07. Februar 2018, 19:41 Uhr

Tabuthema Sterben angehen

07. Februar 2018, 19:41 Uhr
Stephanie Becker-Bösch und Dr. Reinhold Merbs, Fachbereichsleiter Gesundheit, Veterinärwesen und Bevölkerungsschutz, treten für die Charta ein. (Foto: prw)

»Ich kann meinem Leben nicht mehr Tage geben, aber den Tagen mehr Leben.« Der Satz von Cicely Saunders, der Gründerin der Hospizbewegung, zog sich wie ein roter Faden durch die Veranstaltung, zu der Sozialdezernentin Stephanie Becker-Bösch in das Friedberger Kreishaus eingeladen hat.

Gekommen waren Bürgermeister, Mediziner, Vertreter von Hilfsorganisationen und stationären Einrichtungen. Für das Land Hessen war Landtagspräsident Norbert Kartmann gekommen.

Der Hospizgedanke in der Wetterau wird derzeit von ambulanten und ehrenamtlichen Hospizdiensten getragen. »Dafür gilt ihnen mein ausdrücklicher Dank«, sagte Becker-Bösch. »Die Auseinandersetzung mit den existenziellen Fragen des Sterbens, Tod und Trauer sei eine wichtige gesellschaftliche Aufgabe.« Dennoch werde dieses Thema gerne ausgeblendet. »Hier genau setzt die Charta an: Seit Veröffentlichung der Charta im September 2010 ist es gelungen, viele Akteure in den Prozess einzubeziehen, die gesellschaftliche Auseinandersetzung mit den existenziellen Phänomenen Sterben, Tod und Trauer zu fördern und die Ziele der Charta stärker im öffentlichen Bewusstsein zu verankern.«

Kurze Impulsreferate gaben einen weiten Einblick in das Thema. Pfarrer Robert Cachandt hat maßgeblich am Aufbau eines Hospizes in Gießen mitgewirkt. Er führte aus, dass die Erkundung der Bedürfnisse schwerstkranker und sterbender Menschen eine fortdauernde Aufgabe ist. Wichtig seien gut ausgebildete Hospiz-Fachkräfte, die gemeinsam mit ehrenamtlich tätigen Menschen, wie in den ambulanten Hospizhilfen, ein multiprofessionelles Team bilden. Dr. Thorsten Fritz, Palliativmediziner und Facharzt für Anästhesiologie, Schmerztherapie und Notfallmedizin am Gesundheitszentrum Wetterau, erläuterte, dass sich beim Aufbau einer Palliativversorgung in der Wetterau in den letzten Jahren viel getan habe. Palliativversorgung werde stationär in Krankenhäusern, aber auch von niedergelassenen Hausärzten geleistet, um dem Wunsch vieler Sterbender entgegenzukommen, in den eigenen vier Wänden zu sterben.

Hospiz in der Johanneskirche?

Karl-Heinz Hilgert, Geschäftsführer der Gesellschaft für Diakonische Einrichtungen in Hessen und Nassau, merkte an, Sterben und Tod findet auch in Pflegeeinrichtungen statt. Gerade deshalb sei die Charta auch für Einrichtungen so wichtig. »Um ein würdevolles Sterben zu ermöglichen, brauchen unsere Mitarbeiter mehr Zeit für die individuelle Versorgung und Betreuung.« Als Ausblick für die Wetterau kündigte er an, dass die Johanneskirche in Bad Nauheim ein denkbarer Ort für ein Hospiz in der Wetterau sein könnte. »Nicht von heute auf morgen, aber als Perspektive, nachdem bauliche Veränderungen vorgenommen wurden.«

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