30. Juli 2017, 18:00 Uhr

Salzgewinnung

So entstand das weiße Gold Bad Nauheims

Sie bewahren das Erbe des weißen Goldes Bad Nauheims. Mit zwei Kollegen erinnert Hubertus Gudewill dreimal die Woche vorm Gradierbau I an die Bedeutung der Salzgewinnung zur Zeit der Kelten.
30. Juli 2017, 18:00 Uhr
Dreimal wöchentlich erklären Hubertus Gudewill und Klaus Feuerstein den Gästen die Feinheiten der keltischen Salzherstellung.

Wie eine »Suppe ohne Salz« ist etwas, dem die essenzielle Zutat fehlt. Salz ist unverzichtbar als Würze für viele Speisen, in früheren Zeiten auch zur Haltbarmachung von Lebensmitteln. Vor über 2000 Jahren nutzten die Kelten unter anderem die Bad Nauheimer Sole zur Gewinnung des »weißen Goldes«, mit dem sie einen schwunghaften und lukrativen Handel trieben.

Hubertus Gudewill ist nicht mehr alleine in seinem Bestreben, den Gästen der Kurstadt diese alte Handwerkskunst näherzubringen. Nachdem er anderer Mitstreiter verlustig gegangen war, konnte der rüstige Rentner Manfred Rosegeit und Klaus Feuerstein mit seiner Begeisterung fürs Salzsieden anstecken.

Nun stehen die Drei mit stilvollen Schürzen auf einer Veranda an der Ruhewiese neben Gradierbau I hinter einer metallenen Halbröhre. In mehrere Öffnungen des Halbrunds sind Gefäße eingepasst, in denen es ordentlich blubbert. Die Konstruktion ist der moderne Nachbau eines keltischen Siedeofens, wie er auf der Fläche der ehemaligen keltischen Saline auf Bad Nauheimer Boden zigfach ausgegraben wurde.

Mit einem Salzgehalt von unter drei Prozent ist die in Bad Nauheim zu Tage tretende Sole äußerst schwach. Um nicht zu viel kostbares Brennholz für den Siedeprozess zu verbrauchen, wurde sie bereits von den Kelten vorgradiert, in zwei mal zwei Meter großen, aus Pflastersteinen kunstvoll gesetzten flachen Becken. Wenn die Sonne durch Verdunstung ihr Werk getan und den Salzgehalt der Sole erhöht hatte, wurde diese in Tongefäße umgefüllt und in die Brennofen gesetzt, dort so lange erhitzt (und immer wieder Sole nachgegossen), bis das Gefäß bis zum Rand mit Salz gefüllt war.

»Treten Sie ruhig näher«, ermuntert Gudewill die Damen, die zuvor neben dem Gradierbau auf und ab gegangen waren. Dank der unermüdlich über den Schwarzdorn herabrieselnden Sole herrscht dort »Meeresbrise«, die den Spaziergänger erfrischt. Wer mehr davon will oder die salzige Luft zu therapeutischen Zwecken nutzen möchte, geht direkt in den Innenraum von Gradierbau I, wo vor Jahren das Inhalatorium neu eingerichtet wurde. Der Gesamtkomplex einschließlich des Keltenpavillons ist eine Art Freilichtmuseum zur Geschichte der Salzgewinnung auf Nauheimer Boden bis zur Einstellung des modernen Siedebetriebs 1959.

Neben den Tongefäßen haben Gudewill und seine beiden Mitstreiter ein kleines Säckchen liegen: Bad Nauheimer Salz ist darin, wer will, kann einen Beutel als Souvenir erwerben. Früher wurde das Salz in Stücken verkauft, in »Kuchen«: So nennt man die rundlich geformten Salzlaibe, die nach dem Siedeprozess im keltischen Ofen zu Tage kamen, wenn man das sie umschließende Tongefäß zerschlagen hatte.

»Es gab einen Interessenten, der wollte das Salz, das wir hier herstellen, als Speisesalz vermarkten«, berichtet Hubertus Gudewill, der den Betrieb am nachgebauten »Keltenofen« seit Jahren aufrecht erhält. Dreimal die Woche, mittwochs, samstags und sonntags, steht er ab 14 Uhr vor den dampfenden Gefäßen. Vier Stunden reichen heute meist, um Salz zu ernten – kein Vergleich zu den Mühen der Kelten, die ihre Öfen mit Holz am Laufen halten mussten. Angesichts des hohen bürokratischen Aufwands mit regelmäßigen teuren Laboruntersuchungen verwarf der Interessent seine Idee allerdings wieder – so hätte sich das bei den geringen Ertragsmengen nicht gerechnet. Bis auf Weiteres bleibt die Salzgewinnung in Bad Nauheim daher vor allem eine Touristenattraktion.

 

Info

Wie moderne Fabriken

Mehr Infos zur keltischen Saline und vor allem zum außerordentlichen handwerklichen Geschick der Kelten, die ihre Saline wie eine moderne Fabrik arbeitsteilig betrieben, erfährt der interessierte Laie in der Dauerausstellung im Keltenpavillon

 

 

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