Wetterau

Spielen, toben, basteln seit 25 Jahren

Berufstätige Eltern sind oft auf Betreuungsangebote für ihre Kinder angewiesen. Für die Geschwister-Scholl-Schüler in Assenheim übernimmt das die Betreuungsschule »Mäusezahn«. Seit 25 Jahren. Doch die Verantwortlichen haben nicht nur Grund zum Feiern.
04. Dezember 2018, 17:00 Uhr
Anna-Luisa Hortien
Das Interesse am Betreuungsangebot ist groß, viele Kinder stehen auf der Warteliste. Doch Isabella Teuma (2. v. r.) hat es schwer, genügend Mitarbeiter zu finden. 	(Fotos: Merz/Hortien)
Das Interesse am Betreuungsangebot ist groß, viele Kinder stehen auf der Warteliste. Doch Isabella Teuma (2. v. r.) hat es schwer, genügend Mitarbeiter zu finden. (Fotos: Merz/Hortien)

Yagnika, Carla und Landa basteln ein Fensterbild. Im Raum nebenan werden Hausaufgaben gemacht. Draußen im Sandkasten bauen zwei Jungs eine Burg. Ronja möchte ein neues Brettspiel ausprobieren. In der Betreuungsschule »Mäusezahn« in Assenheim spielen, toben, lernen und basteln täglich bis zu 70 Grundschüler der Geschwister-Scholl-Schule. Das Betreuungsangebot besteht inzwischen seit 25 Jahren.

1993 rief der gleichnamige Elternverein das Angebot ins Leben. Damals übernahmen einige Eltern die Kinderbetreuung, heute sind es angestellte Mitarbeiter. Isabella Teuma ist die Leiterin des Betreuungsteams, das die Schüler unter der Woche und auch in den Ferien versorgt. Auf Wunsch können die Kinder in der Betreuungsschule auch zu Mittag essen.

 

Großer Bedarf, wenig Engagement

 

Die Betreuungsschule teilt sich die Räumlichkeiten mit dem städtischen Kindergarten – »eigentlich eine Übergangslösung, die jetzt schon gute 15 Jahre anhält«, sagt Matthias Möhle, Erster Vorsitzender des rund 80 Mitglieder starken Vereins. Ursprünglich sei die Betreuungsschule in Räumen der Schule untergebracht gewesen. Die seien allerdings abgerissen worden. Also zog das Team in den nahegelegenen Kindergarten. Küche und Außenbereich teilen sich die beiden Institutionen, der Platz sei knapp. »Es ist jeden Tag eine Herausforderung, allen Seiten gerecht zu werden«, sagt Stefan Häber, der Zweite Vorsitzende. Nach wie vor werde diskutiert, wer für die Grundschulkinderbetreuung zuständig sei – die Stadt oder der Kreis? Eine Lösung sei aber nicht in Sicht. »Wir fühlen uns nirgendwo willkommen«, klagt Teuma.

Der Bedarf sei groß: »Die Kinder kommen immer öfter und bleiben immer länger«, sagt Teuma. Aktuell stünden rund 30 Kinder auf der Warteliste. »Jedes Jahr müssen wir Eltern absagen, weil alle Plätze schon vergeben sind.« Das liege sicher auch an den Neubaugebieten, die immer mehr junge Familien in die Region ziehen. Von denen würden sich aber immer weniger Eltern im Verein engagieren. »Nachfolger für die Vorstandsposten zu finden wird immer schwieriger«, sagt Möhle. »Das Engagement der Eltern sinkt. Doch wenn es den Verein nicht mehr gäbe, würden viele von ihnen vor Problemen stehen.« »Gerade Alleinerziehende sind auf die Betreuung angewiesen«, ergänzt Häber.

 

Schöne Momente der Vereinsarbeit

 

Möhle und Häber haben ihr Amt 2016 angetreten. Der damalige Vorstand wollte nicht mehr weitermachen. Also gaben sich die beiden einen Ruck: »Irgendjemand muss den Job machen, und wir nutzen beide das Betreuungsangebot«, sagt Häber. Kürzlich wurden beide für zwei Jahre wiedergewählt. »Es ist zwar ein bisschen Arbeit, aber es gibt auch viele schöne Momente«, sagt Möhle. Nette Gespräche am Rande der monatlichen Sitzungen etwa. »Und wir wissen, wofür wir es machen«, ´sagt Häber. »Außerdem stehen wir nie alleine da, unsere Bürokraft vor Ort und die Stadtverwaltung unterstützen uns.«

Nachfolger für die Vorstandsposten zu finden wird immer schwieriger

Matthias Möhle, Vorstandsvorsitzender

Aber nicht nur im Vorstand gebe es Personalprobleme. Es werde auch schwieriger, neue Mitarbeiter zu finden, die flexibel und engagiert seien und bereit wären, auch mal einzuspringen, wenn ein Kollege krank ausfalle. »Umso mehr geht unser Lob an alle, die sich Tag für Tag um die Kinder kümmern und sich immer neue Aktivitäten einfallen lassen«, sagt Möhle. »Wir wissen, dass das nicht selbstverständlich ist.«

2020 wollen Möhle und Häber voraussichtlich ihr Amt abgeben. Sie hoffen, dass sich dann neue engagierte Eltern finden, die die Arbeit fortführen. »Es wäre schade, wenn sich der Verein auflösen und damit auch das Beetreuungsangebot enden würde.«

 

Betreuungszeiten und -kosten

Die Betreuung wird von Montag bis Freitag von 7.30 bis 9.30 Uhr und von 11 bis 16 Uhr angeboten. In den Oster-, Herbst- und Weihnachtsferien wird jeweils eine Woche lang eine Ferienbetreuung angeboten. In den Sommerferien sind es drei Wochen. Der Mitgliedsbeitrag beträgt 15 Euro, dazu kommen Betreuungskosten von 115 Euro monatlich. Für das Mittagessen muss extra gezahlt werden. An die Mitgliedschaft sind pro Jahr fünf Stunden Elternarbeit geknüpft. Die kann zum Beispiel aus Reparaturarbeiten, putzen, Waffeln backen oder Bastelvorlagen vorbereiten bestehen. Für berufstätige Eltern bietet die Betreuungsschule auch »Arbeitssamstage« an.

 

Artikel: https://www.giessener-allgemeine.de/regional/wetteraukreis/friedbergbadnauheim/Wetterau-Spielen-toben-basteln-seit-25-Jahren;art472,523740

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