10. August 2019, 06:00 Uhr

Kaufhaus steht seit sechs Jahren leer

Umbaupläne für Joh-Gebäude: Alles nur Spekulation?

Gehobener Wohnraum im Stadtzentrum: So stellt sich der Investor die Nutzung des Kaufhauses Joh vor. Doch in Friedberg mehren sich die Stimmen derer, die Zweifel äußern. Wird das noch was?
10. August 2019, 06:00 Uhr
Das ist nicht schön, aber seit fast sechs Jahren ein Dauerzustand: Das ehemalige Kaufhaus Joh im Zentrum von Friedberg gammelt vor sich hin. Das Gitter soll Tippelbrüder und -schwestern von der Treppe vertreiben. Besser wäre ein kompletter Abriss. (Foto: Nici Merz)

Die Geschäftsführung des Bauentwicklers 3 V Invest aus Grünwald bei München macht Urlaub. In drei Wochen stehe ein Ansprechpartner zur Verfügung, hieß es telefonisch. In Friedberg wüssten viele Bürger lieber heute als morgen, ob das Bauprojekt zustande kommt und das ehemalige Kaufhaus Joh tatsächlich für Einzelhandel und Wohnen umgebaut wird. Zweifel kamen schon vor Wochen auf, als die Immobilie plötzlich wieder auf dem Markt war. 9,9 Millionen Euro wurden dafür aufgerufen. »Utopisch«, sagt ein Kenner der Branche. Angeblich hat 3 V Invest das Gebäude samt Grundstück für 3,5 Millionen Euro gekauft. Will der Münchner Investor gar nicht bauen und stattdessen nur die Rendite einstreichen?

WIR fordert Ablehnung des B-Plans

»Der Investor treibt Schindluder mit uns«, meinte ein Stadtverordneter, der seinen Namen nicht nennen wollte. Das Bürgerbündnis WIR hat schon lange Zweifel an den Plänen des Investors. In einem Schreiben fordern nun Brigitte Mergner, Klaus Kissel, Hildegard Tannebaum, Dieter Fitsch und Horst Weitzel, die Stadtverordneten sollten die jüngste Änderung des Bebauungsplans aufheben. Der Magistrat solle auf den Eigentümer einwirken, damit dieser innerhalb von sechs Monaten den alten B-Plan umsetze. Ansonsten werde eine Strafzahlung fällig. Stimme der Investor nicht zu, müsse er die Immobilie zurückgeben. Die Liste WIR bringt auch eine Enteignung ins Spiel und schlägt vor, die Stadt selbst solle das Gebäude übernehmen. Als Nutzung vorgeschlagen werden ein Lebensmittel-Markt, ein Tourismus-Büro, Geschäfte »oder auch eine Ebene im Stile eines Marktes mit kleinen Geschäften und Ständen« sowie Räume für öffentliche Veranstaltungen.

Wie das Bürgerbündnis in einer Pressemitteilung schreibt, sei die Nutzung des Gebäudes für Wohnzwecke (41 Wohneinheiten sind geplant) nur möglich, wenn - wie vom Investor vorgesehen - »zwei ungefähr zehn Meter breite Lichtschächte in die Mitte des Baukörpers« gebrochen werden. »Abgesehen von den damit verbundenen immensen Kosten geht dadurch auch erheblich an Nutzfläche für die Wohnungen verloren.«

WIR kritisiert Pläne des Investors

Erfahrungen mit anderen umgebauten Kaufhäusern, etwa in Hofheim, zeigten, dass später ein Mietpreis von bis zu 18 Euro pro Quadratmeter aufgerufen werde. Löst das die Probleme auf dem Wohnungsmarkt? Oder gibt »ein solcher, zumindest für Friedberg, utopischer Mietpreis Anlass zur Befürchtung, dies sei nur ein weiterer Versuch, die Stadt hinzuhalten? So funktioniert nun einmal Spekulation.«

WIR kritisiert auch den Plan, das Untergeschoss, wo einst ein Lebensmittelmarkt eingerichtet war, in eine Tiefgarage umzubauen. Bei einem Umbau der oberen Stockwerke für Wohnzwecke befürchtet WIR, dass es zu gerichtlichen Auseinandersetzungen um Lärmbelästigung kommt. »Es wird auf dem Elvis-Presley-Platz sehr eng werden für Nutzungen wie ›Friedberg spielt‹ oder die ›Feierabendtreffs‹«, glauben die WIR-Sprecher. Aufgrund der zu erwartenden hohen Mieten sei es fraglich, ob sich dort ein Lebensmittelmarkt ansiedele. »Vom ursprünglich beabsichtigen Erhalt der Nutzung als Gewerbefläche mit dem Ziel, wieder einen ›Magneten‹ in die Innenstadt zu bekommen, bleibt nichts übrig. So wird die Umgestaltung auf Dauer sogar das Aus für jedwede großflächige Gewerbenutzung zur Folge haben.«

Die abermalige Änderung des Bebauungsplans lehne man deshalb ab. »Stattdessen müssen dort Einrichtungen für die Menschen entstehen. Einrichtungen zum Einkaufen, zur Kommunikation, zum Lernen, um Neues zu erfahren. Ein Zentrum städtischen Lebens, mit Geschäften und Lokalen. Dazu muss die Stadt die Immobilie endlich in die Hand bekommen. Wege dazu wurden bereits mehrfach aufgezeigt.«

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