17. April 2018, 19:13 Uhr

Trächtiges Reh von Hund gerissen

17. April 2018, 19:13 Uhr
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Von Hans-Dieter Stehr , 1 Kommentar
Jagdpächter Hans-Dieter Stehr zeigt die mit Hämatomen übersäten Stellen am Hals des Rehs, wo der Hund das Tier offenbar mehrmals gegriffen und tot gebissen hat. (Foto: hr)

Der Anruf einer Hundebesitzerin alarmierte den Jagdpächter des Reviers Wolf, Hans-Dieter Stehr: Auf einem Acker liege ein totes Reh. Der Jäger eilte in die Feldflur und entdeckte die verendete Rehgeiß, die kurz vor dem Setzen gestanden hatte, wie die Geburt in der Jägersprache heißt. Offenbar hatte ein hochbeiniger Hund die Rehgeiß gejagt, gefangen und totgebissen. »Es war ein langsames Sterben«, berichtet der Jäger. Der Hals der Ricke sei von Hämatomen und Bissspuren übersät gewesen. Stehr ist sauer, denn der Vorfall ist für ihn das Ergebnis falsch verstandener Hundeliebe und ein Mangel an Verantwortung.

Seit Langem beobachte er, was sich auf der beliebten »Hundespaziermeile« in seinem Revier abspielt. Unangeleint und oft ohne den nötigen Appell tollten die Hunde durch die Feldflur, die bald zur Stätte von Jungwild werde. Stehr: »Solange den Hund nichts ablenkt, wirken Hundeschule und Leckerlis.« Doch wehe, ein Hase oder Reh flüchte vor den Hunden und zeige Bewegungsreiz. »Dann geht die wilde Jagd los.« So war es wohl auch im Fall der toten Rehgeiß.

Der Jagdpächter verzichtete auf eine Anzeige, kündigte aber an, auf Hundebesitzer zuzugehen, »die immer noch nicht begriffen haben, dass sie ihre Tiere nicht aus ihrem Einwirkungsbereich lassen dürfen«. So habe er gerade erst die Besitzer eines Jagdhundemischlings zur Rede gestellt. Das Tier habe sich durch den gesamten Talkessel zwischen Büdingen und den Weißen Gräben bewegt.

Dramatisch sei es bei einem anderen Hergang gewesen, der sich im renaturierten US-Flugplatz abgespielt habe. In Begleitung eines Jagdkollegen kontrollierte Stehr das Gebiet, an der Seite sein Deutsch-Kurzhaar »Caesar vom Hellwegufer«. Auf dem Weg ins Naturschutzgebiet hatten die Jäger einen Spaziergänger mit zwei frei laufenden Hunden überholt. Einer davon, ein Kampfhund-Mix, griff den Jagdhund an. Stehr ging dazwischen. »Der Vorgang ging glimpflich aus. Was wäre gewesen, wenn es eine Mutter mit Kind oder ältere Menschen gewesen wären?«

Worüber Stehr sich auch ärgert, ist die »Unart, Hunde auf landwirtschaftlich genutzten Wiesen laufen zu lassen«. Hundekot auf dem Mähgut, das verfüttert werde, könne zu Krankheiten führen. Er warnt: »Wenn im Feld wieder genug Deckung ist, kann in jedem Acker eine Bache mit Frischlingen liegen. Bekommt ein frei laufender Hund die Tiere in die Nase und stöbert sie auf, hat er schlechte Karten. Im Unterschied zum hilflosen Reh macht eine erboste Wildschweinmutter mit dem Hund kurzen Prozess.«

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