, Smaida Platais und Anna Krämer. (Fotos: lod)

»Musik ist Trumpf«, sangen die »Schönen Mannheims« zum Auftakt ihres grandiosen Auftritts anlässlich des Weltfrauentags in der seit Wochen ausverkauften Trinkkuranlage. Doch das Programm »Ungebremst« des Quartettes ist alles andere als ein »Frauenprogramm«, das womöglich noch eine politische Botschaft beinhaltet.

Vielmehr beschäftigen sich die drei ausgebildeten Sängerinnen Anna Krämer, Smaida Platais und Susanne Beck zusammen mit Stefanie Titus am Klavier mit alltäglichen Themen, die sie mit einem gehörigen Schuss Comedy, etwas Slapstick und natürlich viel Gesang und Musik auf die Bühne bringen. Das ganze würzen sie immer wieder mit ihrem typischen »Mannemer« Dialekt.

Der Erfolg gibt den vier Freundinnen, die seit 2011 durch die Lande touren, recht. Sie persiflieren die Frauenwelt geradezu köstlich, ohne dabei die Männer etwa ins Lächerliche zu ziehen. Die spielen fast eine untergeordnete Rolle, auch wenn es natürlich immer wieder mal um Herz und Schmerz geht.

So singen sie von den »Boys from Mannheim City« oder suchen auf dem Friedhof nach dem idealen Mann, denn »was wir suchen ist ausgestorben«. Dabei nutzen sie nahezu alle Genre der Musik, von dahin geschmetterten Opern-Arien über eingängige Musicalmelodien und fetzigem Swing bis hin zu Popklassikern von Whitney Houston bis Tom Jones.

Die drei Sängerinnen zelebrieren geradezu typische Frauenprobleme, wobei ihre Pianistin immer wieder mit einbezogen wird – und sei es nur durch kurze Einwürfe wie »Don’t touch«.

Skurrile BH-Modeschau

So vergießt so manche Besucherin bei einer skurrilen BH-Modeschau ebenso Lachtränen, wie bei der Aufnahme zu einem Werbejingle für den TV-Verkaufssender »Schoppe-TV«. Als Autofahrenden Frauen nehmen sie den eingespielten Originalkommentar aus der TV-Autoserie »Der siebte Sinn« aus dem Jahr 1975 wörtlich, »fahren mit gefährlichen Stöckelschuhen« oder versuchen nach rechts über die Schulter zu schauen, »was Frauen schwer fällt« so die Originalstimme aus dem Off.

Die Besucherinnen sind begeistert, vor allem vom tollen Gesang des Trios, das auch einige Eigenkompositionen, wie ihr »Loblied« auf das Navi oder den Song der »Singlefrauen« im Programm hat. Egal ob solo, im Duett oder zu dritt, sie singen und spielen immer auf allerhöchstem Niveau und das honorieren die Besucherinnen mit nicht enden wollenden Applaus. Schließlich haben die vier als dritte Zugabe noch ein besonderes Kleinod im Gepäck: Ihre ganz eigene »getragene« Version von »Winterzeit in Wien«, einer Persiflage auf den Wiener Schmäh, die Hape Kerkeling geschrieben und bekannt gemacht hat.

»Das war ein wunderschöner, toller Abend«, meinte auch Kornelia Schäfer vom Fachdienst Frauen und Chancengleichheit des Wetteraukreises, die die Veranstaltung zusammen mit den städtischen Frauenbeauftragten Gabriele Davis (Karben), Michèle Kabisch (Friedberg) und Patricia Mayer (Bad Nauheim) organisiert hatte.

Zu Beginn des Abends konnte Schäfer Bürgermeister Klaus Kreß, den Ersten Kreisbeigeordneten Jan Weckler und Kreisbeigeordnete Stefanie Becker-Bösch begrüßen. In ihren Grußworten gingen Kreß und Weckler, wie zuvor schon Schäfer, kurz auf die Geschichte des Kampfs um Frauenwahlrecht und Gleichberechtigung ein. »Da gibt es immer noch Luft nach oben«, sagte Weckler.

Der internationale Frauentag habe immer noch seine Berechtigung stellte Kress angesichts der noch vorhandenen Lohnlücke zwischen Mann und Frau oder der viel zu wenigen Frauen in Chefetagen fest. Dem badestädtischen Stadtoberhaupt war es auch zu verdanken, dass die Zahl der anwesenden Männer bekannt wurde. Diese sollten die Hand heben. Es waren keine zehn.



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