05. Februar 2019, 20:23 Uhr

Stimmung trübt ein

05. Februar 2019, 20:23 Uhr
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Aus der Redaktion
Nicht nur in Karben sind die Kräne im Einsatz: Im Baugewerbe liegt der Konjunkturindex genauso hoch wie im Vorjahr – im Gegensatz zu anderen Branchen. (Foto: pe)

Die regionale Konjunktur zeigt sich zu Jahresbeginn weiter in guter Verfassung. Aber die Aussichten werden trüber. Das ergibt die aktuelle Konjunkturumfrage der IHK Gießen/Friedberg. Insbesondere die zukünftige Geschäftslage wird ungünstig eingeschätzt.

Der regionale Konjunkturklimaindex kommt zum Jahresbeginn auf einen Wert von 112,9. Im Vorjahr lag er bei 122,3. Seit nunmehr neun Jahren gibt es mittlerweile ein ordentliches Wachstum: Die kraftvollen Wachstumsraten dieser langanhaltenden Periode scheinen schwächer zu werden.

Die derzeitige Geschäftslage wird aber überwiegend positiv eingeschätzt: Mehr als 43 Prozent der Unternehmen geben der Gegenwart ein »gut«. Lediglich 13,5 Prozent ordnen die aktuelle Lage schlecht ein. Das ergibt einen positiven Saldo von 29,6 Prozent gegenüber 37,5 Prozent im Vorjahr. Die nahe Zukunft sehen 16,6 Prozent der Betriebe eher günstiger, während 18,3 Prozent von einem ungünstigeren Verlauf des kommenden halben Jahres ausgehen. Damit ergibt sich – erstmals seit neun Jahren – ein negativer Saldo in Höhe von -1,7 Prozent. Dieser Saldo lag im Vorjahr bei positiven 8,8 Prozent. Die Gegenwart wird damit nach wie vor positiv eingeschätzt. Der nahen Zukunft blickt man jedoch skeptisch entgegen.

Insbesondere beim Export ist die Ampel von Grün auf Orange gesprungen. Die Handelskonflikte verunsichern die exportorientierten Unternehmen. Investitionen, nationale wie internationale, werden dadurch gebremst. Die Binnenkonjunktur erweist sich dagegen nach wie vor stabil, und die Erwerbstätigkeit ist hoch wie nie. Die Inflation ist niedrig, die Löhne steigen. Die Baubranche boomt.

Konkurrenz durch Online-Handel

Für das laufende Jahr sagt der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) eine Steigerung des Bruttoinlandsproduktes (BIP) um 1,7 Prozent voraus. Das ifo-Institut geht nur noch von 1,1 Prozent Wachstum aus. Im Jahr 2018 lag das Wachstum bei 1,8 Prozent, im Jahr davor bei 2,2 Prozent.

Das aktuell größte Hindernis für eine weitere gedeihliche Entwicklung allerdings ist aus Sicht der Betriebe der zunehmende Fachkräftemangel. Im Jahr 2010 sahen 16 Prozent der Betriebe darin ein Risiko für die wirtschaftliche Entwicklung. Zum Jahresbeginn 2019 sehen 53 Prozent der Betriebe des IHK-Bezirks den Fachkräftemangel als größtes Risiko. In einzelnen Branchen liegt der Wert teilweise noch weit höher: Aus dem Bereich der Industrie klagen die Investitionsgüterproduzenten (56,5 Prozent) am lautesten über den Fachkräftemangel. Bei den anderen Branchen sind das Baugewerbe (80 Prozent) und das Gastgewerbe (62,5 Prozent) am heftigsten von diesem konjunkturellen Hindernis betroffen. Als zweitgrößtes Risiko werden die hohen Energie- und Rohstoffpreise (43,2 Prozent) identifiziert.

Die Betriebe aus dem Wetteraukreis kommen auf einen Klimaindex von 115,9 gegenüber 125,4 im Vorjahr. Einzelne Branchenergebnisse aus dem gesamten IHK-Bezirk weisen auf die differenzierte Situation der Betriebe hin: Die Industrie kommt auf einen Klimaindex von 118,3 gegenüber 126,4 im Vorjahr. Nur noch 14 Prozent der Industriebetriebe erwarten steigende Exporte, gegenüber 32 Prozent im Vorjahr. Schwierig ist die Lage nach wie vor für den regionalen Einzelhandel, der auf einen Klimaindex von 82 kommt. Im Vorjahr lag der Wert bei 98,9.

Gründe für diesen Rückgang sind das enttäuschende Weihnachtsgeschäft und die starke Konkurrenz durch Online-Handel. Das Baugewerbe liegt mit einem Index von 131 genauso hoch wie im Vorjahr – ein Beleg für dessen Hochkonjunktur. Die Gastronomie liegt bei 135,4 und hat sich damit gegenüber dem Vorjahr (131,7) sogar verbessert. Genau wie die Medizintechnik: Diese, unsere Region mitprägende Branche, liegt nun bei 143,2 gegenüber 134,7 im Vorjahr.



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