11. Dezember 2018, 20:41 Uhr

Sterbenden die Einsamkeit nehmen

11. Dezember 2018, 20:41 Uhr
Gottfried Krutzki stimmt, begleitet von Gisela Theis am Klavier, das Couplet »Bevor du sterbst…« von Ernst Reutter an.

Das Sterben macht Menschen oft hilflos. Uraltes Wissen zur Sterbebegleitung ist schleichend verloren gegangen. Hier unterstützt die Hospizhilfe Wetterau seit nunmehr 20 Jahren, wie Vorsitzende Gisela Theis bei der Begrüßung der Mitglieder und Gäste zur »vergnüglichen Jubiläumsfeier« am Samstag im Albert-Stohr-Haus erläuterte. »Als gute Freundin« des Vereins und Mitgründerin blickte sie zurück auf »20 Jahre voller Leben, ein Leben mit dem Sterben vieler Menschen, ein Leben mit der Trauer vieler Menschen, mit vielen Hospiz- und Trauerbegleitenden, ein Leben mit examinierten Hospizbegleitenden und Unterstützern aller Art. Allen, auch denen die nicht kommen konnten, sei dafür herzlich gedankt!« Nach Salomo habe alles seine Zeit: Geboren werden, sterben, weinen, lachen. Zum Jubiläum sollten Freude und Humor ihre Zeit haben. »Auch bei der Hospizarbeit brauchen wir Humor, gerade dann, wenn es schwer ist. Humor schafft Distanz zur Schwere des Augenblicks.«

Mehr als 140 Mitglieder

Durch den vom stellvertretenden Vorsitzenden Hans Peter Schäfer moderierten Abend zogen sich zahlreiche, mit großem Applaus bedachte, Auftritte, getrennt jeweils durch einige Verse des vielstrophigen Couplets von Otto Reutter »Bevor du sterbst….« – meisterhaft intoniert von Gottfried Krutzki, am Piano begleitet von seiner Frau Gisela Theis.

Landrat Jan Weckler sagte, die Hospizhilfe stehe Sterbenden und ihren Angehörigen menschlich zur Seite und erfülle damit eine Aufgabe, die staatliche Institutionen, Krankenhäuser und Ärzte in der Regel nicht leisten könnten. Der Verein habe die Themen Sterben und Sterbebegleitung aus dem Verschweigen an die Öffentlichkeit gebracht. »An menschliche Anteilnahme knüpfen Sie an, nehmen den Sterbenden die Einsamkeit und entlasten die Familien.« Dafür könne man nicht genug danken. Weckler kündigte für den 14. Dezember die Entscheidung des Kreises über ein stationäres Hospizangebot nach dem Vorbild des vereinseigenen Hospizhauses in der Friedberger Fichtenstraße an und überreichte eine Spende.

Ruth Mühlenbeck aus dem Friedberger Magistrat und zeitweilig auch im Vorstand der Hospizhilfe tätig, überbrachte Grüße sowie einen Umschlag der Stadt und äußerte sich glücklich darüber, dass ihr ehemaliger Verein mit mehr als 140 Mitgliedern und über 50 Aktiven eine so erfolgreiche Entwicklung genommen habe. Dekan Volkhard Guth sagte, das Leben sei ein Gottesgeschenk – auch am Ende. Dass es mit Begleitung unter schwierigsten Umständen lebenswert bleibe, sei verdienstvoll. »Dank auch dafür, dass sie den Hospizgedanken politisch am Leben gehalten haben, und Gratulation zu dem Mut, die Fichtenstraße zu eröffnen, wozu das Dekanat Wetterau eine Spende vorgesehen hat.«

Moderator Schäfer berichtete, dass sich der Verein kürzlich beim Hessischen Demographie-Preis in Form eines Theaterstücks präsentiert habe. »Unter 91 Bewerbern haben wir mit dem sechsten Platz einen Anerkennungspreis gewonnen, das hat uns noch stärker zusammengeschweißt.«

Das Stück »Wie unter guten Nachbarn« schilderte die Abläufe eine Antrags und die Aufnahme ins Hospizhaus sowie das Leben und das Sterben dort. Gespielt wurde es von Maria Schmukat und Stefan Murrar, unterstützt von Chor, Harfe und Gitarre.

Mit einer launigen Stellenausschreibung für ein Vorstandsmitglied, einem vom Moderator vorgetragenen Gedicht über die ernsten und erfreulichen Seiten der Hospizarbeit, mit weiteren Beiträgen des Chores und dem Dank der Vorsitzenden an die vielen Aktiven, die auf der Bühne eine Anerkennung erhielten, endete der offizielle Teil. Die folgenden Gespräche bei dem von der Diakoniewerkstatt angerichteten Büfett zeigten, wie sehr das Thema Hospizhilfe die Menschen bewegt.

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