02. Februar 2019, 18:00 Uhr

Sprachkurse

Spanisch, Italienisch oder Norwegisch für Urlauber und Auswanderer

Sprechen Sie… English? Español? Français? Nein? Lässt sich ändern. Bei der VHS Wetterau startet bald das Semester. Fremdsprachen-Leiterin Monika Packmohr erzählt, warum es nie zu spät ist, eine Sprache zu lernen.
02. Februar 2019, 18:00 Uhr
Viele Sprachkursteilnehmer wollen eine Sprache lernen, weil sie in den Urlaub fahren. Aber, sagt Monika Packmohr, die den Programmbereich Fremdsprachen der VHS leitet, die Zahl der Teilnehmer ist in den vergangenen 20 Jahren zurückgegangen. (Foto: Klingelhöfer)

Frau Packmohr, Sie leiten den Programmbereich Fremdsprachen bei der VHS. Was sind die häufigsten Gründe, warum sich jemand zum Sprachkurs anmeldet?

Monika Packmohr: Die Hauptmotivation ist in vielen Fällen Urlaub. Oder es sind Familienangehörige, die im Ausland leben. Wir hatten vor Jahren auch mal einen Norwegischkurs, die Teilnehmer wollten alle auswandern. Dann gibt es noch eine Handvoll, die es aus jobspezifischen Gründen macht. Das sind aber gar nicht so viele, wie man meint.

Wie viele Sprachen bietet die VHS Wetterau an?

Packmohr: 23 Sprachen, wobei nicht alle aktuell laufen. Wir haben sie im Angebot und haben auch Kursleitungen, aber wir machen zuerst eine Interessentenliste, da in vielen Sprachen die Nachfrage nicht so groß ist. Doch wenn ich zum Beispiel im Herbst merke, jetzt könnten wir einen Persisch-Kurs starten, starten wir.

Das In-Fehlern-Denken kommt aus dem Schulsystem, in dem es nur richtig und falsch gibt. Das ist eigentlich total daneben bei Fremdsprachen

Welche sind die beliebtesten Sprachen?

Packmohr: Englisch, Französisch, Italienisch und Spanisch. Bei den beiden letzteren pendelt es aber oft hin und her. Im Moment ist Spanisch wieder deutlich beliebter als Italienisch, das war aber auch schon anders.

Wie viele Spanisch- und Italienisch-Kurse gibt es?

Packmohr: Im vergangenen Herbstsemester hatten wir 48 Spanisch-Kurse und 21 Italienisch-Kurse.

Wie ist es mit den Stufen – wie lange bleiben die Teilnehmer in der Regel am Ball?

Packmohr: Es ist in den typischen Urlaubssprachen tatsächlich so: Viele fangen an und hören nach zwei, drei Semestern auf. In Französisch ist es seltsamerweise etwas anders, da haben wir eher Schwierigkeiten, die Anfängerkurse vollzukriegen, aber die Kurse auf höherem Niveau laufen. In den ganz kleinen Sprachen, Japanisch ist ein gutes Beispiel, geht es bis A2, die zweite Stufe. Es bröckelt oft in dem Moment, in dem die Teilnehmer merken, sie müssen üben. Die ersten ein, zwei Semester kann man sich vielleicht retten, indem man einmal die Woche den Unterricht besucht und im Lehrbuch noch mal nachschaut. Aber danach muss man sich schon mit Grammatik befassen und Vokabeln lernen. Es kommt aber auch immer auf die Motivation an. Die Gruppen sind nicht homogen, die Teilnehmer kommen aus unterschiedlichen Gründen und in unterschiedlichsten Altersstufen.

Wie ist der Altersschnitt in den Kursen?

Packmohr: Im vergangenen Semester waren die 50- bis 65-Jährigen die größte Gruppe – mit 35 Prozent. 23 Prozent der Teilnehmer waren zwischen 35 und 50, 19 Prozent über 65. In Bad Vilbel haben wir zum Beispiel einen Vormittags-Englisch-Kurs, da sind ausschließlich Senioren. 70, 80 plus. Das ist auch ein wichtiges Kriterium von Kursen: der soziale Zusammenhalt. Viele knüpfen Bekanntschaften und gehen deswegen weiter in den Unterricht.

