17. August 2018, 17:00 Uhr

Ruhestörung

Spielplatz als Jugendtreff: Oft Beschwerden von Anwohnern

In diesem Supersommer wird an vielen Orten in Bad Nauheim abends und nachts Party gefeiert. Anwohnern sind diese Aktivitäten ein Dorn im Auge. Sie sehen die Stadtverwaltung gefordert.
17. August 2018, 17:00 Uhr
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Von Bernd Klühs
Der kleine Spielplatz in der Straße Am Haingraben liegt mitten in einem Wohngebiet. Entsprechend genervt reagieren manche Einwohner auf den Partylärm. (Foto: nic)

Langsam schwächelt der Ausnahmesommer 2018, nachts ist es wieder angenehm kühl. Einige Bürger der Kurstadt, speziell in Nieder-Mörlen, werden aufatmen. Nicht, weil sie keine lauen Sommerabende mögen, sondern weil ihnen das Sitzen im Freien oft durch lauten Party-Lärm von Jugendlichen verleidet wird. Klagen gibt es seit etlichen Wochen, nach Ansicht von Betroffenen sorgt die Stadt nicht ausreichend für Ordnung.

Viele Nächte im Juli und August waren mit Temperaturen über 20 Grad Celsius tropisch – optimale Bedingungen für eine Feier unter freiem Himmel. Ob Gradierbauten, Parkdeck Schwalheimer Straße, Parks oder Spielplätze – viele Orte sind bei jungen Leuten aus der Stadt, aber auch von auswärts beliebt, um Musik zu hören, sich zu unterhalten, zu grillen und das ein oder andere Getränk zu konsumieren. »Bad Nauheim ist eben ein beliebter Ort, auch bei Jugendlichen«, sagt Erster Stadtrat Peter Krank.

Gegröhle bis nach Mitternacht

Besonders beliebt scheinen in diesem Sommer der Spielplatz in der Straße Am Haingraben in Nieder-Mörlen und das benachbarte Usa-Ufer zu sein. Anwohner wenden sich bereits seit Ende Juni immer wieder ans Rathaus und beklagen sich über Ruhestörung. »Der Kinderspielplatz mutiert zu einem Jugendtreff. Kürzlich war wieder von 23 bis mindestens 1 Uhr Party mit lautem Gegröhle«, berichtet ein Anlieger.

Solche Feiern kämen des Öfteren vor, obwohl eigentlich ab 21 Uhr Ruhe herrschen müsse. An diese Regel halte sich aber kaum jemand, nicht einmal Eltern mit Kindern. Für die Anwohner sei der Lärm manchmal kaum zu ertragen. Abends auf der eigenen Terrasse zur Ruhe zu kommen, sei fast unmöglich. Die Polizei zu rufen, weil angetrunkene Jugendliche rumschreien und die Musik laut aufdrehen, mache keinen Sinn. Die Beamten kümmerten sich nicht. »Wann gedenkt die Stadt endlich einzugreifen? Schließlich hat sie diesen Platz geschaffen«, betont der Nieder-Mörlener.

Jede Nacht zwei Streifen

Nach Aussage von Erstem Stadtrat Krank hat die Stadt jede Nacht zwei Streifen aus Hipos und anderen Sicherheitsleuten im Einsatz. Diese Einsatzkräfte können aber nicht überall gleichzeitig sein. »In letzter Zeit haben wir uns etwas auf das Parkdeck Schwalheimer Straße konzentriert«, sagt der Ordnungsderzernent. Auch von dort gibt es Beschwerden wegen lauter Musik und anderem Krach, der bis 3 Uhr nachts andauert, »Ich will hier gesund werden, was bei solchem Lärm leider nicht möglich ist«, schreibt ein Reha-Patient ans Rathaus.

Der Spielplatz in Nieder-Mörlen ist laut Krank seit zwei, drei Wochen nicht mehr kontrolliert worden. Er empfiehlt Anwohnern, bei Ruhestörung selbst das Gespräch mit den jungen Leute zu suchen. »Selbstbewusst auftreten und den richtigen Ton treffen«, rät Krank. Das trauen sich die Anlieger offenbar nicht, sie wollen keinen Ärger.

Platzverweis, notfalls Anzeige

Die Stadtverwaltung reagiere sehr wohl auf Beschwerden. Die Streifen könnten Platzverweise aussprechen, was auch geschehe. »Wenn sich jemand nicht daran hält, wird die Polizei eingeschaltet. Das kann bis zur Anzeige wegen Hausfriedensbruch gehen«, erläutert der Erste Stadtrat. Seien Jugendliche nicht einsichtig, werde durchgegriffen. Das Problem sei in Sommern wie diesem aber nicht im gesamten Stadtgebiet komplett in den Griff zu bekommen.

Ohnehin sei das Empfinden der Anlieger solcher Treffpunkte unterschiedlich. Was der eine bereits als Ruhestörung ansehe, störe den anderen noch gar nicht. Vandalismus, der im Goldsteinpark früher öfter vorgekommen ist, gibt es nach Angaben des Dezernenten derzeit relativ wenig. Kürzlich sei eine Bank angezündet und zerstört worden, ansonsten hielten sich die Übergriffe in Grenzen. Gefährlich sei bei dieser Trockenheit der verbotene Einsatz von Einweggrills in der Natur.

Nach Ansicht von Krank ist es nicht zielführend, den Jugendlichen einen bestimmten Ort zum Feiern anzubieten, etwa den Grillplatz am Flugplatz. Der liege außerhalb, die Gruppen wollten sich in der Stadt treffen.



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