30. Juli 2019, 20:17 Uhr

Sommerfantasien auf der Orgel

30. Juli 2019, 20:17 Uhr
Sie eint die Liebe für Bach: Mathematik-Professor Albrecht Beutelspacher (l.) und Kantor Frank Scheffler. (Foto: hms)

Voll, heiß und beschwingt, so könnte man das Benefizkonzert für die Große Orgel Dankeskirche am Samstag charakterisieren. Wenn den Besuchern in der bis auf den letzten Platz besetzten Johanneskirche schon beim Applaudieren die Hände aneinanderklebten, möchte man nicht wissen, wie es dem Organisten ging, als er in lockeren Achteln und Sechzehnteln die Tasten drückte. Es war ein Genuss, die sommerlichen Melodien auf der kleinen aber gut funktionierenden Orgel zu hören.

»Eine Musik schöner als die andere, alle in fröhlichen Dur-Tonarten und jedes Stück von besonderem Reiz«, so machte Beutelspacher vom ersten Moment an Lust auf das Programm. Zum dritten Mal schon moderierte der vielfach ausgezeichnete Mathematiker die Reihe, in der Scheffler nach und nach alle Orgelwerke von Johann Sebastian Bach vorträgt. Diesmal lautete das Motto »Nun danket alle Gott«, das Scheffler als Choralbearbeitung vorstellte.

Zu jedem Stück eine Besonderheit

Beutelspacher, bekannt vom Mathematikum in Gießen und geehrt für seine populärwissenschaftliche Vermittlung naturwissenschaftlicher Themen, liebt auch Bach und wusste zu jedem Stück eine Besonderheit zu erzählen. In strahlendem C-Dur begann das Konzert mit Präludium und Fuge, BWV 547. Der einstimmige Schluss des Präludiums und der kurze Schlussakkord sind einmalig bei Bach. Die Choralbearbeitung »Ach bleib bei uns, Herr Jesu Christ« imitierte die näselnde Gambe kunst- und mühevoll in der linken Hand und malte ein außergewöhnliches Klangbild. Ausgeglichen und entspannt wirkten Präludium und Fuge in A-Dur. Da sich der Spieltisch auf Sichthöhe der Zuhörenden befindet, konnten die meisten gut die akrobatische Beinarbeit und die Fingerfertigkeit des Organisten verfolgen. Hoch konzentriert bei den schwülwarmen Temperaturen präsentierte er Meisterhaftes. Wie Präludium und Fuge G-Dur, die Beutelspacher als Bachs »Meisterstück hoch zwei« bezeichnete. Virtuos und lebendig gespielt: eine sommerliche Freude. Durch eine kleine Geschichte ins Reich der Fantasie entführt, wurden die drei Sätze der Triosonate ES-Dur für jedermann erlebbar: Ein angenehmer Sommertag auf der Terrasse, aufmerksame, plaudernde Menschen, dann drinnen zwei ältere Damen ihr Leid erzählend und seufzend mit einem grummelnden Bass. Und schließlich wieder draußen frohes Spiel, alles ist in Bewegung. Auf Einladung des Freundeskreises Evangelische Kirchenmusik klang nach begeistertem Applaus das Sommerkonzert mit Orgelwein und Orgelbrot aus.

Das nächste Konzert, die Gospelnight mit »For Heaven’s Sake« und Band, findet am Freitag, 23. August (nicht am 31.), um 19.30 Uhr in der Dankeskirche statt.

Schlagworte in diesem Artikel

  • Benefizkonzerte
  • Jesus Christus
  • Johann Sebastian Bach
  • Mathematikum Gießen
  • Melodien
  • Organisten
  • Orgel
  • Sebastian Bach
  • Bad Nauheim
  • Hanna von Prosch
  • Schlagwort zu
    Meine Themen

    Sie haben bereits 15 Themen gewählt

    Sie folgen diesem
    Thema bereits

Klicken Sie auf ein Schlagwort, um es zu „Meine Themen” hinzuzufügen oder weitere Inhalte dazu zu sehen.


0
Kommentare | Kommentieren

Bilder und Videos

Kommentare

Kommentar hinzufügen

Kommentar schreiben - Ihre Meinung zum Thema ist gefragt


Kommentare werden erst nach einer Prüfung durch die Redaktion veröffentlicht. Bitte beachten Sie die Netiquette sowie die Hinweise nach dem Absenden Ihres Beitrags.


Überschrift
Meine Meinung





Sie haben noch kein Login? Jetzt kostenlos registrieren.

Registrieren Sie sich kostenlos um Ihren Kommentar abzuschließen:

Wir garantieren Ihnen, dass alle persönlichen Daten nur beim Verlag intern verwendet werden und nicht ohne Zustimmung an Dritte weitergegeben werden.


Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:
Wieviel ist 10 / 2: 




Sie sind bereits registriert? Zurück zum Login.