19. März 2019, 10:00 Uhr

Störche

Todbringende Nistplätze für Störche in der Wetterau

Störche bauen ihre Nester auf erhöhten Positionen – auch auf Strommasten ihr Heim errichten. Doch das ist besonders gefährlich und hält Mitarbeiter der Ovag auf Trab.
19. März 2019, 10:00 Uhr

Die Störche sind zurück. Das ist eine erfreuliche Nachricht, doch für die Stromversorger beginnt damit der Stress. Störche bauen ihre Nester gerne auf hohe Bäume und extra gestellte Masten, aber ebenso auf Strommasten. Das stellt auch für die Ovag ein großes Problem dar, weil die Nester die Stromversorgung stören können. Deshalb hat der regionale Energieversorger auf fast allen Masten Abdeckhauben und sogenannte Büschelabweiser installiert. Diese sollen helfen, Vögel am Nestbau zu hindern. Dadurch werden die Tiere vergrämt, was hauptsächlich ihrem Schutz dient. Diese Abweiser, die auf dem Markt sind oder sogar von der Vogelschutzwarte empfohlen werden, helfen jedoch nur bedingt, und es kommt immer wieder zu Zwischenfällen. Stefan Bauer, bei der Ovag Netz GmbH zuständig für die Freileitungen, erklärt die Situation, die für Tiere und Menschen gleichermaßen gefährlich ist.

 

Warum bauen Störche ihre Nester trotzdem auf den 20-kV-Strommasten, obwohl dort Vogelabweiser installiert sind?

Stefan Bauer: Wenn die Störche sich eine Stelle zum Nestbau ausgesucht haben, versuchen sie vehement, dieses Nest zu installieren. Trotz Abweisern schaffen es die Tiere meistens, die Äste so geschickt zu verkeilen, dass ein Nestbau irgendwie gelingt. Wir können uns dies meist selbst nicht erklären. Wir haben noch kein Patentrezept gefunden, das die Vögel effektiv davon abhält. Natürlich haben wir an sich nichts gegen ein Vogelnest. Leider ist es jedoch so, dass Äste, die von den Vögeln an den Masten verkeilt werden, auch des Öfteren an den Stromleiter kommen.

Wie werden Sie darauf aufmerksam, und warum sind die Äste problematisch?

Bauer: Unsere Zentrale bekommt eine Störmeldung, und wir müssen ausrücken, um die Äste zu entfernen. Ansonsten ist die Stromversorgung nicht mehr zu 100 Prozent gewährleistet, und das Leben der am Nestbau beteiligten Störche ist akut bedroht.

Wie sieht ein solcher Einsatz aus?

Bauer: Da wir nicht bei jedem Ast die Stromversorgung abstellen können, versuchen meine Mitarbeiter, einzelne Äste mit einer langen isolierten Stange vom Mast zu entfernen. Ist der Nestbau weiter vorangeschritten, ist eine Abschaltung der Freileitung unumgänglich, da wir das Nest dann aus Sicherheitsgründen und zum Schutz der Mitarbeiter nur mittels Hebebühne direkt am Mastzopf entfernen können.

Wir reden hier über eine Stromspannung von 20 000 Volt, die für jedes Lebewesen bei Berührung lebensbedrohlich ist

Stefan Bauer

Wenn es für die Mitarbeiter so gefährlich ist, welche Konsequenzen kann der Strom für die Störche haben?

Bauer: Auch für die Störche kann das natürlich lebensgefährlich sein. Wenn der Strom auf den Storch oder auch einen anderen Vogel überspringt, hat dieser so gut wie keine Überlebenschance. Wir reden hier über eine Stromspannung von 20 000 Volt, die für jedes Lebewesen bei Berührung absolut lebensbedrohlich ist. Deshalb ist es unser Bestreben, dies mit allen Mitteln zu vermeiden.

Wenn diese Nester immer wieder entfernt werden müssen, wie ist das mit dem Naturschutz vereinbar?

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Trotz Abweisern schaffen es die Störche, Äste geschickt zu einem Nest zu verkeilen. Proble...

Bauer: Wir stehen in engem Kontakt mit der Naturschutzbehörde des Wetteraukreises. Mit den zuständigen Mitarbeitern sind diese Maßnahmen abgesprochen – zum Schutz der Tiere. 2017 waren wir das erste Mal in der Situation, ein Nest entfernen zu müssen, obwohl sich schon Eier darin befanden. Wir haben uns gemeinsam dazu entschieden, das Nest zu entfernen, da es für das Gelege und die späteren Jungstörche einfach zu gefährlich gewesen wäre. Solche Situationen sind schwierig, wir handeln aber auch immer im Sinne des Tier- und Naturschutzes. Gerade wenn die Nestlinge größer werden, ist die Wahrscheinlichkeit höher, dass das gesamte Nest vom Strom getroffen wird oder gar anfängt zu brennen.

Was muss in Zukunft getan werden, um solche Einsätze zu verringern?

Bauer: Wir haben zwar Vorgaben, welche Abweiser wir einsetzen müssen, jedoch funktionieren diese nur bedingt. Deswegen entwickeln auch wir aus eigener Initiative immer wieder andere Modelle und testen diese im Gelände. Man darf jedoch nicht vergessen, dass die Tiere sich diesbezüglich auch weiterentwickeln und es schaffen, auch auf neuere Modelle Nester zu bauen. Bei Stromleitungen, welche vermehrt betroffen sind, führen wir Diskussionen, diese unterirdisch zu legen und somit das Problem zu umgehen. Diese Maßnahmen sind jedoch nicht immer möglich oder wirtschaftlich.

Welche Möglichkeiten gibt es außerdem?

Bauer: Grundsätzlich ist es aus unserer Sicht sehr wichtig und erstrebenswert, dass den Tieren vermehrt und vor allem abseits der 20-kV-Freileitungen Nistplätze angeboten werden, damit sich die Storchenpaare erst gar nicht für die gefährliche und eventuell todbringende Nistplatzvariante »20-kV-Strommast« entscheiden müssen.

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