13. Mai 2019, 11:00 Uhr

»Spitzenfrauen«

So läuft’s bei der einzigen Wehrführerin des Wetteraukreises

Die meisten Einsatzkräfte In der Rockenberger Feuerwehr sind Männer. Ihre Chefin ist Juliane Steinhauer. Angangs ist es den Kollegen nicht leicht gefallen, auf eine Frau zu hören, sagt sie.
13. Mai 2019, 11:00 Uhr

Beim ersten Mal brannte ein Blumenkasten. Als die Rockenberger Feuerwehr damals ausrückte, saß Juliane Steinhauer vorne rechts auf dem Beifahrersitz, dem Chefplatz. Sie lacht beim Erzählen. Ja, das Feuer war schnell gelöscht, keine große Sache. Es war nicht ihr erster Feuerwehreinsatz. Vergessen wird sie ihn dennoch nicht, denn es war die Premiere nach ihrem Führungslehrgang. 2017 ist sie zur Wehrführerin gewählt worden - und aktuell ist sie die einzige im Wetteraukreis.

Was damals klar gewesen ist: »Wir gehen da als Team rein.« Das war Juliane Steinhauers Bedingung: Drei Leute stehen hinter ihr, sie teilen sich die Führungsaufgabe, sie ist quasi nur auf dem Papier alleinige Chefin.

Es war nicht so, dass sie damals erpicht darauf gewesen wäre, den Posten zu übernehmen. Der vorherige Wehrführer hatte abgedankt, niemand wollte nachrücken, die Stelle war ein halbes Jahr unbesetzt. Ein paar Kameraden kamen auf Juliane Steinhauer zu, die gerade wieder von ihrem Studium aus Heilbronn zurückgekehrt war. Sie fragten, ob das nicht was für die damals 26-Jährige wäre - zumal sie gut mit Menschen könne. »Meine erste Reaktion: ›Auf keinen Fall‹.« Doch sie entschied sich anders und nahm an.

Als das Postauto im Haus hing

Erfahrung hatte sie schon gesammelt. »Früher war in der Clique klar, jeder geht in die Jugendfeuerwehr.« 2006 war das, damals waren an die 40 Jugendliche dabei; nur wenige sind geblieben.

Heute, erzählt sie, hat die Rockenberger Feuerwehr rund 50 aktive Mitglieder, darunter fünf Frauen. Die Feuerwehr ist eben nach wie vor männlich dominiert. »Das ist für viele Mädels eine Abschreckung, deswegen gehen sie gar nicht erst hin«, vermutet Juliane Steinhauer. Und für die Männer seien Kameradinnen auch erst einmal ungewohnt - erst recht in einer Führungsrolle. »Am Anfang musste ich mir erst einmal Respekt verdienen, damit auch gestandene Männer im Einsatz auf eine Frauenstimme hören.«

Wie sie das geschafft hat? »Indem ich anpacke wie alle anderen auch. Ich versuche, mit gutem Beispiel voran zu gehen und bilde mich regelmäßig weiter. Ich vertraue auf den Rat meiner Kameraden.« Zumal die meisten schon weit mehr Einsätze hinter sich haben als die heute 28-Jährige. Erlebt hat sie dennoch schon einiges in ihrer Zeit als Wehrführerin. Da war zum Beispiel das »fliegende Postauto«, wie sie heute in der Wehr darüber sagen. Ein E-Auto der Post hatte sich nach einem technischen Defekt selbstständig gemacht, war den Berg hinuntergerollt und in einem Haus gelandet, wo es dann festhing.

Wehrchefin und selbstständige Unternehmerin

Der größte Einsatz für Juliane Steinhauer war der Brand eines Scheunenkomplexes in Oppershofen. Damals, erzählt sie, war sie mit der Gruppe auf Vereinsausflug. Der sollte eigentlich auf dem Rockenberger Weinfest ausklingen, als die Alarmierung kam. »Ich werde nie vergessen, wie wir nach Oppershofen gefahren sind und den Feuerschein über dem kompletten Dorf gesehen haben.« Über 100 Feuerwehrleute waren im Einsatz. »In solchen Momenten muss man einfach nur funktionieren.«

Im Durchschnitt haben die Rockenberger Wehren zehn bis 15 Einsätze pro Jahr. Die meiste Zeit werde in Übungen investiert. Was in den vergangenen Jahren dazugekommen ist: die Social-Media-Arbeit. Ziel sei es, die Bevölkerung so früh wie möglich zu informieren; und das geht am schnellsten über das Internet. Also werden Einsatzberichte und Fotos bei Facebook gepostet. Mit neuen Kommunikationswegen zu arbeiten, liegt der Rockenbergerin ohnehin. Sie hat einen Newsletter eingeführt, in dem sie über Termine oder Neuanschaffungen berichtet. Die Kanäle dafür, damit möglichst jeder erreicht wird: E-Mail und WhatsApp ebenso wie das schwarze Brett im Gerätehaus.

Im kommenden Oktober läuft die kommissarische Amtszeit aus. Juliane Steinhauer hat alle erforderlichen Pflichtlehrgänge absolviert und will sich wieder aufstellen lassen. Ihr Vorteil, wie sie sagt: Sie kann sich ihre Zeit flexibel einteilen, da sie selbstständig ist. Anfang dieses Jahres hat sie das Unternehmen ihres Vaters übernommen. Klar, zu tun habe sie genug, aber missen möchte sie die Feuerwehr auf keinen Fall: »Man kann anderen helfen. Und es ist eine super Gemeinschaft.«

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