05. November 2019, 18:58 Uhr

Über die Welt am Scheideweg

05. November 2019, 18:58 Uhr
Unter katastrophalen Bedingungen arbeiten Einheimische auf der illegalen Müllhalde in Accra: Szene aus dem Film »Welcome to Sodom«. (Foto: pv)

Sodom oder Utopia - Vernichtung der Schöpfung oder Bewahrung? Dass die Welt heute mehr denn je am Scheideweg steht, vermitteln die beiden Filme »Welcome to Sodom« von Florian Weigensamer und Christian Könes sowie »Zeit für Utopien - Wir machen es anders« von Kurt Langbein in eindringlichen Bildern. Der Verein Bad Nauheim fair wandeln hat sie im Rahmen der diesjährigen Globale Mittelhessen, Filmfestival für globale Gerechtigkeit, ausgewählt. »Damit wollen wir das Thema Nachhaltigkeit aus verschiedenen Blickwinkeln beleuchten«, erklärt Agnes Römer, Vorsitzende des Vereins.

Der Dokumentarfilm »Welcome to Sodom« nimmt den Zuschauer mit auf eine Mülldeponie in der ghanaischen Hauptstadt Accra. Hier suchen Einheimische zwischen brennenden Müllbergen, in beißendem Rauch und auf vergiftetem Boden nach verwertbaren Materialien aus illegal exportiertem Elektroschrott. »Sodom« nennen sie diese Müllhalde Europas, auf der ihre Gesundheit und ihre natürlichen Lebensgrundlagen zerstört werden. »Sie zahlen den Preis dafür, dass die meisten von uns ihre Smartphones, Tablets und Computer unreflektiert nutzen und sich nicht um deren Entsorgung kümmern«, kommentiert Gerd Joachim, stellvertretender Vorsitzender des Vereins Bad Nauheim fair wandeln, das nahezu apokalyptische Szenario in Ghana.

Aber es gibt auch utopische Orte auf dieser Welt, wie der Film »Zeit für Utopien - Wir machen es anders« zeigt. Die Firma Fairphone aus Amsterdam nutzt umweltverträgliche Materialien bei der Herstellung von Handys; eine solidarische Landwirtschaftsorganisation in Südkorea ernährt 1,5 Millionen Menschen mit ökologisch produzierten Nahrungsmitteln; ein Projekt in Zürich praktiziert ressourcenschonendes Wohnen. »Wir sehen, dass wir durchaus gut und umweltschonend leben können, wenn wir darauf verzichten, immer mehr haben und immer weiter wachsen zu wollen«, erklärt Dr. Christine Kunert, Kassiererin im Verein.

Sie persönlich schränkt sich schon seit vielen Jahren bei der Anschaffung von Kleidung und anderen Konsumgütern ein. Auch Agnes Römer trägt ihre Kleidung lange und bevorzugt ökologische Materialien. Gerd Joachim fährt in der näheren Umgebung grundsätzlich mit dem Fahrrad und »zu Hause werden keine Lebensmittel weggeschmissen«. Alle drei sind seit etlichen Jahren ehrenamtlich aktiv und haben insbesondere mit der Gründung des Weltladens vor sechs Jahren dazu beigetragen, dass auch in Bad Nauheim umweltschonender gelebt wird. »Der Kurort ist inzwischen Fairtrade-Stadt geworden. Wir haben das Carsharing hierher geholt und mit unserer Bildungsarbeit rund 700 Schülerinnen und Schüler für ein bewussteres Kaufverhalten sensibilisiert«, zählen die drei die wichtigsten Erfolge des Vereins auf.

Ziel: »Lichtblicke« stärken

Sie hoffen auch in diesem Jahr auf ein reges Interesse an den Filmen der Globale. Das Motto des Festivals »Hinsehen, Diskutieren, Handeln« sei drängender denn je. »In vielen, auch westlichen Ländern sind mittlerweile Politiker an der Macht, die die eigene Person in der Vordergrund stellen und dafür sorgen, dass ein Großteil der Bevölkerung abgehängt wird«, sorgt sich Gerd Joachim. Dr. Christine Kunert macht betroffen, »dass der Rüstungsexport auf Rekordniveau bleibt, während politische Lösungen häufig wirkungslos sind«. Und Agnes Römer ergänzt: »Die Politik gibt das Handeln immer mehr aus der Hand und überlässt das Feld der Wirtschaft.«

Aber es gebe auch Lichtblicke wie die Bewegungen »Fridays for Future« oder »Pulse of Europe«. Einen kleinen Beitrag zu deren Stärkung zu leisten, ist die Hoffnung der Organisatoren des diesjährigen Filmfestivals in Bad Nauheim.

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