08. Juni 2017, 20:21 Uhr

Sprachlose Schüler

08. Juni 2017, 20:21 Uhr
Hanka Weingarten (zweite von links) teilt mit Schülern ihre Erfahrungen. (Foto: pv)

Hanka Weingarten hat als Kind das Grauen des Holocaust erlebt. Vater und Mutter starben. Sie selbst überlebte schwer krank. In der Karl-Weigand-Schule in Florstadt erzählte sie Schülern der beiden Abschlussklassen von ihren Erlebnissen.

Erster Kreisbeigeordneter und Schuldezernent Jan Weckler betonte die Bedeutung dieser Veranstaltung: »Vieles von dem, was ihr in den Geschichtsbüchern lest, werdet ihr über kurz oder lang vergessen. Das aber, was ihr bei solchen Gedenkstättenfahrten oder im direkten Dialog mit einem Zeitzeugen erlebt, das bleibt bei vielen auf Dauer haften.« Die Schüler hatten in der vergangenen Woche eine Studienfahrt nach Buchenwald unternommen.

Hanka Weingarten lebte in einem behüteten Elternhaus in der Tschechoslowakei. 1938, Hanka war neun Jahre alt, packte die Mutter die Koffer, um für ein paar Tage zu einem Onkel zu fahren. »Ich habe meine Heimatstadt nicht wiedergesehen. Wir waren Flüchtlinge geworden.« Mit dem Einmarsch der Wehrmacht änderte sich das Leben für Hanka noch mehr. »Wir durften nicht mehr in die Schule gehen. Kino, Theater und vieles andere waren tabu. Täglich kamen neue Gesetze mit Einschränkung für uns Juden.

« Als 1941 die Transporte von tschechischen Juden in die Konzentrationslager begannen, wurde Hanka Weingarten mit ihrer Mutter in das Ghetto in Theresienstadt deportiert. Nach einigen Monaten wurde Hanka Weingarten mit ihrer Mutter nach Auschwitz deportiert. Alle Jüdinnen zwischen 16 und 40 Jahren sollten nach rechts, die anderen nach links treten. »Ich habe mich älter und meine Mutter hat sich jünger gemacht. So wurden wir zur Arbeit eingeteilt, während die anderen sofort ermordet wurden.« Hanka und ihre Mutter kamen in zwei weitere Konzentrationslager, sie erkrankte an Tuberkulose. Ihre Mutter starb einen Monat nach der Befreiung noch in Bergen-Belsen an Typhus. 30 Jahre lang hat Hanka Weingarten über ihre Erlebnisse geschwiegen. Dann brach es aus ihr heraus. »Ich muss davon erzählen«, sagte sie zu den Schülern. Bei all dem, was Hanka Weingarten erlebt hatte, war sie jünger als die jungen Leute, die ihr heute zuhörten.

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