12. Mai 2019, 19:48 Uhr

Sorge wegen Nebenwirkungen von Medikamenten

12. Mai 2019, 19:48 Uhr
Beantwortet am Telefon viele Fragen: Prof. Tibo Gerriets.

Friedberg/ Wetteraukreis (pm). Anrufer aus dem gesamten Kreisgebiet nutzten das Angebot des Neurologen am Gesundheitszentrum Wetterau (GZW), Prof. Tibo Gerriets, sich im Vorfeld des »Tages gegen den Schlaganfall« zu informieren. Eine Stunde lang stand der Chefarzt der Schlaganfalleinheit am Bürgerhospital Friedberg Rede und Antwort. Auffällig war die mehrfach geäußerte Sorge wegen möglicher Medikamentennebenwirkungen. Diesen Anrufern riet Gerriets, sich von den Inhalten der Beipackzettel nicht irritieren zu lassen, auf keinen Fall eigenständig Medikamente abzusetzen, sondern stattdessen beim Hausarzt Rat zu holen. »Die meisten vermuteten Nebenwirkungen sind nach meinen Erfahrungen Missverständnisse oder Fehlinterpretationen«, sagte Gerriets.

Eine Rolle spielten auch die möglichen »unsichtbaren Spätfolgen« von Schlaganfällen. Viele Patienten, die nach erfolgreicher Behandlung scheinbar gesund in den Beruf zurückkehren, merken im Alltag, dass sie den Anforderungen doch nicht mehr gewachsen sind. Zu den häufigsten Störungen nach Schlaganfall zählen Aufmerksamkeits- und Konzentrationsdefizite, oft einhergehend mit Gedächtnislücken und Planungsstörungen.

Zweithäufigste Todesursache

Nicht selten sind Patienten schon mit der Organisation ihres Einkaufs überfordert. Ebenfalls häufig treten Sprach- oder Sehstörungen auf, zudem emotionale Veränderungen, die Beziehungen zu Partnern und Angehörigen belasten. Hier sei, so Gerriets, eine Behandlung durch Neuropsychologen, Ergotherapeuten oder Logopäden hilfreich.

Wie sehen die Anzeichen eines Schlaganfalls aus? Hat ein Patient mit Diabetes ein erhöhtes Risiko, einen Schlaganfall zu erleiden? Ab wann ist ein Bluthochdruck behandlungsbedürftig? Welche Risikofaktoren gibt es? Wie gefährlich sind die modernen Blutverdünner? Das Gesamtspektrum der Fragen war breit gefächert. Bis zu 270 000 Menschen pro Jahr erleiden in Deutschland einen Schlaganfall, 75 000 Menschen sterben daran. Damit ist der Schlaganfall die zweithäufigste Todesursache. Bei wem der Schlaganfall nicht direkt zum Tod führt, der leidet häufig an bleibenden Folgen; bundesweit ist eine Million Menschen nach einem Schlaganfall behindert.

Um einen Schlaganfall zu verhindern oder eine sofortige Behandlung sicherzustellen, sollten die Warnsymptome beachtet werden, riet der Chefarzt. Bei Auftreten einer halbseitigen Gesichtslähmung, von Taubheit oder Lähmung einer Körperseite, plötzlichen Sprachstörungen, Fallneigungen, Gangunsicherheit oder Sehstörungen sei - auch im Zweifelsfall - sei sofort die 112 zu wählen, um einen Notarzt zu rufen.

Die Einrichtung der elf Betten umfassenden Stroke Unit am Bürgerhospital sei Ausdruck der Erkenntnis, dass das flächendeckende Vorhandensein solcher Spezialabteilungen trotz hoher Kosten richtig ist. Als Beleg hatte der Neurologe konkrete Zahlen parat: Die Behandlung eines Patienten in einer Stroke Unit erhöhe dessen Überlebenswahrscheinlichkeit um 17 Prozent und senke das Risiko von Tod oder gravierenden Folgeschäden sogar um 31 Prozent. (Foto: pv)

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