07. März 2019, 19:00 Uhr

Steuererklärung

So läuft's mit der Steuererklärung – Tipps vom Fachmann

Für viele steht sie wieder an – die Steuererklärung. Gerade für Berufseinsteiger ist das aber alles neu. Im Interview gibt Steuerberater Stefan Langsdorf Tipps bei der Steuererklärung.
07. März 2019, 19:00 Uhr
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Von Marion Müller
Die Steuererklärung ist gerade für Berufseinsteiger neu. Dabei gibt es einige Dinge, die die Anfänger aber auch alte Hasen absetzen können – wie zum Beispiel einen neuen Computer oder Kontoführungsgebühren. (Fotos: dpa/Marion Müller)

Als Berufseinsteiger hat man sich in der Regel mit der eigenen Steuererklärung noch nie befasst. Wie gehe ich vor, wenn ich das erste Mal meine Steuer machen muss?

Stefan Langsdorf: Der Klassiker ist, man geht auf elster.de. Da gibt es die Formulare von der Finanzverwaltung. Für den Einsteiger macht es die Sache aber, glaube ich, einfacher, die Formulare in gedruckter Form zu sehen, damit man eine Vorstellung davon bekommt, was man alles ausfüllen und damit bei der Steuererklärung ansetzen kann. Eine private Haftpflicht-, eine Unfallversicherung – die sind als sogenannte Sonderausgaben absetzbar. Als Berufseinsteiger im Angestelltenverhältnis zahlt man die Kranken-, Pflege-, Arbeitslosen- und Rentenversicherung. Auch die sind absetzbar. Vielleicht hat man noch andere Versicherungen, wie die Kfz-Haftpflicht, wenn es nicht über die Eltern läuft. Was viele nicht wissen: Die Hundehaftpflicht ist auch absetzbar.

Was sind Dinge, woran die Meisten vielleicht gar nicht denken, was sie absetzen können?

Langsdorf: So etwas wie die sogenannten haushaltsnahen Dienstleistungen werden gerne übersehen. Eine Handwerkerrechnung zum Beispiel. In dieser Rechnung ist immer auch Arbeitslohn des Technikers ausgewiesen. Diesen Arbeitslohn kann man als haushaltsnahe Dienstleistung absetzen. Auch in der Nebenkostenabrechnung des Vermieters sind vielleicht Kosten auf Sie umgelegt, in denen auch ein Arbeitslohn enthalten ist. Dies ist zum Beispiel bei einem Hausmeister oder der Rechnung für die Heizungswartung und dem Besuch des Schornsteinfegers der Fall. Auch wenn Sie eine Reinigungskraft haben – die müssten Sie als Aushilfe beschäftigen – ist dies absetzbar.

Welche Unterlagen sind wichtig, wenn man zum ersten Mal seine Steuern macht?

Langsdorf: Sie brauchen unbedingt die Lohnsteuerbescheinigung und tragen die Beträge in die Anlage N ein. Interessant wird es bei den Werbungskosten wie Fahrtkosten. Fahrten zwischen der Wohnung und der regelmäßigen Arbeitsstelle – das läuft über eine Entfernungspauschale. Da gibt es 30 Cent pro Kilometer – also pro Entfernungskilometer, nicht gefahrenen Kilometer. Als Berufseinsteiger können Sie auch die Fahrt zur Berufsschule oder Uni absetzen. Auch Bewerbungskosten zählen zu den Werbungskosten. Bewerbungen per Post oder E-Mail verschickt und zu zehn Vorstellungsgesprächen gefahren – die Nachweise hierfür sollten Sie alle sammeln.

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Stefan Langsdorf, Steuerberater bei W+ST Wetterauer Treuhand in Friedberg.

Das heißt, man muss für alles die Quittungen haben?

Langsdorf: Das wäre das allerbeste, ganz genau. Außer zu Fahrtkosten. Da schreibt man einen sogenannten Eigenbeleg. Der beste Beweis, dass Sie sich irgendwo beworben haben, ist das Schreiben des Unternehmens, das auf Ihr Anschreiben antwortet. Wenn es nicht mehr analog läuft, dann die E-Mail ausdrucken, die man bekommen hat. Die Quittungen für die öffentlichen Verkehrsmittel hebt man auch einfach auf. Auch Quittungen für Fotokopien, Passbilder oder Briefmarken – alles aufbewahren.

Was mache ich, wenn ich keine Rechnungen mehr habe?

Langsdorf: Dann wird es schwierig. Wenn kein Beleg da ist, dann waren Sie offensichtlich nicht im Fotostudio, sondern haben das Bewerbungsfoto wahrscheinlich selbst gemacht.

Ist es sinnvoll, sich einen Ordner anzulegen, in dem ich alle Rechnungen sammle?

