01. August 2019, 08:00 Uhr

Radfahrer und Hunde

Trügerische Ruhe im Bad Nauheimer Kurpark?

Rücksichtslose Radfahrer, freilaufende Hunde: Mehrfach haben sich Leser jüngst über Vorfälle im Bad Nauheimer Kurpark beschwert. Was geht dort vor sich? Die WZ hat sich umgeschaut.
01. August 2019, 08:00 Uhr
Foto: Ihm-Fahle

Es herrschte eine ruhige, friedvolle, entspannte, wunderschöne sommerliche Abendstimmung«, schrieb der Bad Nauheimer Arzt Dr. Karl-Heinz Deuser kürzlich an die WZ. Plötzlich sei von hinten ein Schatten über die Wiese im Kurpark gehuscht, etwa einen Meter vor ihm und seiner Frau. »Es war ein Crossradfahrer«, sagt Deuser.

Seine Schilderung und andere Beschwerden über Verstöße im Kurpark sind Auslöser für eine Recherche. Was ist in der denkmalgeschützten Grünanlage in Bad Nauheim los? Dies will ich an einem Samstagnachmittag herausfinden. Der Crossradfahrer, der Deuser begegnet ist, hat mit sehr hoher Geschwindigkeit den Weg überquert, wie der Doktor erklärt. »Dann fuhr er auf die gegenüberliegende Wiese und über den Weg wieder zurück auf die Wiese und wieder quer darüber, völlig ungerührt zwischen den Leuten durch.« Der Spuk habe sich wiederholt, als eine zweite Crossradfahrerin genauso ungeniert vorbeigerast sei. Ein Zuruf der erschrockenen Spaziergänger habe nur einen kurzen Blick zurück vom Rad verursacht.

Deuser weist auf die Schweiz hin, wo bereits geringfügige Verstöße in Parkanlagen mit dreistelligen Strafen geahndet würden. »Die 10 oder 20 Euro bei uns, sofern man erwischt wird, sehen manche Leute wohl eher als Eintrittsgeld«, sagt er.

Auch andere Leser haben der WZ unschöne Erlebnisse mitgeteilt: Mit Radfahrern, denen sie »alle paar Minuten« begegneten, die »über die Wiese schießen« und die bei Kritik lospöbelten. »Wer kontrolliert?«, fragte ein Leserbrief-Schreiber. Freilaufende Hunde waren ebenfalls mehrfach Thema.

Schon zweimal Strafe gezahlt

Ich mache mich also auf, mit schlechtem Gewissen allerdings. Denn als ich vor Jahren versuchte, Triathletin zu werden, trainierte auch ich einige Male mit dem Rad auf den Kurparkwegen. Spätabends war das, der Park schien mir leer. Doch ab und zu schälte sich jemand aus der Dunkelheit und rief: »Verboten«.

Nun scheint die Sonne im Kurpark. Viele Eltern sind mit Kindern unterwegs, oft mit Rädchen. Das ist erlaubt, anders als bei Radfahrern über acht Jahren. Alles ist ruhig und beschaulich - doch halt: Ein Mann radelt zügig am Kurhaus vorbei. Er weiß, dass er dies nicht darf. »Es gibt viele Leute, die hier mit dem Rad fahren, besonders frühmorgens. Ich gehe arbeiten und bin froh, wenn ich die Abkürzung nehmen kann«, sagt er. Schon zweimal habe er Strafe gezahlt, insgesamt 60 Euro. Er schlägt vor, den Kurpark fahrradfreundlich auszustatten. »Beispielsweise mit Radfahrstreifen wie in der Frankfurter Straße.« Eine Elfjährige rollert schnell einen Weg entlang. »Ich wusste nicht, dass es verboten ist«, sagt sie und fährt weiter.

Spaziergänger finden die Lage trotzdem entspannt. »Es ist alles zivilisiert. Weder Radfahrer noch freilaufende Hunde haben gestört«, sagen zwei Tagesgäste aus Heidelberg. Einem weiblichen Kurgast aus Idstein geht ebenso: »Ich gehe oft walken. Da ist der Enten-Kot störender, als wenn ein Radfahrer käme.« Stimmt, in die Grütze bin auch ich schon gestiegen.

»Betreten verboten«, steht auf Schildern an der großen Kurhauswiese. Manch einer hält sich nicht dran. Ein 23-Jähriger läuft über das Gras, ein Pärchen liegt unter Bäumen. Und eine etwa zehnköpfige Gruppe junger Leute picknickt. Alle dachten vorher, es sei in Ordnung. »Es ist öffentlicher Raum«, sagt ein Mann. Deshalb findet er es nicht okay, hier nicht liegen zu dürfen. Ein paar Meter weiter, neben der Kurhauswiese, erschließt sich eine weitere Grünfläche, wo das Verweilen gestattet ist. Ein Paar aus der Nähe von Gießen hat es sich auf einer Wolldecke gemütlich gemacht. Dass dies an dieser Stelle erlaubt ist, wussten sie - »deshalb haben wir uns hierhin gelegt und nicht woanders«.

Zu guter Letzt gehe ich einem weiteren Verbot nach: Hunde dürfen nicht frei laufen gelassen werden. Bald werde ich fündig, ein Mann lässt seinen Labrador-Mix »ohne« laufen. »Das tue ich immer, er ist es so gewohnt, und er ist lieb«, sagt er. Ordnungshüter habe ich bei meiner Recherche übrigens nicht gesehen.

Drei Fragen an den Dezernenten

Kontrolliert die Stadt im Kurpark zu wenig?

Peter Krank: In Bad Nauheim arbeiten die städtische Ordnungspolizei und ein von der Stadt bezahlter Sicherheitsdienst Hand in Hand zusammen mit dem Schutzmann vor Ort, Bernd Büthe. Die Stadt Bad Nauheim investiert, zusätzlich zu den Personalkosten für die Hilfspolizei, jährlich 100 000 Euro in den Sicherheitsdienst. Jener ist sowohl im Kurpark, als auch an anderen neuralgischen Stellen Bad Nauheims unterwegs, beispielsweise an Spielplätzen und Parkdecks. Der Kurpark wird ebenfalls regelmäßig kontrolliert, sowohl tagsüber als auch nachts, auch wenn Sie unsere »Hipos« oder Herrn Büthe in den zwei Stunden Ihres Aufenthaltes nicht gesehen haben.

Sind die Beschwerden berechtigt?

Krank: Natürlich ist es mehr als ein Ärgernis, wenn Radfahrer mit hohem Tempo die Spaziergänger fast umfahren, dennoch sind dies meines Erachtens Einzelfälle, und das belegen auch die Berichte von unserem Sicherheitspersonal. Die meisten Radfahrer fahren rücksichtsvoll oder schieben ihr Rad, und die wenigsten Fußgänger fühlen sich dadurch gestört. Gleichwohl haben wir eine Kurparkordnung, die wir auch eingehalten sehen wollen. Daher werden Bußgelder für das Radfahren im Kurpark verhängt. Wir wollen dabei aber die Verhältnismäßigkeit nicht aus den Augen verlieren und werden nicht gleich die »Strafzettel-Keule« schwingen, wenn jemand nur die Kurparkwiese betritt.

Was hat es mit dem Entenkot auf sich - wird nicht gereinigt?

Krank: Die Wege im Kurpark werden selbstverständlich gereinigt. Das stört aber die Gänse und Enten nicht, die, um es salopp auszudrücken, hinter der Kehrmaschine herlaufen und dabei ihre Häufchen wieder auf den frisch gereinigten Weg fallen lassen. (ihm/Foto: ihm)

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