12. März 2018, 19:21 Uhr

Sprudelnde Fantasie begeistert

12. März 2018, 19:21 Uhr
Aljoscha André Wilhelm mit seinem Vater Lothar-Thomas Wilhelm und seiner Betreuerin Doris Schäfer nach der Lesung. (Foto: im)

Er verstellte seine Stimme rollengemäß, sang, lachte und steckte die Gäste im großen Saal der Sampo-Halle mit seiner Begeisterung an: Der junge Autor Aljoscha André Wilhelm hat mit der Lesung aus seinem Debütroman »Bao, die Retterin von Scherenheim« die Herzen aller seiner Zuhörer gewonnen. Witzig, selbstironisch, vom eigenen Erzählstoff gepackt und dennoch souverän entführte der seelenpflegebedürftige Wilhelm sein Publikum in die fiktive Sieben-Millionen-Stadt Scherenheim in Mecklenburg-Vorpommern, deren Bevölkerung dem Usurpator Rei Nelt hilflos gegenübersteht. Die Polizei glaubt sich allein einsatzberechtigt, versagt aber auf der ganzen Linie, Bürgermeister Marius Bäuchlein weint sich bei seiner Sekretärin Vanessa aus. Höchste Zeit für den Auftritt der jungen vietnamesischen Heldin Bao-Anh Nguyen, die als Baby gleich dem alttestamentarischen Mose von ihrem späteren Mentor Ralf Schmidt aus dem Wasser gefischt wurde. Mit 24 Jahren ist sie bereit, das umzusetzen, was das türkisfarbene Zeichen auf ihrer linken Schläfe ihr von Geburt an verheißt: gegen alle Widerstände zur Retterin ihrer Heimatstadt zu werden.

»Es ist schon ein Kunststück, die Bibel, Jackie Chan und Gotham City unter einen Hut zu bekommen und aus all dem eine ganz eigene Story zu erschaffen «, sagte Aljoscha André Wilhelms Betreuerin Doris Schäfer. Sie stellte den 24-jährigen Autoren mit viel Einfühlungsvermögen vor. »Aljoscha, der seit 2012 bei uns in der Lebensgemeinschaft Bingenheim lebt, gelingt dies dank seiner sprudelnden Fantasie und seiner Fähigkeit, einmal Gelesenes überaus präzise im Gedächtnis zu behalten.« Der in Karben aufgewachsene junge Mann wurde von klein auf von seinen Eltern Lothar-Thomas und Claudia Wilhelm sowie seinen älteren Brüdern Marcel (30), promovierter Psychologe, und Yannic (28), Bachelor der Bioverfahrenstechnik, und der gesamten Familie gefördert und bestärkt. In seinen frühsten Geschichten ließ Wilhelm seine Angehörigen unter anderem als Retter der Zeit auftreten, mit 16 begeisterte er sich für die Harry-Potter-Bände, er schreibt für den »Bingenheimer Boten« der Lebensgemeinschaft und könnte sich gut vorstellen, in der einzigen inklusiven Redaktion Deutschlands, »Bahnsteig 42« in Iserlohn, tätig zu werden. Doch aktuell fühlt er sich in Bingenheim und in seinen beiden Berufen als Demeter-Gärtner und Autor wohl – und bereit zu neuen Taten.

Band zwei der als Trilogie angelegten Bao-Serie ist im Prinzip fertig. »Und wenn Ihnen Aljoscha irgendwo lachend, gestikulierend und redend entgegengelaufen kommt, dann wundern sie sich nicht: Er befindet sich gerade mitten in seiner nächsten Geschichte«, erläuterte Doris Schäfer. Nach einem gekonnten Cliffhanger und unter dem begeisterten Applaus der Anwesenden schloss der junge Autor seine erste öffentliche Lesung mit den Worten: »Und jetzt werfe ich meine Angel aus und hole Sie alle zurück aus der Welt, in die ich sie für eine gute Stunde eintauchen ließ.«

Der 422-Seiten-Roman »Bao – die Retterin von Scherenheim« ist über die Lebensgemeinschaft Bingenheim zum Preis von zehn Euro erhältlich.

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