31. März 2019, 12:00 Uhr

Landesstraße nach Bruchenbrücken

Streit um Straßenverlauf und Bodenversiegelung

Geht es nach Hessen Mobil, wird mitten durch die Felder westlich der Görbelheimer Mühle bei Friedberg eine neue Landesstraße gebaut. Es gibt Widerstand, aber auch Verständnis.
31. März 2019, 12:00 Uhr
Die Görbelheimer Mühle bei Bruchenbrücken: Der Bahntunnel wird versetzt und vergrößert, die neue Landesstraße soll zwischen Mühle und Bahngleisen verlaufen – quer durch die Felder. (Archivfoto: Stadler)

Mitte November hatten Vertreter der Verkehrsbehörde Hessen Mobil die Planungsvarianten für eine neue L 3351 vorgestellt. »Die Planung ist noch im Anfangsstadium«, schreiben die Friedberger Grünen in einem Antrag, der am Mittwoch im Verkehrsausschuss beraten wurde. Sie wenden sich gegen den »sehr hohen Flächenverbrauch und die Vorstellung, dass ein räumlich verlagerter Neubau der Landesstraße die bestehenden Engstellen (Görbelheimer Mühle) zu beseitigen hat, so dass außerörtlich durchgehend mit 100 km/h gefahren werden kann«.

Im Klartext: Die Grünen sprechen sich gegen eine neue Straßen durch die Felder aus. Der Verkehr würde dann weiterhin direkt an der Görbelheimer Mühle vorbeiführen (oder genauer gesagt: mitten durch ein denkmalgeschütztes Ensemble, dazu gleich mehr). Der Radweg solle nach dem Bahntunnel parallel zur (alten) Straße verlaufen, dann abknicken und nach einem Anstieg westlich der Erdkeller bis zur alten Dorflinde verlaufen. Dort würde er wieder auf die Landesstraße treffen. Unstrittig ist bei allen Fraktionen der Neubau des Bahntunnels, der einige Meter verschoben und vergrößert wird; die Ampel fällt weg.

Die Pläne von Hessen Mobil, die neue Straße entweder mitten durch die Felder oder eng an die Bahnlinie heranzuführen, bedeuten nach Ansicht der Grünen einen »unverantwortlichen Flächenverbrauch«. Am Ende der Ausschussitzung gab es ein knappes Votum für den Grünen-Antrag, doch das letzte Wort ist noch nicht gesprochen. Selbst Grünen-Stadtverordneter Carl Cellarius meinte, man solle den Antrag im laufenden Geschäftsgang lassen und abwarten.

Abwarten oder Druck machen?

Abwarten darauf, welche Variante Hessen Mobil denn nun favorisiert. »Die zuständigen Mitarbeiter werden sich nach der Infoveranstaltung ihre Gedanken machen«, sagte Bürgermeister Dirk Antkowiak (CDU). Die ablehnende Haltung sei bei Hessen Mobil angekommen. »Da ist etwas in Bewegung.«

Die Linken sehen laut Sven Weiberg »keine Notwendigkeit, mit 120 Sachen nach Bruchenbrücken zu rasen«, eine neue Straße sei daher nicht nötig. Auch die FDP lehnt die »gigantische« Planung ab, wehrt sich gegen den Verlust von Ackerland, wie Achim Güssgen-Ackva sagte. Die CDU sieht die Sache pragmatisch: Jetzt gebe es die Chance, einen Radweg gebaut zu bekommen, sagte Olaf Beisel. »Wenn noch mehr Widerstände kommen, legen die die Planungen zur Seite.«

Dr. Klaus-Dieter Rack (SPD) konterte: »Ist das die Konsequenz? Abwarten?« Nein. Der Magistrat müsse Hessen Mobil deutlich machen, dass der Bau der Straße »über die Äcker« nicht gewünscht sei.

Dass das nicht so einfach ist, machte der Wortbeitrag von Camille Hoffmann deutlich. Er ist einer von rund 50 Bewohnern der Görbelheimer Mühle. Diese ist als Ensemble denkmalgeschützt, die historischen Erdkeller auf der gegenüberliegenden Seite sind ein Teil dieses Ensembles. Sie werden zur Lagerung von Apfelwein und Met genutzt. Fledermäuse und viele andere seltenen Tiere und Pflanzen seien hier kartiert worden. Aber täglich rauscht hier der Verkehr durch.

Engstelle verhindert Ertüchtigung

Das Geschwingkeitsmessgerät an der engsten Stelle der Straße zeigt nicht selten ein Gesicht mit nach unten gezogenem Mund: 50 km/h sind hier erlaubt, viele Autos fahren schneller. »Hessen Mobil hat uns gegenüber deutlich gemacht, dass eine Optimierung der Landesstraße direkt an der Mühle nicht möglich ist«, sagte Hoffmann. Die Engstelle biete nicht genügend Platz für den Ausbau. Das spricht gegen den Vorschlag der Grünen.

Hoffmann ist nicht nur Künstler und Galerist, er betreibt auch eine Demeter-Imkerei. Die Bewohner der Görbelheimer Mühle haben seit Jahrzehnten viel für den Erhalt der Natur rund um ihr Domizil getan. »Wir wollen keinen weiteren Landverbrauch für Straßen«, betonte Hoffmann. Allerdings würden nicht, wie bislang behauptet, 20 Hektar benötigt, sondern allenfalls 1,4 bis 1,6 Hektar. »Das wäre ein relativ geringer Eingriff.« Würde die alte Straße nur ertüchtigt, würden die Erdkeller und die ebenfalls unter Denkmalschutz stehende alte Dorflinde (laut Fachleuten zählt sie zu den 100 wertvollsten Linden Deutschlands) fallen.

 

Info

Angst vor mehr Lkw-Verkehr

Würde die alte Trasse der L 3351 von Friedberg-Fauerbach nach Bruchenbrücken nur saniert, käme ein großes Problem auf die Bewohner der Görbelheimer Mühle zu. Derzeit taucht die Strecke nicht in Navigationsgeräten auf, da der mit einer Ampel geregelte Bahntunnel zu niedrig für Lkw ist. Der neue Tunnel wird größer, dann könnten Lkw-Fahrer bei Staus eine Ausweichstrecke suchen. Sie würden dann mitten durch die Görbelheimer Mühle brettern, um die verwinkelte Ortsdurchfahrt von Bruchenbrücken als Zubringer zur B 3 zu missbrauchen. Keine schönen Aussichten an diesem von der Natur so reichlich gesegneten Flecken Erde. (jw)

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