29. Juli 2019, 20:11 Uhr

Solarpark mit besten Einstrahlbedingungen

In einer der sonnenreichsten Städte Hessens war es nur eine Frage der Zeit, bis auch dort ein Solarpark errichtet wird. Jetzt ist es soweit: Ein Teil der Anlage ist in diesen heißen und wolkenlosen Tagen im Nidderauer Stadtteil Windecken ans Netz gegangen.
29. Juli 2019, 20:11 Uhr
Der jetzt auf drei Hektar Fläche in Betrieb genommene Nidderauer Solarpark in Windecken liefert in der Anfangsphase 1,3 Megawatt Strom. Die Errichtung schlägt mit rund 2,5 Millionen Euro zu Buche. (Foto: jwn)

Am Rande von Windecken scheint die Lage für einen Solarpark auf der knapp drei Hektar großen ehemaligen Deponie geradezu ideal zu sein. Bis auf eine Seite ist das Gelände ansonsten nur von Feldern, Obstbäumen und Büschen umgeben. Wegen ihrer ursprünglichen Verwendung wurde die Fläche landwirtschlich nie genutzt.

Als in der Stadtverordnetenversammlung Ende 2016 nach der erfolgreichen Installation von Fotovoltaikanlagen auf fast allen Bürgerhäuser der Beschluss gefasst wurde, nach weiteren Möglichkeiten zur Gewinnung regenerativer Energie innerhalb der Stadtgrenzen zu suchen, fiel der Blick schnell auf das ehemalige Deponiegelände. »Die Errichtung eines Solarparks war die logische Konsequenz aus dem Prüfauftrag von Grünen und der SPD damals«, kommentiert dies der Erste Stadtrat Rainer Vogel (Grüne) heute.

Nach einem ersten Erkundungsverfahren folgte die Suche nach einem Partner, den man schließlich in der Brachtaler Next Energie GmbH fand. Anfang dieses Jahres waren die Vorarbeiten abschlossen, der Pachtvertrag mit der Firma über das Grundstück unter Dach und Fach, und so konnte auf dem zirka drei Hektar großen Gelände eine Anlage erbaut werden, die in der Endstufe 2,4 Megawatt Leistung erzielen wird. Laut Vogel ist dies vergleichbar mit den Windrädern im benachbarten Kilianstädten oder der Biogasanlage in Ostheim. Momentan liefere die Anlage allerdings nur rund 1,3 Megawatt.

Auf 2,5 Millionen Euro beziffert die Firma die Kosten für die gesamte Anlage bei einer Lebenserwartung von mehr als 30 Jahren. Firmensprecher Torsten Eurich ist mit dem Standort rundum zufrieden: »Die Einstrahlbedingungen können nicht besser sein. Deshalb haben wir auch auf die Verwendung von nachgeführten Solarmodulen, die also dem Sonnenverlauf tagsüber folgen, verzichtet.«

Anwohner fühlen sich übergangen

Besonderen Wert habe man schon bei der Planung auf eine geringe Belastung der Nachbarschaft gelegt. So werde ein vier Meter breiter und bis zu fünf Meter hoher Heckenstreifen zur Wohnbebauung belassen. Darüber hinaus blieben im nördlichen Bereich Bäume erhalten, um Rückzugsräume für Tiere zu gewährleisten. Alles sei mit der Naturschutzbehörde abgesprochen. Unsichtbar werde die Anlage gleichwohl nicht sein. Trotzdem sieht der Firmensprecher darin keine »Sichtbelastung für die Anlieger«.

Nicht ganz so zufrieden mit dem Projekt sind hingegen die Anwohner von etwa fünf Grundstücken, deren Anwesen parallel zu dem Solarpark liegen und die nur durch einen Weg, einen Grünstreifen und eine Obstbaumreihe von den Modulen getrennt sind. Obwohl fast alle über eigene Solaranalgen auf ihren Dächern verfügen, hatten sie von Anfang an starke Bedenken. Ihnen gehe es auch weniger um die Fotovoltaikanlage als vielmehr um die Art und Weise, wie diese errichtet worden sei, erfährt man. Sie seien zu keinem Zeitpunkt von der Stadt über das Vorhaben informiert worden. Erst als die ersten Baufahrzeuge auftauchten, habe man von dem Projekt erfahren.

Dies will Vogel so nicht gelten lassen. »Es ist alles ordnungsgemäß verlaufen. In der Stadtverordnetenversammlung am 21. Juni 2018 ist die Verpachtung des ehemaligen Deponiegeländes bekanntgegeben worden. Die Anwohner haben darüber hinaus in einem gesonderten Termin auf dem Rathaus weitere Einzelheiten von mir erfahren«, sagt der Erste Stadttrat. Nach seiner Meinung werden sich die Bedenken der Anwohner spätestens aber dann erledigt haben, wenn im kommenden Jahr die Vegetation wieder alles verdecken wird. »Im Gegensatz zu Windkraftanlagen oder auch Biogasanlagen, ist hier die optische Beeinträchtigung doch sehr gering und von Seiten der Emissionen sogar ganz unproblematisch«, fährt Vogel fort.

Der Prüfauftrag des Parlaments von 2016 habe weiter Bestand habe. Allerdings seien aufgrund des Erneuerbare Energien Gesetzes die Möglichkeiten jetzt eingeschränkter. Freiflächenanlagen seien nur noch auf Konversionsflächen oder Straßen- bzw. Bahnbegleitflächen rentabel zu betreiben.

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