Kaum ist die aufwendige Mitgliederausstellung in der Galerie der Trinkkuranlage mit Erfolg beendet worden, wird bereits wieder fleißig umgebaut. Ab dem morgigen Freitag dreht sich alles um »Schall und Staub«, wie der Titel der neuen Ausstellung bereits verrät. Die beiden Künstlerinnen Serena Amrein und Barbara Hindahl werden erstmals gemeinsam eine Klang- und Rauminstallationen sowie außergewöhnliche Zeichnungen präsentieren. Der Kunstverein und der Magistrat der Stadt Bad Nauheim laden für 19 Uhr zur Vernissage ein.

Die eine arbeitet mit Staub, die andere zeichnet ihn. Doch die beiden Künstlerinnen Serena Amrein und Barbara Hindahl verbindet weitaus mehr. In der Arbeit »Mehrspur« von Serena Amrein baut sich wie bei einem Tintenstrahldrucker von Barbara Hindahl das Bild Linie für Linie langsam auf. Flankiert werden diese Audio-Kompositionen von Zeichnungen. Was beide Künstlerinnen also verbindet, sind Linien und Staub. Erstmals stellen Amrein und Hindahl gemeinsam aus. »Die Galerie hier ist etwas Besonderes«, sagt Amrein, die bereits in Friedberg ausstellte. »Jeder Raum ist aber auch eine neue Herausforderung«, ergänzt Hindahl. Schon vor zwei Jahren nahmen die Künstlerinnen Kontakt zum damaligen Kunstverein auf. »Der frühere Vorstand hat uns Vorschläge mitgegeben, die Kontakte haben wir nun weiter vertieft«, wie Dagmar Reichardt vom Kunstvereins-Vorstand erklärt.

Drucker als Musikinstrument

Normalerweise sieht und hört man nicht, wie Bilder entstehen. Anders bei Serena Amrein aus Darmstadt. Die Künstlerin hält Geräusche und Bewegungsprozesse, die bei der Arbeit entstehen, in Bild und Ton fest. Auf vier Monitoren mit Kopfhörern können Besucher dies nun in der Galerie genauestens beobachten und auch hören. Die gebürtige Schweizerin lässt unterschiedliche Medien ihre Zeichnungen ausführen. Dabei entstehen Klänge von dem minimalistischen Aufprall der Schlagschnur bis hin zu Lauf-, Kurbel- und Ziehgeräuschen. »Jede Linie ist einzigartig«, weiß Amrein. Seit 1993 beschäftigt sich die Künstlerin bereits mit dem Medium »Zeichnung«. In den seit 2006 entstandenen Pigmentarbeiten sind alle bildlichen Zeichen nicht mehr mit Zeichenstift oder Pinsel gezogen, sondern mittels Schnüren, Seilen und Tauen entstanden. Diese werden mit Pigment bestäubt und auf den Bildträger geschnalzt oder geschlagen. Die so aufgetragenen Linien, scheinen zu pulsieren, zu schwingen. Diese »Bewegungslinien« sind jedoch keineswegs vom Zufall gelenkt, sondern genau berechnet und kalkuliert. Das Medium wird durch die Schwingung selbst zum Zeichnen gebracht. Die Zeichnung ist als Spur, als Abdruck lesbar.

Künstlerin Hindahl aus Mannheim lässt den Tintenstrahldrucker zum Musikinstrument werden. Das Bild wird vom hin und her rasenden schwarzen Druckknopf verdeckt und wieder frei gegeben. In schnellem Wechsel verschluckt er das Licht und gibt es wieder frei. Thema ihrer Werke sind Zeichen und Symbole der digitalen Welt, die inzwischen das Leben von uns allen berührt. In ihren Installationen schenkt sie dieser Welt ihre ganze Aufmerksamkeit, nutzt sie gleichsam als neues Ausdrucksmittel. Sichtbar wird dies in der Rotunde, erstmals wird hier eine große Leinwand aufgebaut.

Genauer hinsehen muss der Besucher auch, wenn er sich ihren filigranen Zeichnungen nähern will: Millimeterpapier, ausgedruckte Typografien oder eben Staub. Jedes Bild hat eine persönliche Handschrift hinterlassen, keines ist wie das andere.

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