06. Oktober 2019, 06:00 Uhr

Liebe, Sex und Partnerschaft

Traumhochzeit: Ein Wetterauer Ehepaar über vorher, nachher und den großen Tag

Andrea und Hendrik Schultheiß aus Reichelsheim haben ja gesagt - und dafür alle Register gezogen. Ihr Hochzeitsfest haben sie monatelang vorbereitet - und dabei einige Überraschungen erlebt.
06. Oktober 2019, 06:00 Uhr

Die Hochzeit ist der schönste Tag im Leben, sagt man. Das können und wollen Andrea und Hendrik Schultheiß aus Reichelsheim so nicht unterschreiben. »Es war ein sehr schöner Tag«, sagen sie über ihre Hochzeit im Frühsommer 2019. »Aber sich auf einen einzigen Tag zu fokussieren, kann nur schiefgehen.« Vernünftig. Zumal die 28-jährige Immobilienmanagerin und der 30-jährige Bundeswehroffizier noch einen Großteil ihres Lebens vor sich haben dürften. Nichtsdestotrotz haben sie einigen Aufwand betrieben, um ihre Vermählung zu einem unvergesslichen Ereignis zu machen. Die monatelange Vorbereitung hat dem Paar einiges abverlangt, aber auch Unerwartetes ans Licht gebracht.

Andrea und Hendrik reden gerne, ausführlich und offen über ihre Hochzeit. Das merkt man sofort, als sie sich am Wohnzimmertisch gegenübersitzen und zu erzählen beginnen. Ihre Wohnung auf der Hofreite seiner Familie versprüht einen dezenten Landhauscharme, ist aber modern eingerichtet. Hendrik klappt den Laptop auf und zeigt einige der zahlreichen Hochzeitsfotos: das Brautpaar vorm Standesamt, in der Kutsche, vor dem Altar, eng umschlungen, lachend, leger oder elegant - sie im weißen Kleid, er im Gesellschaftsanzug der Bundeswehr. Dazu die Festtafel, Blumendeko, liebevoll bemalte Schilder, Luftballons, ein großes selbst gebautes Holzkreuz - alles geschmackvoll und wie aus einem Guss. »Detailverliebt« - das Wort fällt nicht zu Unrecht. »Wir wollten, dass alles zu uns passt, persönlich ist«, sagt Hendrik. »Traditionell, aber auch modern.« Und dafür haben sich die beiden ziemlich ins Zeug gelegt.

Rund acht Monate Vorbereitungszeit

»Ich war mindestens sechsmal bei der Dekorateurin«, erzählt Andrea. Auch mit Koch, Service, Florist, DJ, Stylist, Fotograf, Videograf, Musiker - und natürlich mit der Standesbeamtin und dem Pfarrer haben die beiden vor der Hochzeit einiges zu besprechen. Dazukommen Deko-Bastelabende mit Freundinnen, Essen- und Weinprobe sowie Auswahl und Anprobe der Kleidung. »Es war schon stressig«, sagt Hendrik. »Jedes Wochenende und auch Abende unter der Woche waren mit Hochzeitsplanung belegt.« Andrea nickt: »Mit sieben, acht Monaten Vorlauf waren wir schon vergleichsweise spät dran.«

All die Planung wirkt sich auch auf die gesamte Familie aus - und das nicht nur in Form von Hilfsbereitschaft. »Gerade in der Vorbereitung erfährt man viel Familiäres, über das man vorher nichts wusste«, sagt er. So habe er erstmals das in Super 8 gedrehte und nun digitalisierte Hochzeitsvideo seiner Eltern gesehen, das auch seine mittlerweile verstorbene Mutter zeigt. Und nicht nur das. »Man sitzt Abende mit Eltern, Großeltern und anderen Verwandten zusammen, an denen man über nichts anderes spricht als über vergangene Hochzeiten. Da wächst man noch mal ganz anders zusammen«, erzählt er.

Getraut werden Andrea und Hendrik Ende Mai im Standesamt in Reichelsheim - im »engsten Familienkreis« von rund 45 Gästen. Anfahrt in der Kutsche inklusive. Danach geht’s zum Fotoshooting in die Weckesheimer Natur. Beim anschließenden Polterabend spielt eine Band in der neu renovierten Scheune der Familie; auf dem Hof stehen Getränke- und Sanitärwagen bereit. Eingeladen ist per Zeitungsanzeige das ganze Dorf. Das beschert dem frisch gebackenen Ehepaar rund 400 Gäste, über eine Tonne Scherben und eine Tanzparty bis tief in die Nacht. Noch am selben langen Wochenende folgen kirchliche Trauung und Feier im Restaurant in Schwalheim mit rund 80 Gästen.

