04. Juli 2018, 08:00 Uhr

Hitzewelle

Tierärzte warnen: Darum kann Ihr Auto für Haustiere zur Todesfalle werden

So schön die sommerlichen Temperaturen auch sind, Hitze kann Haus- und Kleintieren schaden. Die Tierärzte Ralf Keßler und Sabine Datan aus Bad Nauheim warnen vor tödlichen Fehlern.
04. Juli 2018, 08:00 Uhr
Auch die Hunde Hilde und Belaya mögen keine Hitze. Tierarzt Ralf Keßler kann Tierhaltern ebenso wie seine Mitarbeiterinnen Helene Keiling und Sophie Pütz die richtigen Ratschläge erteilen. (Fotos: Isabell Steinhauer)

Nicht erst bei sehr heißen Temperaturen, sondern bereits ab 24 Grad werde das Auto für den Hund zur Todesfalle, sagt Tierarzt Ralf Keßler. »Obwohl immer wieder gewarnt wird, habe ich selbst Fälle erlebt, wo wir Hunde nicht retten konnten. Nur fünf Minuten, sagte der Besitzer, sei er weg gewesen.« Auch das Fenster einen kleinen Spalt zu öffnen oder das Parken im Schatten sei keine Option. »Im Auto steigen die Temperaturen schnell auf 50 Grad«, erklärt der Veterinär, »Hunde können über die Haut nicht schwitzen, daher regulieren sie ihre Körpertemperatur über das Hecheln.«

Dadurch steige die Luftfeuchtigkeit, das Klima werde noch unerträglicher, so der Tierarzt. »Durch fehlende Luftzirkulation und steigende Temperaturen wird das Tier zunächst unruhig, der Speichelfluss nimmt zu, dann verfällt es in Apathie, auch Erbrechen oder Durchfall sind möglich. Was danach folgt sind zentralnervöse Krämpfe, epileptische Anfälle, Schock und Herztod. Ein qualvoller Tod, der innerhalb weniger Minuten eintritt.«

Belastung vermeiden

Nicht nur im Auto haben Vierbeiner bei heißen Temperaturen nichts verloren. »Bei Temperaturen über 30 Grad und an schwül-heißen Tagen sollte man mit dem Hund tagsüber gar nichts unternehmen«, rät Keßler. Die Besitzer wunderten sich über solche Tipps manchmal, der Hund brauche doch Bewegung. Doch Wetterlagen, wie sie derzeit herrschen, seien sehr belastend für Tiere.

Gerade kurznasige Rassen wie Bulldogge oder Mops, Hunde mit dichtem, langem Fell und alte Tiere seien besonders empfindlich. »Ein kurzer Gang in den frühen Morgenstunden oder am späten Abend ist bei Hitze für alle Hunde völlig ausreichend«, sagt Keßler. Auch Spielen und Rennen sollte entfallen, der Hund könne einen plötzlichen Hitzekollaps erleiden.

»Langhaarrassen sollte man im Sommer nicht zu kurz scheren. Dies kann zu Sonnenbrand und Hautkrebs führen.« In Dachwohnungen müsse für ausreichende Luftzirkulation gesorgt werden, Vorsicht sei aber bei Zugluft geboten. Genug Trinkwasser sollten den Tieren stets angeboten werden. »Erlaubt ist es, mit dem Hund schwimmen zu gehen«, sagt der Tierarzt.

Kleintiere besonders gefährdet

Noch mehr Probleme bei Hitze haben Kleintiere. »Aus dieser Gruppe stammen die meisten Hitzetodesfälle in der Tierarztpraxis. Kaninchen sind Höhlenbewohner. Ihre Wohlfühltemperatur liegt bei 18 Grad.« In der Natur lebten sie in Höhlen und ließen sich erst in der Dämmerung blicken. Kaninchen und Meerschweinchen verfügten über keinerlei Mechanismen, mit heißen Temperaturen zurechtzukommen. Auch Meerschweinchen fühlten sich eher bei Temperaturen bis 22 Grad wohl. Der Stall müsse im Schatten stehen, Käfige in der Wohnung sollten mit feuchten Tüchern abgedeckt werden.

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Katzen haben mit Hitze kein Problem. Sie suchen sich ein schattiges Plätzchen.

Kleintiere würden oftmals morgens bei schönem Wetter in den Freilauf gesetzt und vergessen, dass die Sonnenstrahlen im Lauf des Tages dorthin wandern. Auch sie reagierten auf Überhitzung mit Speicheln, Zittern und vermehrter Wasseraufnahme. Schließlich verfielen sie in Apathie. Eine weitere Gefahr, vor allem für Kaninchen, seien Schmeißfliegen, die ihre Eier in kleine Wunden oder Kotreste am After des Tiers legten

Hitze bedeutet Stress

»Man sollte die Tiere mehrmals am Tag auf Fliegenmaden kontrollieren«, rät Sabine Datan. Tierärzte verfügten über Sprays, um Fliegen- und Madenbefall zu therapieren. »Daher darf die alleinige Verantwortung für ein Kleintier niemals einem Kind überlassen werden, das solche Probleme noch gar nicht überblicken kann. Kleintiere sind keine Kindertiere«, betont die Tierärztin.

Hitze bedeutet nach Aussage Keßlers für jedes Tier Stress, genau wie für Menschen. Bei Kreislaufproblemen sei Abkühlung wichtig: »Das Tier in nasse Tücher wickeln und sofort zum Arzt«, empfiehlt Keßler. »Wenn ein Hund kollabiert, ist es möglich, dass sich Nierenschädigungen erst später zeigen und das Tier ein paar Tage später stirbt.« Daher seien oftmals Infusionen nötig.

Hauskatzen – Freigänger, genau wie Wohnungskatzen – schützen sich laut Datan am besten vor der Hitze. »Im Garten verkriechen sie sich in den Schatten, auch in der Wohnung wissen sie, wo sie ein kühles Plätzchen finden. Erst wenn es dunkel ist, tauchen sie meist hungrig wieder auf und haben den ganzen Tag geschlafen.«

Info

Die krassesten Fehler

Manche Tierhalter verfügen nicht über die nötige Erfahrung und treffen im Sommer krasse Fehlentscheidungen. Was man mit seinem Hund an heißen Tagen keinesfalls tun sollte: Im Auto zurücklassen; rennen, joggen, neben dem Fahrrad laufen lassen oder in der Sonne spielen; sich an schwülheißen Tagen in der Sonne aufhalten oder lange Spaziergänge unternehmen.

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