Ein VHS-Kurs ist keine Schulklasse, in der alle auf einem Stand sind. Wie schafft ein Kursleiter das?

Packmohr: Es ist ein Spagat, das müssen die Kursleitungen können, und es erfordert Einfühlungsvermögen. Die meisten Kurse basieren auf einem Lehrwerk, da haben sie eine Richtlinie. Ich habe auch jahrelang als Kursleiterin gearbeitet, man merkt irgendwann, welche Teilnehmer besser sind. Da muss man ein bisschen ein Auge drauf haben. Denn wenn sie zu viel sagen, trauen sich die andern nicht mehr. Viele sind sowieso erst einmal schüchtern. Die meisten unserer Teilnehmer sind in der Altersklasse 50 plus. Sie haben vielleicht seit vielen Jahren keinen Kurs mehr gemacht, in dem sie aktiv etwas lernen mussten. Für sie ist die Situation neu, und sie wollen sich nicht blamieren.

Sprache lernen ist das beste Mittel gegen Demenz Sprache, Musik und Bewegung

Ist die Hemmschwelle hoch, eine fremde Sprache zu sprechen?

Packmohr: Ja, die Leute müssen ihre Scheu überwinden. Wenn die Teilnehmer sagen, ich traue mich nicht, ist mein Lieblingsbeispiel: Wenn Sie jetzt auf der Straße sind und Sie werden von jemanden angesprochen, der Sie fragt: »Wo sein Bahnhof?« Dann sagen wir ihm, wo der Bahnhof ist. Er ist glücklich, dass er weiß, wo er hin muss, wir sind glücklich, dass wir helfen konnten. Damit hat Sprache ihren ersten Zweck erfüllt. Das In-Fehlern-Denken kommt aus unserem Schulsystem, in dem es nur richtig oder falsch gibt. Eigentlich total daneben bei Fremdsprachen.

Welche Sprachen haben Sie unterrichtet?

Packmohr: Englisch und Spanisch. Es macht viel Spaß, weil im Unterschied zur Schule alle freiwillig kommen. Ich hatte mal eine Teilnehmerin dabei, die immer vorgearbeitet hat. Soll man eigentlich nicht machen, weil man den Stoff im Unterricht gemeinsam erarbeitet. Sie kam aber gleich am Anfang des Kurses zu mir und sagte: »Ich muss immer ein bisschen vorarbeiten, ich leide an Alzheimer, und ich komme sonst nicht mit.« Eine Sprache lernen ist übrigens das beste Mittel gegen Demenz – Sprache, Musik und Bewegung.

Info

Eine Sprache bei der VHS lernen

Einen Sprachkurs besuchen ist eher Frauensache – zumindest bei der VHS-Wetterau. Wie die Programmbereichsleiterin für Fremdsprachen, Monika Packmohr, sagt, sind rund zwei Drittel der Kursteilnehmer Frauen. Insgesamt sind rund 2500 Teilnehmer im Fremdsprachenbereich aktiv. Die meisten Kurse werden im westlichen Teil des Wetteraukreises angeboten, »im Ostkreis wird wenig angenommen«. Die Teilnehmerzahlen seien in den vergangenen 20 Jahren zurückgegangen – »weil viele auch Englischkenntnisse aus der Schule mitbringen und damit in fast allen Ländern zurechtkommen«. Die VHS bietet zweimal im Jahr die Möglichkeit, eine Sprache von Beginn an zu lernen – ab September und ab Februar. Wer bereits eine Sprache gelernt hat und nicht weiß, für welche Stufe er sich einschreiben soll, kann einem Einstufungstest machen (in den vier Hauptsprachen der VHS: Englisch, Französisch, Spanisch, Italienisch). Das ist auch kostenlos online möglich unter www.sprachtest.de. Wer nicht ein ganzes Semester an einem Kurs teilnehmen möchte, hat auch beim Sommer-Spezial der VHS die Möglichkeit, Intensivkurse zu besuchen, etwa einen Italienisch-Crashkurs am Wochenende. Anmeldungen für die Sprachkurse sind möglich bei der VHS unter der Telefonnummer 06031/71760 oder im Internet unter www.vhs-wetterau.de.

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