Kleiner Schockmoment

»Eine kirchliche Trauung gehört für mich einfach dazu«, sagt Hendrik. Wie Andrea schätzt er das Zeremonielle daran, sagt aber auch: »Sie verbindet uns mit dem Ort und der örtlichen Kirche.« Allerdings: Wegen der Renovierung der Reichelsheimer Kirche findet der Gottesdienst unter freiem Himmel statt - eine einmalige Ausnahme, die dem Paar bei strahlendem Sonnenschein gelegen kommt. Traualtar und Bänke sind auf einer Wiese hinter Schultheiß’ Hof aufgebaut. Ein Bundeswehrpfarrer aus Bayern, den Hendrik von seinem Auslandseinsatz in Afghanistan kennt, traut das Paar. Auch daher rührt Hendriks Wunsch nach Gottes Segen. »Eine Verbindung ist da - das habe ich bei den Gottesdiensten im Einsatz gespürt.«

Und wie war er nun, der große Tag? »Noch besser als erwartet«, sagt Hendrik. Nicht nur, dass alles geklappt habe wie geplant. Auch das sonnige Wetter, die Reden und Überraschungen von Freunden und Familie seien einfach toll gewesen. »Wir haben so lange darauf hingefiebert, und es waren tatsächlich zwei der schönsten Tage in meinem Leben«, sagt Andrea. Ein bisschen habe sie sich wie in einem Film gefühlt. »Man realisiert erst später, dass man wirklich verheiratet ist.« Wie im Film gab es auch einen kleinen Schockmoment für die Braut, wie sie berichtet. Nämlich als sie im Standesamt ihren neuen Ausweis entgegennahm. Ihren Namen abzugeben, sei ihr nicht leicht gefallen - auch weil sie Einzelkind sei. Aber Hendrik und der Tradition zuliebe habe sie schließlich nachgegeben.

Wrum überhaupt noch heiraten?

Als Paar zusammenleben, wie Andrea und Hendrik es schon lange tun, und eine Familie gründen, wie sie es für die Zukunft planen - all das kann man heute auch ohne Trauschein tun. Warum dann überhaupt heiraten - und das auch noch mit so viel Herzblut? »Für uns war es einfach der nächste Schritt«, sagt Andrea. »Da sind wir traditionell. Wir wollten auch auf dem Papier ein Paar sein.« Hendrik ergänzt lächelnd: »Ich mag das große Bohei. Ich wollte ihr einen Ring anstecken.«

Bleibt noch eine letzte Frage: Was hat sich dadurch verändert? »Das haben wir uns auch schon gefragt«, sagt Hendrik und lacht. »Eigentlich nichts, außer dass wir Ringe tragen und ich einen anderen Namen«, sagt Andrea. »Das gibt einem schon ein Verbundenheitsgefühl.« Vorteile bei Versicherungen, Behörden und der gegenseitigen Absicherung gibt es natürlich. »Die Ehe macht vieles einfacher. Aber deshalb haben wir nicht geheiratet«, sagt sie. »Einen Vorteil hat’s noch«, sagt Hendrik lachend. »Man ist ab jetzt nur noch Gast auf Hochzeiten und muss selbst keine mehr ausrichten.«

Schlagworte in diesem Artikel

  • Beziehungen und Partnerschaft
  • Bundeswehr
  • Familien
  • Hochzeiten
  • Hochzeitsfeste
  • Kirchliche Trauung
  • Liebe
  • Reichelsheim
  • Sex
  • Standesämter
  • Weitere Hochzeitsausdrücke
  • Reichelsheim
  • Eva Diehl
  • Schlagwort zu
    Meine Themen

    Sie haben bereits 15 Themen gewählt

    Sie folgen diesem
    Thema bereits

Klicken Sie auf ein Schlagwort, um es zu „Meine Themen” hinzuzufügen oder weitere Inhalte dazu zu sehen.


0
Kommentare | Kommentieren

Bilder und Videos