Wetterau

Sparkassen-Betrüger von SM-Damen erpresst

Ein Ex-Mitarbeiter der Sparkasse Oberhessen, der knapp neun Millionen Euro veruntreut haben soll, ist seinerseits von SM-Damen erpresst worden.
12. Dezember 2017, 12:25 Uhr
Steffen Hanak
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Dem früheren Mitarbeiter, der bei der Sparkasse Oberhessen knapp neun Millionen Euro veruntreute, droht Gefängnis. (Foto: Nici Merz)

Schnellen Schrittes verließ der Zeuge den Gerichtssaal, ohne einen Blick zur Seite zu werfen. Dort hätte der 38-Jährige in verständnislose Gesichter geschaut.

Als der Fachbereichsleiter der allgemeinen Revision bei der Sparkasse Oberhessen am Montag vor der Wirtschaftsstrafkammer des Gießener Landgerichts aussagte, ging ein Raunen durch die Reihen der Zuschauer. Hin und wieder war auch spöttisches Gelächter zu hören.

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Vorsitzender Richter Jost Holtzmann fand ebenfalls klare Worte für die internen Kontrollmechanismen des heimischen Geldhauses: »Das Kontrollversagen kann man als Totalausfall beschreiben.«

Fehlende interne Kontrollen

Dem Sparkassenmitarbeiter blieb nichts anderes übrig, als zerknirscht zuzustimmen. Was denn konkret versagt habe oder nicht vorhanden war, dass es dem Angeklagten gelingen konnte, über zehn Jahre unbemerkt Geld beiseitezuschaffen, wollte Holtzmann wissen. Fast neun Millionen Euro hat der geständige Täter zwischen 2007 und 2017 auf eigene Konten überwiesen.

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»Die Kontrolle war nicht so sachgerecht, wie es angeordnet worden war«, sagte der Fachbereichsleiter. Im Klartext heißt das: Es gab praktisch keine Überprüfungen. Der Beschuldigte – bis April 2017 als Fachbereichsleiter für das Rechnungswesen bei der Sparkasse Oberhessen beschäftigt – konnte weitgehend unbehelligt schalten und walten. Schon beim Prozessauftakt hatte der dreifache Familienvater zugegeben, die »Schwachstellen« gekannt und ausgenutzt zu haben.

Es sei »kein Hexenwerk« gewesen, an das Geld zu kommen, schilderte am Montag. Da es »keine ausreichenden Kontrollfunktionen bei internen Bankgeschäften« gegeben habe, überwies der 44-Jährige immer wieder Geld auf ein Konto der deutschen Kreditbank (DKB) in Berlin.

Da es noch nicht einmal stichprobenartige Kontrollen gegeben hatte, wurde der Vorgesetzte des Täters beurlaubt. Allerdings wies Verteidiger Michael Simon darauf hin, dass Mitarbeiterinnen der Abteilung für Rechnungswesen bei der Oberhessischen Sparkasse noch immer mit lediglich einer zweitägigen Schulung ihren Dienst versehen müssten. Das ermögliche »keine fachliche Kontrolle«.

SM-Damen und Drogen

Er sei von seiner »Sucht« getrieben worden, antwortete der beschuldigte auf die Frage, warum er immer weiter gemacht habe. Wobei in diesem Fall keine körperliche Abhängigkeit von einem Rauschgift gemeint ist, wie Richter Holtzmann klarstellte.

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Der Limeshainer habe schlicht seine sexuellen Vorlieben ausleben wollen. Dies wiederum in Verbindung mit Drogen. Was genau das heißt, blieb der Öffentlichkeit bislang verborgen. Fest steht nur, dass es sich um Damen aus dem SM-Bereich handelt. Die Kammer hatte das Publikum am vergangenen Donnerstag ausgeschlossen, als der Finanzbuchhalter Details berichtete.

Am Montag fasste Holtzmann zusammen, dass der ehemalige Kommunalpolitiker – er stand an der Spitze des Limeshainer Gemeindeparlaments – erpresst worden war. Der bestätigte dies. Es sei auch die Sorge vor neuen »Zahlungen« gewesen, die ihn dazu animiert hätten, seinen Millionenbetrug fortzusetzen.

Und Geld war bereits reichlich geflossen. Allein 1,7 Millionen Euro auf das Konto einer der Damen, wie eine Ermittlerin erklärte. Gegenüber der Polizei hatte der während der Verhandlung sehr ruhig wirkende auch offen eingeräumt, den größten Teil des Geldes für die sexuellen Dienste eingesetzt zu haben.

Urteil am Donnerstag

Beim Prozessauftakt hatte der leicht untersetzte Mann noch behauptet, Schulden für den Bau seines Hauses hätten ihn zum Betrüger werden lassen. Bei der Polizei klang das später anders: »Er wollte so viel Geld zusammenbekommen, dass er von den Zinsen hätte leben«, sagte ein Beamter.

Das klappte nicht. Ein DKB-Mitarbeiter meldete einen Geldwäscheverdacht. Dadurch kam die Sache auch in Hessen ins Rollen. Der Angeklagte gab alles zu. Als das ganze Ausmaß seiner Taten ans Licht kam, musste er in Untersuchungshaft. Die Staatsanwaltschaft sah Fluchtgefahr. Holtzmann kündigte an, dass der Wetterauer in Haft kommen wird. Das Urteil soll am Donnerstag gesprochen werden.

Artikel: https://www.giessener-allgemeine.de/regional/wetteraukreis/friedbergbadnauheim/Wetterau-Sparkassen-Betrueger-von-SM-Damen-erpresst;art472,360447

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