16. Januar 2019, 14:00 Uhr

Waldwirtschaft

So wird künftig unser Holz verkauft

Das in Friedberg, Butzbach, Ober-Mörlen und Rosbach geschlagene Holz aus der Wetterau soll demnächst über die »Holzagentur Taunus« vermarktet werden. Sie ist die Erste ihrer Art in Hessen.
16. Januar 2019, 14:00 Uhr
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Aus der Redaktion
Ab März sollen 121 425 Festmeter Holz aus dem Taunus zentral über eine neue, interkommunale Agentur verkauft werden. Denn das Kartellamt hat die Vermarktung von Holz aus Privat- und Kommunalwäldern durch den Landesbetrieb Hessen Forst beanstandet. (Foto: Pieren)

Für Mountainbiker, Jogger und Wanderer aus der Wetterau ist der Naturpark Taunus ein Eldorado. Tatsächlich ist der 134 775 Hektar große Naturpark, der zweitgrößte Hessens, das bedeutendste Naherholungsgebiet im Rhein-Main-Gebiet. Auch die westlich der A 5 gelegenen und zu Butzbach, Ober-Mörlen, Friedberg und Rosbach gehörenden weiten Wälder zählen zum Naturpark Taunus.

Im Alltag der Menschen steht der Taunuswald beim Blick auf den gesamten Wetteraukreis freilich weniger im Fokus. Mit rund 5000 Hektar (50 km²) am westlichen Rand der Wetterau bildet der dortige Forst eben auch nur einen kleinen Teil der insgesamt 1102 km² Fläche des Landkreises. Die Wälder werden in Abstimmung und Auftrag der Revierförstereien Butzbach, Hoch-Weisel, Ober-Mörlen und Rosbach bewirtschaftet.

Während der Wald für viele Menschen ein gern aufgesuchter Erholungsraum ist, stellt das dort geschlagene Holz hingegen ein erlösstarkes Wirtschaftsgut dar, das die Kassen der besagten Städte und Kommunen füllt. Und genau deshalb ist in den Vorjahren das Kartellamt aktiv geworden.

 

Hessenweit einmalig

 

Weil das Kartellamt mehr Wettbewerb fordert, geht es der Waldwirtschaft nun an die Wurzeln. Die Wettbewerbshüter hatten die Vermarktung von Holz aus Privat- und Kommunalwäldern durch den Landesbetrieb Hessen Forst beanstandet. Im Urteil hieß es, das »verbotene Vertriebskartell« verfälsche den Wettbewerb.

Dem Landesbetrieb wurde untersagt, Holz aus dem Kommunalwald zu vermarkten, weil es sich dabei um eine unternehmerische Tätigkeit handele. Nur noch der Staatswald und für eine Übergangszeit von zwei Jahren auch der Privatwald dürfen von Hessen Forst verkauft werden.

Betroffen sind auch die vier oben genannten Revierförstereien, die allesamt vom Forstamt Weilrod im Schloss Neuweilnau (Hochtaunuskreis) betreut werden. Bislang hatte das Forstamt von Hessen Forst auch das in der Wetterau geschlagene Holz aus Kommunalwald vermarktet und verkauft.

Kommunalpolitiker durften bislang alljährlich in den Parlamentssitzungen der frohen Kunde der Forstamtsmitarbeiter lauschen, wie viel Euro der Verkauf des Holzes in den Stadtsäckel spülte und im kommunalen Haushalt unter den Einnahmen verbucht werden konnte.

 

Butzbach ganz vorn

 

Genau das wird aber aus kartellamtlichen Gründen nicht mehr der Fall sein. Die vier am Taunus-Holz beteiligten Kommunen aus der Wetterau wollen sich deshalb gemeinsam mit 17 anderen Städten und Kommunen aus den Landkreisen Hochtaunus, Main-Taunus und Limburg-Weilburg in der neu zu gründenden »Holzagentur Taunus« zusammenschließen. Die jeweiligen kommunalen Parlamente sollen noch im Januar die Zustimmung für die Unterschrift der Bürgermeister zur interkommunalen Holzvermarktungsagentur geben – der ersten in Hessen überhaupt. Wird aus allen 21 Städten und Kommunen grünes Licht gegeben, wollen die Bürgermeister am 27. Februar den entsprechenden Gesellschaftervertrag unterzeichnen.

Ab dem 1. März 2019 sollen dann 121 425 Festmeter (fm) Taunus-Holz zentral über die neu gegründete »Holzagentur Taunus« vermarktet und verkauft werden. Die jeweiligen Forstämter betreuen und bewirtschaften den Kommunalwald weiterhin. Sitz der neuen Gesellschaft wird wohl der Weilroder Ortsteil Rod an der Weil sein. Am meisten Holz steuern die Hochtaunus-Kommune Weilrod (15 315 fm) und Butzbach (13 600 fm) bei.

 

Vier Kreiskommunen machen mit

Die Wetterauer Kommunen, die an der »Holzagentur Taunus« beteiligt sein wollen, verfügen über diese Holzverkaufsmenge (in Festmetern) und Waldflächen in (Hektar):

Butzbach: 13 600 fm / 3091 ha

Friedberg: 1000 fm / 215 ha

Ober-Mörlen: 1555 fm / 380 ha

Rosbach: 6400 fm / 1275 ha

Auch Friedrichsdorf will mitmachen und würde 4620 Festmeter Holz zum Verkauf bereitstellen; die Waldfläche dort ist 907 Hektar groß.



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