Langsdorf: Das wäre ein Traum. Wir bieten das auch an. Ich würde Ihnen einen Belegsammelordner geben mit einem Zehnerregister, auf dem vermerkt ist, was man alles sammeln sollte. Gerade bei Versicherungen überweisen viele die Rechnungen und heften diese in die entsprechenden Ordner ab. Im Frühling sagen Sie dann, ach Mist, mein Steuerberater braucht das doch alles. Dann sortieren Sie alles wieder aus den Ordnern raus.

Ist es hierfür auch okay, Kopien der Rechnungen anzufertigen und Ihnen diese für die Steuererklärung zu geben?

Langsdorf: Das geht natürlich genauso.

 

Die Quittungen bitte aufheben, sonst haben Sie keinen Nachweis dafür

Stefan Langsdorf; Steuerberater

 

Wie ist es, wenn ich in meinem Job angefangen habe? Ich brauche ja auch Stifte oder mal einen Block. Wie ist es damit?

Langsdorf: Die Quittungen bitte aufheben, sonst haben Sie keinen Nachweis dafür. Auch einen PC zu Hause, Kopierpapier oder Fachbücher. Wenn Sie diese Quittungen sammeln und am Jahresende aufaddieren und da kommen nur 60 Euro zusammen, dann würde ich die weglassen. Denn es gibt hierfür eine Pauschale in Höhe von 110 Euro, die das Finanzamt anerkennt.

Wie ist es, wenn ich zu Hause zum Beispiel einen alten PC habe, den ich eigentlich nicht mehr für die Arbeit nehmen kann, und kaufe mir einen neuen. Den nutze ich aber natürlich auch privat. Kann ich da auch etwas absetzen?

Langsdorf: Ja, dann entsprechend anteilig. In der Praxis müssen Sie überlegen, zu wie viel Prozent Sie den PC beruflich nutzen? Was ist realistisch? Wenn das Apple Mac Book 3000 Euro kostet, dann muss das über die Nutzungsdauer abgeschrieben werden. In dem Fall legt das Finanzamt eine Nutzungsdauer von drei Jahren fest. Die Kosten werden dann auf die drei Jahre verteilt. Man kann auch ein Notebook oder Computer zu 100 Prozent absetzen. Dafür braucht es für das Finanzamt eine Bescheinigung des Arbeitgebers. Für Berufe, in denen ich nachweislich ein Telefon brauche, kann ich auch die Handykosten absetzen.

Man kann ja mittlerweile bei Apotheken Kundenkonten einrichten lassen. Kann ich da etwas absetzen?

Langsdorf: Am Jahresende bekommen Sie von der Apotheke einen Ausdruck des Jahres-Kundenkontos. Die Absetzbarkeit dieser Krankheitskosten richtet sich danach, ob es eine »außergewöhnliche Belastung« ist. Jeder ist mal krank. In dem Moment aber, wo die Kosten, die ich durch meine Krankheit habe, außergewöhnlich hoch sind, kann ich den Betrag, der mir quasi nicht mehr zumutbar ist, absetzen. Aber auch die Fahrtkosten zum Arzt oder zur Klinik sind absetzbar. Wenn Sie eine Kur von der Steuer absetzen wollen, müssen Sie vorher noch zum Amtsarzt gehen. Vorsorgeuntersuchungen wie eine Krebsvorsorge sind ebenfalls absetzbar.

Haben Sie sonst noch Tricks und Tipps?

Langsdorf: Kontoführungsgebühren sind absetzbar. Das ist aber nur ein kleiner Posten. Sie können dafür eine Pauschale von 16 Euro im Jahr absetzen. Diese 110 Euro für Arbeitsmittel und die 16 Euro für Kontoführungsgebühren tragen Sie ohne Belegnachweis ein. Sie können auch einen Bürostuhl, Schreibtisch, Aktenschrank oder den Schrank, in dem Sie Ihre ganzen Unterlagen vom Arbeitgeber aufbewahren, absetzen.

 

Info

Lohnsteuerhilfeverein

Für Steuerberater wie Stefan Langsdorf, bei W+ST Wetterauer Treuhand in Friedberg, ist die Vergütung in der Steuerberater-Vergütungsverordnung geregelt. Diese bundesweit einheitliche Regelung gibt eine Mindestgebühr vor. Diese hängt auch von der Einkommenshöhe des Kunden ab. Langsdorf empfiehlt zum Lohnsteuerhilfeverein zu gehen, wenn man beispielsweise nicht selbstständig ist. Die dürften auch beraten. »In dem Moment, wo Sie nebenbei noch ein kleines Gewerbe haben, dürfen die nicht mehr helfen«, erklärt Langsdorf. Die Gebühr setze sich aus einer Art Jahresmitgliedschaftsbeitrag zusammen. (mmf)

 



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