01. April 2019, 11:00 Uhr

Spitzenfrau

Spitzenfrau Theresa Semler ist immer in Bewegung

»Ich bin eben ein buntes Huhn«, sagt Dr. Theresa Semler über sich. Neben dem Studium legte sie Platten auf, arbeitete als Türsteherin, spielte Theater. Nun berät sie von Wickstadt aus Unternehmen.
01. April 2019, 11:00 Uhr
Das alte Gemäuer und das moderne Business: Wickstadt als Ort für ihre Unternehmensberatung hat Dr. Theresa Semler sofort überzeugt. (Foto: sda)

Spitzenfrauen

In unserer Serie »Spitzenfrauen« stellen wir Wetterauerinnen in Spitzenpositionen vor.

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Wickstadt war Zufall. Etwas Glück war dabei. Und vielleicht hat auch das Alter ein bisschen mit reingespielt. Dr. Theresa Semler lächelt. »Mit dem Älterwerden lernt man sich selbst besser kennen. Ich habe mittlerweile ein gutes Gefühl dafür, was richtig für mich ist.« Und vor drei Jahren, mit 40, wusste sie, dass Wickstadt und die Selbstständigkeit das Richtige für sie sind.

Sie wohnte damals im Taunus, arbeitete in Frankfurt und war auf der Suche. Das Anforderungsprofil: ein »charmanter Ort, der inspirierend ist«, ländlich gelegen, aber in der Nähe von Frankfurt. Sie entdeckte ein Haus in der Wetterau. Als sie jedoch vor Ort war, merkte sie, dass es nicht passte. Doch der damalige Verwalter, der sie herumgeführt hatte, nahm sie mit nach Wickstadt und zeigte ihr die Räume im Erdgeschoss des Herrenhauses. Ihr erster Eindruck: »Wow.« Dann, nach zwei Wochen, fällte sie schließlich die Entscheidung.

 

Semler berät Unternehmen

2016 war das. Seither wohnt die 43-Jährige auf dem Hofgut und leitet die Firma Semler Company – eine international tätige Unternehmensberatung. Zu den Kunden gehören ebenso große Konzerne wie mittelständische Unternehmen. Die Dienstleistungen von Semler Company werden meistens dann in Anspruch genommen, wenn in den Firmen Veränderungen anstehen. Das betrifft zum Beispiel Strategiewechsel oder die Einführung eines neuen IT-Systems. Aber auch, wenn Firmen Bedarf in Sachen Weiterbildung der Mitarbeiter haben, ist die Unternehmensberatung die richtige Adresse.

Vier Angestellte hat Semler Company, dazu ein großes Netzwerk an freien Mitarbeitern. Kleinere Büroräume gibt es in Frankfurt, Berlin und München. Aber, sagt die Chefin: Die Berater seien ohnehin die meiste Zeit unterwegs. »Deswegen brauchen wir nicht viele office spaces.«

 

Selbstständig in den USA

Englische Begriffe fallen oft im Gespräch mit Theresa Semler. Wenn sie von ihrer Arbeit erzählt, spricht sie von Junior Consult, Compliance oder Coaching. Das liegt an ihrer Branche – weil dort viel Business-Englisch gesprochen wird und weil sie international tätig ist – und es liegt daran, dass sie in Chicago studiert, in Philosophie und Komparatistik promoviert hat und sich in den USA mit Ende 20 selbstständig gemacht hat. Damals aus einer Notsituation heraus, wie sie erzählt. Sie hatte gesundheitliche Probleme – »das kostet in den USA viel Geld«. Und da sie keins hatte, überlegte sie sich, wie sie welches verdienen kann. »Wenn ich in einer Situation bin, die ich vorwärts und rückwärts lösen kann, trete ich aufs Gas.« Statt zurück nach Deutschland zu gehen, gründete sie die Sportmanagement-Firma im Bereich Reiten. Die Firma hat sie nach knapp drei Jahren aufgegeben – weil sie was Neues ausprobieren wollte, zurück nach Deutschland ging und sich in Richtung Unternehmensberatung orientierte.

Was geblieben ist: die Beschäftigung mit Pferden. Vier Pferde hat sie und bietet nebenbei in einer Praxis homöopathische Behandlungen und Akkupunktur für die Tiere an – »das ist ein herrlicher Ausgleich«.

Ob sie überhaupt noch Freizeit hat? »Ich habe derzeit keinen Mann und keine Kinder.« Aber ja, es ist weniger Freizeit als sie sich wünscht. Dennoch: »Wenn ich in einem großen Unternehmen eine Führungsposition hätte, hätte ich genauso wenig Freizeit, wäre aber weniger flexibel.«

 

Mut zum Wechsel

Damit hat sie übrigens auch schon Erfahrung. Bei einer Bank hatte sie einmal eine Führungsposition. Das war direkt vor Semler Company. Zweieinhalb Jahre war sie dort, als sie dachte: »Jetzt muss der nächste step her.«

So war es überhaupt oft in ihrem Leben. Dass sie neue Wege gegangen ist, etwas anderes ausprobiert hat. Sie lebte in Israel, in London, in Hamburg und in Köln, wechselte mehrfach den Arbeitgeber. Ob bald wieder Zeit für einen Wechsel ist? Nein, sagt sie. Die Arbeit mache Spaß und es gebe genug zu tun. Alles habe seine Zeit. Jetzt ist die Wickstadt-Zeit. Wenn es nicht mehr passt, kann sie noch immer über andere Wege nachdenken. Möglichkeiten gab es immer, wird es auch immer geben, sagt sie. »Wenn man wirklich etwas verändern möchte, kriegt man das hin. Dann ist es auch egal, ob das Haus gebaut ist oder vier Kinder da sind.«

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