16. Januar 2019, 20:08 Uhr

Unerwartete Entdeckungen

16. Januar 2019, 20:08 Uhr
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Aus der Redaktion
Das Brentano-Ensemble hat schon oft in der Region gespielt und das Publikum beeindruckt, wie hier in der Komturkirche in Nieder-Weisel. (Foto: Archiv)

Die Kammerkonzertreihe, die der Fachdienst Kultur und Sport der Stadt zusammen mit dem Kulturforum auch im Jahr 2018 veranstaltet hat, endete mit einem Kammerkonzert des Frankfurter Brentano-Ensembles. Unter dem Thema »Unerwartete Entdeckungen« interpretierten die sechs Musizierenden des Ensembles, meist Mitglieder des HR-Sinfonieorchesters, Werke von Johann Sebastian Bach, Niels Wilhelm Gade und Antonín Dvorák.

Mit Johann Sebastian Bachs sechsstimmigem Ricercare eröffnete das Ensemble das Programm. Das Werk geht auf einen Besuch Bachs im Jahre 1747 am Hof Friedrichs II. in Potsdam zurück, bei dem der König den Meister um die Improvisation einer Fuge über ein von ihm gestelltes Thema bat. Zurück in Leipzig, arbeitete Bach diese Fuge aus, erweiterte sie sogar zu einem sechsstimmigen Werk, dem Ricercare, das zum Kernstück des Friedrich II. gewidmeten »Musikalischen Opfers« wurde.

Das Thema mit vier langsam aufsteigenden halben und den schnell ansteigenden zehn Viertel- und Achtelnoten bot Bach Gelegenheit, die sechs Stimmen (je zwei Violinen, Violen und Celli) zu einem musikalischen Disput »auf Augenhöhe« zu führen, bei dem stellenweise Einzelstimmen hervortreten, während andere sie im Hintergrund zu kommentieren scheinen, dann wieder das Gespräch weniger bewegt seinen Fortgang nimmt, alle aber immer wieder durch die Wiederholung des Themas zur gemeinsamen Sache zurückgerufen werden. Durch sein dynamisches und exakt aufeinander abgestimmtes Spiel vermochte das Brentano-Ensemble seine Zuhörer durch die Bearbeitung des vom listigen Fuchs Friedrich gestellten, kniffligen Thema zu geleiten.

Das Scherzo im Streichersextett das dänischen Komponisten Niels Wilhelm Gade beginnt nach dem eher dramatischen ersten Satz mit einer hastigen Jagd in höhere Tonlagen, von der sich tiefer gestimmte, liederartige Partien abheben, bei denen dem Cello die führende Rolle zufällt. Bratsche und Cello bieten im folgenden Andantino dem an einen Gesang erinnernden Thema den dunklen Hintergrund.

Violinen als Gegensatz

Wie mit einem Sprung in die Szene und rhythmisch bewegt beginnt dagegen das Finale des Werks. Einen gewissen Gegensatz dazu bieten die hohen, gesangsartigen Stimmen der Violinen, begleitet von einem klopfenden Rhythmus von Viola und Cello. Die Begleitschrift zum Konzert betont, dass Kammermusik für Streicher für Antonin Dvorák »das Genre, in dem er sich zu Hause fühlte,« gewesen sei. Sein Streichsextett A-Dur beginnt mit einem Allegro, das seine wechselnden Motive wiederholt dynamisch steigernd weiterführt. An Dvoráks Nähe zur tschechischen Volksmusik erinnert »Dumka«, die ihre melancholischen Elemente mit tänzerischen zu verbinden weiß und gelegentlich eine liederartige Zweistimmigkeit unerwartet von Dur- in Mollstimmungen übergehen lässt. Der presto zu spielende »Furiant«, ein böhmischer Tanz im Dreivierteltakt, wirkt wie eine heitere Verfolgungsjagd, die nach einem Einhalten in weiche, lyrische Klänge übergeht. Das Finale dieses Sextetts bestreitet zunächst ein Quartett aus Violen und Celli.

Ihr Thema nehmen die Violinen umspielend auf und führen hinüber in eine Folge von Variationen, mit deren bunter Folge das Werk endet.



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