12. April 2017, 18:54 Uhr

Millionen veruntreut

Sparkassen-Betrüger ist Wetterauer Lokalpolitiker

Der 44-jährige Mann, der in den vergangenen Jahren die Sparkasse Oberhessen um rund vier Millionen Euro betrogen haben soll, ist wohl auch in der Politszene der Wetterau kein Unbekannter.
12. April 2017, 18:54 Uhr
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Aus der Redaktion
(Symbolfoto: dpa)
Vier Millionen Euro soll ein langjähriger Angestellter der Sparkasse Oberhessen über mehrere Jahre veruntreut haben. Wie jetzt bekannt geworden ist, handelt es sich bei dem Mitarbeiter um einen Wetterauer Lokalpolitiker. Der 44-Jährige ist Vorsitzender der Gemeindevertretung Limeshain und seit vergangenem Jahr in diesem Amt. Das bestätigt Bürgermeister Adolf Ludwig (SPD). Wie der Bürgermeister auch sagt, gebe der 44-Jährige, der für die SPD im Parlament sitzt, den Vorsitz der Gemeindevertretung umgehend ab. Die Stellvertreterregelung greife nun; die vorherige Vorsitzende werde den Posten übernehmen.

Über den Betrugsfall und den 44-Jährigen sagt der Bürgermeister: »Ich bin geschockt. Aber ich sage auch ganz klar: Hier in unserer Gemeinde hat er in allen Gremien gute und solide Arbeit geleistet.« Der Vorsitzende der SPD-Fraktion in Limeshain, Dr. Wolfgang Schönfeld, sagt, er sei »maßlos überrascht«. Stellung könne er jedoch erst beziehen, wenn sich der Vorstand beraten habe.

Der 44-Jährige war auch Mitglied im Haupt- und Finanzausschuss der Gemeinde. Neben seinem politischen Posten war er zudem bis zum vergangenen Jahr Kassenwart im Büdinger Kreisfußballausschuss.

Bekanntgeworden ist der Betrugsfall am Dienstag (wir berichteten). Der langjährige Sparkassen-Mitarbeiter, der vor zwei Jahren für sein 25-jähriges Dienstjubiläum geehrt worden war, soll laut Staatsanwaltschaft bis zu zehn Jahre Geld für sich beiseite geschafft haben – insgesamt habe er auf diesem Weg mehr als vier Millionen Euro veruntreut – im Durchschnitt sind das über 33 000 Euro pro Monat. Bei einer Hausdurchsuchung am vergangenen Donnerstag habe sich der Beschuldigte kooperativ verhalten und sich geständig gezeigt. Es bestehe keine Fluchtgefahr, daher sitze er nicht in Haft.

Drei Millionen Euro seien laut Staatsanwaltschaft noch auf dem deutschen Konto des Beschuldigten gewesen.

Unklar ist, wie aus einer Bank ein solch hoher Betrag über einen derartig langen Zeitraum verschwinden kann – doch dazu äußern sich mit Verweis auf das Verfahren weder Staatsanwaltschaft noch Sparkassen-Sprecher Bernd Kunzelmann. Bisher hieß es lediglich: »Interne Ermittlungen« hätten den Betrugsfall aufgedeckt.


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