14. Oktober 2019, 12:00 Uhr

Premiere

Über 2000 Besucher bei erster Friedberger Kulturnacht

Kultur satt gab es bei der ersten Friedberger Kulturnacht am Samstagabend. An 19 Orten wurden fünf Stunden lang an die 40 Events geboten. Alle Veranstaltungen waren gut besucht.
14. Oktober 2019, 12:00 Uhr
Auf gut 2000 wird die Besucherzahl bei der ersten Friedberger Kulturnacht geschätzt. Nur je 25 Besucher finden bei den drei Konzerten von Saxophonist Gert Anklam im Judenbad Platz. (Foto: Loni Schuchardt)

Wo gehen wir wann hin, was lassen wir weg? Diese Frage beschäftigte uns im Vorfeld der ersten Friedberger Kulturnacht fast die ganze Woche. Fest stand nur, dass wir unseren Rundgang beim Kunstverein neben dem Wetterau-Museum, der den Abend über Taschenlampenführungen anbot, beginnen würden. Hier wurde eine Stunde vor dem Kulturnachtsbeginn die Vernissage für die Mitgliederausstellung des Kunstvereins veranstaltet (Bericht folgt). Von da aus waren es nur wenige Meter zur Stadtkirche, wo eine von Kantor Ulrich Seeger organisierte fünfstündige Musiknacht mit mehreren Chören und Organisten stattfand.

Erste Überraschung: In der Sakristei hatten sich bei unserer Ankunft bereits etliche Besucher eingefunden. Wir lauschten kurz den drei Nachwuchschören der Friedberger Kantorei, die »Singen macht Spaß« und Lieder aus Mozarts »Zauberflöte« vortrugen. Nächste Station war das Theater Altes Hallenbad. »Wir sind voll und können niemanden mehr reinlassen«, meinte Andrej Seuss, einer der Kulturnachtmacher, auf der Treppe. Wir durften trotzdem rein und erlebten einen Teil der tollen Varieté-Show mit dem in Friedberg lebenden Jongleur Markus Futtner und seiner Kollegin Katja Lizard sowie Bodenakrobatik mit dem Duo Maurice aus dem Theater Voilá der Waldorfschule Bad Nauheim.

Längste Schlange vor Judenbad

Voll war es auch beim Kunstverein. Etliche Besucher verfolgten das Konzert von Sängerin Fee Mietz von außen durch die offenen Fenster. Fast alle Plätze besetzt waren im Central-Studio bei der ersten Aufführung des Hesselbach-Films »Das Dokument« aus den 1960er-Jahren.

Weiter ging unser »Kultur-Hopping«, wie es ein Friedberger bezeichnete, zur Buchhandlung Bindernagel. Dort gelangten wir gar nicht ins Innere, so voll war es beim Mount-Everest-Vortrag von Maja Nielsen. Da in der Musikschule gerade Konzertpause war, gingen wir direkt in den Dicken Turm, vorbei an rund 80 geduldig wartenden Besuchern. »Die Presse darf das«, meinte einer. Alle lachten.

Fast 50 Personen durften jeweils in das sonst verschlossene wundersame »Reych der Schlaraffen«, wo die diesjährige Wetterauer Kulturpreisträgerin Sabine Dreier vier Flötenkonzerte mit Musik aus acht Jahrhunderten gab. Die Akustik war sensationell. »Ich wollte hier unbedingt rein«, meinten viele Friedberger. Die Schlaraffen-Ritter erläuterten die Geschichte des Männerbundes und des Dicken Turms.

Weiter ging’s zum Burgtor, wo die Deutsch-Iren bei Guinness und Whiskey drei Dudelsackspieler aufspielen ließen. Glück hatten wir in der Musikschule, wo wir die letzten drei Stücke des Duos Ann-Kristin Drechsler und Leander Gronau genossen. Es gab sogar einige freie Sitzplätze.

Die längste Schlange erwartete uns vor dem Judenbad. »Ich stehe schon 45 Minuten hier«, meinte Brigitte Pollmar, die, wie so viele, unbedingt das letzte von drei Konzerten unter dem Titel »Raum-Space« des Saxofonisten Gert Anklam erleben wollten.

Finale im »Pastis«

»Wir können nur 25 Leute rein lassen«, verkündete Museumsleiter Johannes Kögler. Wir waren die Nummern 26 und 27 und erlebten den Anfang des einmaligen Klangerlebnisses. Vorbei am schon dunklen Fünf-Finger-Treff, wo am frühen Abend Märchenlesungen stattgefunden hatten, liefen wir zum Bibliothekszentrum. Erneut eine Schlange. Wir erhielten wieder Zutritt, blieben länger als geplant. Der Bob-Dylan-Abend der drei Liederleut’ Kai und Volker Michel sowie Jürgen Wagner war ein Knaller.

So verzichteten wir auf einen Besuch der Konzerte im Café Kaktus und gingen noch mal in die illuminierte Stadtkirche, wo Christoph Brückner auf der Orgel gerade »Wind of change« der Scorpions spielte. Unser Finale um kurz vor Mitternacht war im proppenvollen »Pastis« der swingende Jazz der fantastischen »Tuesday Night Band«. Kurz vor eins waren wir zu Hause, erschöpft, aber glücklich, so wie vermutlich alle der von einem Macher vorsichtig auf 2000 geschätzten Besucher.

Uns ging es wie vielen Besuchern: Nicht alle Events konnten wir besuchen, etwa die Lesung von Andreas Arnold auf dem Adolfsturm oder die Installation »Silent Space« mit Objekten von Viktor Naimark in der Burgkirche. Zu weit entfernt war auch die THM, wo sich die Stage Band mit Martin Guth abwechselte. Gleiches galt für den Poetry Slam im Bahnhof sowie das Konzert der Friedberger Nachtigallen und die Tanzperformance von 1st Cut im Erasmus-Alberus-Haus. Wie wir gehört haben, war überall viel los. Der Slam wurde übrigens nicht in der verschlossenen Bahnhofshalle veranstaltet, sondern nebenan im »Backwerk,« der ehemaligen Bahnhofsgaststätte.

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