21. August 2019, 14:00 Uhr

Aus für Partys

Techno-Gelände im Feld bei Friedberg wird geräumt

Die Macher des »El Dorado« im Feld südlich von Friedberg haben ausgeträumt. Das Gelände, auf dem in den vergangenen beiden Jahren Techno-Partys gefeiert worden sind, muss geräumt werden.
21. August 2019, 14:00 Uhr

Die meisten Friedberger dürften von den Techno-Partys gar nichts mitbekommen haben. Das von hohen Bäumen und Bretterzäunen umstandene Partygelände liegt südlich des Teufelshohlwegs, der Eingang liegt am Steinbrücker Weg. Nie gehört? Das sind Flurbezeichnungen südlich des Industriegebiets Süd, in der Nähe des Werksgeländes von Fresenius Kabi. Seit zwei Jahren veranstaltet eine Gruppe junger Leute aus der Wetterau dort Partys. Die einzigen direkten Anwohner sind die Aussiedlerhöfe im Görbelheimer Grund. Die Werbung für die Veranstaltungen läuft über soziale Netzwerke. Zuletzt wurde dort am 3. August gefeiert.

Es war die letzte Party. Die Untere Naturschutzbehörde hat ihr Veto eingelegt. »Wir wurden durch das Regierungspräsidium auf eine illegale Nutzung hingewiesen«, sagt Kreissprecher Michael Elsaß. Für die Holzkonstruktionen gebe es keine Genehmigung. Elsaß: »Die gab es seitens der Stadt lediglich für das Ablegen von Grünschnitt und Kompost.« Das Grundstück liege im unbeplanten Außenbereich, eine Bebauung sei dort generell nicht möglich. Bis zum 1. Oktober müsse es geräumt sein, einschließlich des gepflasterten Bodens.

Improvisiert und rustikal

»Wenn das so ist, dann müssen wir hier abbauen«, sagt Sebastian Faatz. Er und seine Freunde Rupert Hartig und Benjamin Martz haben damit bereits begonnen. Es gibt einiges zu tun. Als die jungen Leute das Gelände von einem Privatmann pachteten, sei es verwildert gewesen. Überall habe illegaler Müll gelegen. Aus Euro-Paletten und Holzlatten zimmerten sie Zäune, die rund um den gepflasterten Hof aufgestellt wurden, außerdem eine überdachte Bühne für den DJ, Buden für die Getränkeausgabe und Sitzgelegenheiten. Das Ambiente wirkt improvisiert und hat einen rustikalen Charme.

»Wir wollten einen Ort schaffen, wo man in Ruhe feiern kann, ein Platz ohne Rassismus, Streit und Gewalt«, sagt Faatz. Rund 200 Leute seien zu den Partys gekommen, sechs Veranstaltungen seien es insgesamt gewesen. Probleme habe es keine gegeben. Alles lief friedlich ab. Die Partys waren vom Ordnungsamt genehmigt. Es gab eine Ausschankgenehmigung, Toilettenhäuschen wurden angemietet, das Abwasser wurde ordnungsgemäß entsorgt. »Wir haben in regelmäßigem Kontakt mit der Stadt gestanden, es gab gute Gespräche. Die Stadt hat uns geholfen.« Die Gäste hätten ihre Autos im Industriegebiet geparkt und seien dann zu Fuß zum Gelände gelaufen. Entlang der Strecke habe man Wegposten aufgestellt.

Störungstelefon bleibt stumm

»Seit es hier das ›El Dorado‹ gibt, gab es in der Umgebung keine illegalen Müllablagerungen mehr«, sagen die drei. Auf den umliegenden Äckern hätten nachher auch keine Glasflaschen gelegen, darauf habe man geachtet. Im August 2018 gab es doch eine Beschwerde über nächtlichen Lärm. Nach Absprache mit dem Ordnungsamt wurde das Ende der Veranstaltungen von 2 Uhr nachts auf 24 Uhr vorgezogen.

Am 3. August dieses Jahres hatten die Veranstalter ein »Störungstelefon« eingerichtet. »Es hat den ganzen Abend nicht geklingelt.« Erst am nächsten Tag habe sich ein Ober-Wöllstädter beschwert. »Wenn er während der Party angerufen hätte, hätten wir leiser gemacht.«

Die meisten Discos geschlossen

Für die drei jungen Leute und ihre Freunde ist das »El Dorado« ein »Herzensprojekt«, wie Benjamin Martz sagt. Der Eintritt kostete 5 Euro, es sei nicht darum gegangen, mit dem Projekt viel zu verdienen. »Wir wollen einfach nur unsere Musikkultur ausleben.« Doch dafür gebe es in der Wetterau keine Räume. Die meisten Discotheken seien geschlossen, die, die es noch gebe, spielten andere Musik. »Gibt es keine Räume für solche Musik, werden illegale Partys unter Brücken veranstaltet. Das ist auch nicht schön«, gibt Rupert Hartig zu bedenken.

Es geht, wie die drei deutlich machen, um mehr als nur eine bestimmte Musikrichtung. Es geht um die Frage, ob die Fans von elektronischer Musik hier vor Ort ihre Musikkultur ausleben können. »Geht das nicht, ziehen die Leute weg nach Frankfurt«, sagt Faatz. Das könne nicht im Interesse der Stadt sein. Die Veranstalter der »El Dorado«-Partys suchen nun eine neue Bleibe.

Party-Location gesucht

Zu einem »weiteren legendären Tanz durch die milde Sommernacht« luden die Veranstalter ihre Gäste in den letzten beiden Jahren auf das »El Dorado«-Gelände im Feld südlich von Friedberg ein. Damit ist es vorbei, weshalb die Macher einen neuen Ort, eine neue Partyfläche suchen. Das 150 bis 250 Quadratmeter große Gelände sollte möglichst außerhalb von Ortschaften und vorzugsweise im Raum Friedberg und Bad Nauheim liegen. Eine Erreichbarkeit mit öffentlichen Verkehrsmitteln wäre wünschenswert. Um Infrastruktur und Aufbauten kümmern sich die jungen Leute selbst. Wer ein solches Gelände verpachtet, kann sich per E-Mail an b.martz@outlook.com melden. (jw)

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