17. März 2019, 18:00 Uhr

Abschied

Thomas Alber: Gelassen in die Selbstständigkeit

Letztlich war es ein großes Missverständnis. Thomas Alber wird die sechs Jahre als Rosbacher Bürgermeister dennoch unterm Strich positiv in Erinnerung behalten, sagt er nach dem WZ-Interview.
17. März 2019, 18:00 Uhr
»Ich ruhe in mir selbst«, sagt Thomas Alber im Interview mit der Wetterauer Zeitung. Er plant, sich nach 30 Jahren in der Verwaltung selbstständig zu machen. (Foto: Nici Merz)

Welcher war Ihr größter Fehler in den sechs Jahren in Rosbach?

Thomas Alber : Der größte Fehler ist davor passiert. Ich hatte Rosbach aufgrund der Lage und der schon vorhandenen Strukturen als entwicklungswillige Kommune eingeschätzt. Das war hinsichtlich des dafür notwendigen politischen Offensivdranges leider nicht ganz so.

Haben Sie die schwierige Gemengelage unterschätzt, ein Parlament mit sieben Fraktionen zu moderieren?

Alber: Das war so nicht einzuschätzen. Nach meinem Wahlerfolg 2012 gab es drei Kandidaten, die keinen Erfolg hatten. Deren erste Motivation war es, nicht auf meiner Seite zu sein. So etwas kann man nicht planen. Außerdem haben die stringenten Vorgaben der Landesregierung zur Haushaltskonsolidierung die Arbeit zu Beginn sehr erschwert. Auch das konnte man nicht ahnen.

Und Ihre beste Entscheidung?

Alber: Zu kandidieren – trotz allem. Mit Abstand die wichtigste und beste Entscheidung war aber, für die Flüchtlinge Wohnraum zu schaffen. Wir mussten weder Sporthallen noch Bürgerhäuser belegen. Wir konnten sicherstellen, dass die Menschen adäquaten Wohnraum erhalten, nicht stigmatisiert werden und so die Integration fördern. Andere Kommunen sitzen jetzt auf den Containern.

Wie werden die Rosbacher in 15 Jahren über das »Erbe« von Thomas Alber denken?

Alber: Positiv. Die Sichtweise auf das Baugebiet Sang wird sich relativieren. Die neue integrative Kita wird positiv wirken. Viele Menschen werden eine Wohnung gefunden haben. Auch das Straßenbauprogramm und die auf den Weg gebrachte Sanierung städtischer Gebäude und des Rodheimer Freibads werden dafür sorgen.

Die Sichtweise auf das Baugebiet Sang wird sich relativieren

Thomas Alber

Das neue Baugebiet »Sang« kommt bei vielen Rosbachern nicht gut an. »Hochhäuser für Frankfurter« würden dort gebaut, heißt es. Hätte das Areal anders entwickelt werden müssen?

Alber: Die Gebäudetypen sind nicht höher als vergleichbare in Rosbach. Ich kann jedoch verstehen, dass man derzeit den Eindruck erhält: Das passt nicht so wirklich ins Stadtbild. Aber wenn die Kräne weg und die Grünanlagen gestaltet sind, relativiert sich das. Generell muss man den Erfordernissen des Ballungsraums rechtzeitig begegnen. Vor sechs Jahren hatte ich mir den vorhandenen Entwurf – ausschließlich mit Einzelhäusern – angeschaut und gesagt: »Wir springen zu kurz.«

Welche Politik wünschen Sie sich für die Zukunft?

Alber: Ich halte es für sinnvoll, dass der eingeschlagene Weg fortgesetzt wird. Außerdem muss die Kinder- und Jugendbetreuung ausgebaut werden. Gerade die Verzahnung von Kita und Schule ist ein entscheidendes Thema. Rosbach wurde da durch den Sparzwang des Landes leider ausgebremst.

Was raten Sie Ihrem Nachfolger Steffen Maar?

Alber: Er sollte, wie er es ja wohl auch vorhat, versuchen, die Meinungsbildner stärker einzubinden und – das habe ich nicht in letzter Konsequenz getan – mehr Willen zur Zusammenarbeit einfordern. Bei der »Sang« hat das funktioniert. Aber bei anderen Themen hätte ich es vielleicht darauf ankommen lassen müssen und sagen: Gut, dann haben wir jetzt eben einen Stillstand.

Das ist aber nicht Ihre Art…

Alber: Das ist mein Problem. Da stehe ich mir selbst im Weg, ich will Ergebnisse erzielen. Manchmal kann Stillstand aber auch richtig sein, um diesen aufzuzeigen.

Was werden Sie nach dem Ende Ihrer Amtszeit tun?

Alber: Ich mache einen Cut – persönlich wie auch politisch. Ich gehe nach 30 Jahren raus aus der Verwaltung und werde mich mit 49 Jahren einem neuen Lebensabschnitt widmen. Und die Angebote prüfen, die ich bekommen habe.

Die da wären?

Alber: Vielleicht gehe ich in die Selbstständigkeit. Ich spiele mit dem Gedanken, ein deutschlandweites Geschäft im Tourismusbereich aufzubauen. Sportaktivitäten, Aktivurlaube, so etwas in der Art. Ich reise gerne mit dem Rucksack durch die Welt, bin viel mit dem Motorrad unterwegs. Zuletzt war ich vier Wochen in Marokko. 8700 Kilometer plus 2300 Kilometer Fähre. Jetzt bin ich erstmal drei Wochen zum Motorradfahren in Kalifornien.

Was nehmen Sie persönlich aus den sechs Jahren mit? Wie haben Sie sich verändert?

Alber: Ich bin sehr froh über diese sechs Jahre. Es gab Kritik, Widerstände, Demonstrationen, Unterschriftenlisten. Aber man sagt ja: Was einen nicht umbringt, macht einen härter. Unterm Strich ist es auch so. Heute gehe ich gelassener mit bestimmten Problemen um und sehe in der Kritik eher Hinweise. Ich ruhe in mir selbst.

Als Bürgermeister hat man ein bestimmtes Standing. Haben Sie Angst vor Bedeutungsverlust?

Alber: Der Präsident des Landessportbundes, Rolf Müller, hat mal gesagt: »Das schlimmste ist, wenn der Briefkasten leer bleibt.« Ich sehe das ganz anders. Ich brauche Abwechslung und möchte gestalten. Ich freue mich darauf, abends meine Aktivitäten selbst planen zu können.

Werden Sie umziehen?

Alber: Ich bleibe erst mal in Rosbach. Aber ich werde mich aus der Lokalpolitik heraushalten. Dann wird man sehen, wohin es mich verschlägt.

Info

Starker Start, tiefer Fall

Nach sechs Jahren im Amt ist Rosbachs Bürgermeister Thomas Alber verabschiedet worden. Der frühere Echzeller Hauptamtsleiter hatte die Stichwahl im Oktober 2012 gegen Henrik Schnabel (CDU) gewonnen. Er trat sein Amt am 17. März 2013 an. Zwischenzeitlich wollte er sich wegen der politischen Querelen abwählen lassen; die Parteien verweigerten ihm aber diesen Wunsch. Alber blieb – und trat völlig überraschend zur Wiederwahl an. Im ersten Wahlgang wurde er jedoch mit lediglich 16,7 Prozent der Stimmen abgestraft. Sein Nachfolger Steffen Maar ist bereits vereidigt. (hed)

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