Für die einen bedeutet sie eine Zielrichtung, manchmal ist sie aber auch eine Vision. Die Sehnsucht zählt zu den menschlichen Qualitäten und bietet so gerade auch Künstlern viel Raum zur Kreativität. Die sechs Künstlerinnen der Ateliergemeinschaft auf dem Hohenstein haben sich lange mit dem Thema Sehnsucht auseinandergesetzt. Das Ergebnis präsentierten sie nun am Freitag einem großen Publikum in ihrer diesjährigen Gemeinschaftsausstellung. Bereichert wurde die Ausstellung durch den Vortrag »Sehnsucht und Kairos« von Prof. Dr. Claus Eurich. Musikalisch untermalt wurde der Abend durch Matthias Jakob und Vokalensemble.

In seinen Büchern hat sich Prof. Dr. Claus Eurich intensiv mit dem Thema Sehnsucht befasst. Menschen sind Sehnsuchtswesen. Hinter jeder Sehnsucht, sei sie auch noch so an Dingen und an Vergänglichem orientiert, stehe im Letzten die Sehnsucht nach einer umfassenden Liebe, nach Ankommen und Vereinigung, nach dem Licht, nach dem Absoluten. Visionen, die in den Menschen leben, geben der Sehnsucht ihre Gestalt.

Die sechs Künstlerinnen der Ateliergemeinschaft drücken das Thema Sehnsucht auf ganz unterschiedliche Art und Weise in ihren Werken aus. Ein Jahr lang haben sich Kornelia Heil, Beate Hodapp, Silvia Roedler, Ina Janke, Susanne Ledendecker und Alice Stroh auf die dreitägige Ausstellung vorbereitet. Neben der künstlerischen Arbeit ist das Atelier aber auch ein Ort der Begegnung, der Wahrnehmung und des Austauschs.

Silvia Roedler, die sich auf Malerei und Bildhauerei konzentriert, verwendet vorwiegend alte Eichenbalken, Holz von Obstbäumen und verschiedene Materialien, wie Stoffe und Papier. Für die Ausstellung hat sie sich an dem Gedicht »Der Prophet« von Khalil Gibran orientiert. Beate Hodapp arbeitet wie eine Forscherin. Die Qualität der Sehnsucht strahlen ihre Bilder oftmals in einem kräftigen Königsblau aus. Sie verbindet die Sehnsucht als menschliche Qualität aber auch mit Stille, Unschuld, Geduld und Aufmerksamkeit.

Der Traum vom Fliegen

Die Sehnsucht als Vision, als eine Zielrichtung für etwas, was noch nicht konkret greifbar und im Raum ist, beschreibt hingegen Kornelia Heil. So wie Dinge voranschreiten können, hat auch Heil eine neue Maltechnik angewendet und so ihren eigenen Entwicklungsprozess erweitert. Getreu Michael Endes »Traum vom Fliegen« hat sich Susanne Ledendecker mit der Sehnsucht auseinandergesetzt. Gedanken an die Freiheit, die Sehnsucht nach einem unbeschwerten Leben. Ledendecker verdeutlicht diese, indem sie sich auf die Jugend konzentriert, die noch voller Sehnsucht und Erwartungen auf das kommende Leben blickt.

Den Ursprung der Sehnsucht zeigt Ina Janke mit der Schlange im Paradies. Die Sehnsucht in Verbindung mit den Elementen Wasser oder Luft. Alice Stroh entdeckt die Sehnsucht in der Stille. Sie macht Momente in ihren Werken spürbar, indem sie verschiedene Materialien verwendet und diese anhand von Fotos in das Bildmotiv einfügt.

Schlagworte in diesem Artikel

  • Khalil Gibran
  • Kreativität
  • Künstlerinnen und Künstler
  • Sehnsucht
  • Visionen
  • Vokalensembles
  • Bad Nauheim
  • Corinna Weigelt
  • Schlagwort zu
    Meine Themen

    Sie haben bereits 15 Themen gewählt

    Sie folgen diesem
    Thema bereits

Klicken Sie auf ein Schlagwort, um es zu „Meine Themen” hinzuzufügen oder weitere Inhalte dazu zu sehen.


0
Kommentare | Kommentieren

Bilder und Videos