02. Februar 2018, 14:00 Uhr

Freundin verprügelt

Stimmen im Kopf und reale Gewalt: Friedberger muss in Psychiatrie

Ein 25-jähriger Friedberger muss unter anderem wegen Gewaltausbrüchen für unbestimmte Zeit in die Psychiatrie. Vor Gericht ging es um Drogen, Beleidigung und ein zertrümmertes Nasenbein.
02. Februar 2018, 14:00 Uhr
Der Angeklagte ist gegenüber seiner Freundin gewalttätig geworden. Der psychiatrische Gutachter hat wegen der Schizophrenie des jungen Mannes aus Friedberg auf schuldunfähig plädiert. (Symbolfoto: sk)

Sein Leben ist für den 25-jährigen Angeklagten aus Friedberg bisher wirklich kein Zuckerschlecken gewesen. Eine Wende scheint wegen seiner psychischen Erkrankung weit entfernt. Deshalb erhielt er für eine einfache Körperverletzung auch keine Gefängnisstrafe, sondern wurde vom Gießener Landgericht stattdessen in eine psychiatrische Anstalt geschickt.

»Ihre Schizophrenie befindet sich laut dem medizinischen Gutachten offensichtlich noch im Anfangsstadium, sodass die Einweisung in eine psychiatrische Anstalt nur von kurzer Dauer sein kann«, begründete Richter Jost Holtzmann die Entscheidung seiner Strafkammer. Allerdings hänge das vom Krankheitsverlauf ab. Und auch wenn die Schizophrenie bei dem 25-Jährigen noch nicht allzu weit fortgeschritten sei, so müsse er sich doch auf eine medizinische Behandlung von mindestens vier Jahren einrichten. Der Angeklagte nahm die Entscheidung seelenruhig hin, drehte die ganze Zeit nur sein Basecap in den Händen.

 

Bereits vierjährige Haftstrafe verbüßt

 

Eigentlich hatte sich der Angeklagte ausschließlich wegen einer schweren Körperverletzung, einer Nötigung und einer Beleidigung zu verantworten. Anfang vergangenen Jahres – der Friedberger war nach einer vierjährigen Haftstrafe noch nicht lange wieder auf freiem Fuß – geriet er mit seiner Freundin in eine handfeste Auseinandersetzung. Der Angeklagte hatte behauptet, dass die Freundin seinen kleinen Bruder irgendwie habe verschwinden lassen. Obwohl sich das noch an dem Abend als irrige Annahme herausstellte, verprügelte er die Freundin und drohte ihr mit einem Messer. »Er hat sich in nur wenigen Wochen erheblich verändert. Ständig hat er von obskuren Stimmen geredet, die er in seinem Kopf gehört habe, führte laute Selbstgespräche. Er habe sich dauernd verfolgt gefühlt«, berichtete die Freundin vor Gericht. Der Angeklagte habe zwar auch in dieser Zeit ständig Drogen konsumiert, doch seien die Veränderungen bei ihm schon auffällig gewesen.

Er hat sich in nur wenigen Wochen erheblich verändert

Freundin über den Angeklagten

Vier Monate später sei es wieder zu einem heftigen Streit gekommen, weil sich der Angeklagte in der Wohnung seiner Freundin beobachtet gefühlt habe – über den Fernseher und die Rauchmelder in der Wohnung. Bei diesem Streit habe er ihr mit zwei Faustschlägen das Nasenbein zertrümmert. »Wenn mein Mandant zu diesem Zeitpunkt einen festen Wohnort gehabt hätte, dann hätte er höchstens eine Anzeige wegen Körperverletzung und Nötigung erhalten und eine Gefängnisstrafe von höchstens einem Jahr«, sagte Verteidiger Boris Thoma gegenüber der WZ.

 

Ohne Wohnsitz

 

Da der 25-Jährige keinen Wohnsitz hatte, wurde er in Untersuchungshaft genommen. Als er sich in dieser Zeit öfters über Unwohlsein beklagte, wurde ein medizinischer Test bei ihm gemacht. Mit der Folge, dass er von der Haftzelle in eine psychiatrische Anstalt verlegt wurde. Angeblich hätten ihm Mitgefangene geraten, wegen seiner Drogenvorgeschichte starke Drogenabhängigkeit zu simulieren. Dann käme er in eine Spezialklinik, in der es sich besser leben lasse als im normalen Gefängnis.

Doch bei den vielen medizinischen Tests wurde schließlich die schizophrene Erkrankung festgestellt. Ob die Erkrankung medizinische Gründe hat oder aufgrund der Drogenabhängigkeit zustande kam, ließ der psychiatrische Gutachter Dr. Hans-Hermann Höll offen. Fakt sei, dass eine Schizophrenie bei dem Angeklagten vorliege und dass von ihm aufgrund seiner Aggressivität und Unberechenbarkeit eine Gefahr für die Allgemeinheit ausgehe.

Wegen der Krankheit erklärte der Mediziner den Angeklagten für schuldunfähig. Die Staatsanwaltschaft beantragte deshalb die zeitlich nicht begrenzte Einweisung des Angeklagten in eine geschlossene psychiatrische Anstalt, da nur auf diese Weise eine intensive Behandlung gewährleistet sei. Die Verteidigung versuchte zwar, die Einweisung zu vermeiden und plädierte auf ambulante Behandlung des Angeklagten, doch das Gericht folgte am Ende der Ansicht der Staatsanwaltschaft.

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