27. Mai 2019, 18:57 Uhr

Frühlingskonzert der Stadtkapelle Friedberg

Sinfonische Blasmusik mit Tröten und Quietscheentchen

»Bretter, die die Welt bedeuten« war das Konzert der Stadtkapelle Friedberg überschrieben. Die Musiker unterihrem Dirigenten Michael Meininger bereiten sich aufs Deutsche Musikfest vor.
27. Mai 2019, 18:57 Uhr
Die Stadtkapelle Friedberg unter der Leitung von Dirigent Michael Meininger (und mit Klavierbegleitung) begeistert sein Publikum in der Stadthalle Friedberg. (Fotos: Wagner)

Mehr als 300 Musikensembles werden am kommenden Wochenende beim Deutschen Musikfest in Osnabrück erwartet. Beim Wertungsspielen tritt die Stadtkapelle Friedberg am Samstag in der zweithöchsten Kategorie an. Ihr Wunschstück können die knapp 70 Musikerinnen und Musiker unter der Leitung des Dirigenten Michael Meininger allerdings nicht vortragen. Die Jury stufte es vorab in die höchste Spielklasse ein. Ein »leichteres« Stück musste also her, aber auch das hat in sich, wie das Publikum am Samstagabend in der nahezu ausverkauften Stadthalle erleben durfte.

In dem Stück »Satiric Dances« verarbeitet der Komponist Norman Dello Joio Komödienstoffe des griechischen Dichters Aristophanes. Eine reizvolle Idee, lassen sich so doch ganz verschiedene Temperamente abbilden: furios einsetzende Trompeten-Soli, Tempo-Wechsel, feurige Tänze und geheimnisvoll klingende Abschnitte, in denen vor allem die Flöte mit viel Wärme und Eleganz dominiert. Es ging rasant zu im alten Griechenland, und genauso rasant wechseln Stimmungen und Tempi, jagen verminderte Akkorde durch den Saal oder sorgen die tiefen Blechbläser wieder für Beruhigung.

Die saubere Intonation und das exakte Zusammenspiel lassen gute Bewertungen erwarten. Sie sind der akribischen Arbeit des Dirigenten Michael Meininger zu verdanken. Kein Wunder, dass die Zuschauer viel Applaus spendeten. Viele Musikliebhaber aus der Wetterau lassen sich die Konzerte der Stadtkapelle nicht entgehen, bekommen sie doch sinfonische Blasmusik auf sehr hohem Niveau geboten. Und Spaß macht diese Musik auch noch, den Musikern genauso wie dem Publikum.

Den Auftakt machte die »New York Overture« von Klees Vlak, das Pflichtstück beim Deutschen Musikfest. Einmal mehr zeigte sich: Mit Musik kann man Bilder malen, kann man eine Großstadt lebendig werden lassen und alle ihre Facetten zeigen, von feierlich bis quierlig, vom großen Pathos der Freiheitsstatue bis zur überbordenden Lebensfreude in den Jazzlokalen von Harlem. Unterhaltung pur bot das »Phantom der Oper« mit unvergesslichen Melodien und einer Trompeterin, die in die Rolle der unbekannten Opernsängerin schlüpfte und einen markerschütternden Schrei ertönen ließ.

Mit Piano und Pupsern

Bei diesem zur Höchststufe zählenden Potpourri wie auch bei weiteren Stücken wurde das Blasorchester von einem Pianisten begleitet. Das war neu fürs Publikum, aber Rüdiger Kleins virtuoses Spiel fügte sich nahtlos ein und bestach durch große Leidenschaft.

Gänsehautgefühle auch beim berühmten Chor »Nessun Dorma« von Giacomo Puccini oder bei dem Stück »It had better be tonight« von Henry Mancini aus den »Pink Panther«-Filmen. Und dann kam die »Grand Serenade for an Awful Lot of Winds and Percussion«, die »großartige« Serenade für »entsetzlich viele« Instrumente eines gewissen P. D. Q. Bach, dem vermeintlich letzten Sohn des großen Komponisten. »Als unser Dirigent mit dem Stück ankam, dachten wir, er hat sie nicht alle am Sträußchen«, meinte eine Musikerin in der Pause. P. D. Q. Bach (hinter dem sich der auf Parodien spezialisierte US-Komponist Peter Schickele verbirgt) hat in sein launiges Werk allerhand reingepackt, was dort eigentlich nicht hingehört, beim Vortrag aber für große Belustigung sorgt. Da verwandelt sich ein amerikanisches Volkslied (»Old folks at home«) vom einen Takt zum anderen in ein kakophonisches Tohuwabohu, und eine barocke Tonfolge, wie sie Papa Bach hätte schreiben können, mündet beim vermeintlichen Filius geradewegs in ein wildes Konglomerat aus Rasseln, Jahrmarkts-Tröten, Pupsern und einem schrillen, sämtliche Backenzahnnerven malträtierenden Quietschen, wie es entsteht, wenn man auf eine Gummiente tritt. Selten hat das Publikum der Stadtkapelle so herzhaft gelacht, es war ein großer musikalischer Spaß.

Für Letzteren war auch Moderator Jürgen K. Groh wieder zuständig. Mit lässigem Charme, großem Hintergrundwissen und einer Lust am Erzählen und dem Wohlklang der Worte führte er durch ein Programm, das einmal mehr aufhorchen ließ.

Der nächste Auftritt der Stadtkapelle Friedberg nach der Teilnahme am Deutschen Musikfest in Osnabrück (1. und 2. Juni) folgt am 8. September beim Tag des offenen Denkmals im Burggarten Friedberg. Das Festliche Konzert zur Weihnachtszeit findet am 15. Dezember wie gewohnt in der Heilig-Geist-Kirche statt.

Schlagworte in diesem Artikel

  • Aristophanes
  • Blasmusik
  • Dirigenten
  • Friedberg
  • Giacomo Puccini
  • Musiker
  • Musikfeste
  • Peter Schickele
  • Serenaden
  • Friedberg
  • Jürgen Wagner
  • Schlagwort zu
    Meine Themen

    Sie haben bereits 15 Themen gewählt

    Sie folgen diesem
    Thema bereits

Klicken Sie auf ein Schlagwort, um es zu „Meine Themen” hinzuzufügen oder weitere Inhalte dazu zu sehen.


0
Kommentare | Kommentieren

Bilder und Videos

Kommentare

Kommentar hinzufügen

Kommentar schreiben - Ihre Meinung zum Thema ist gefragt


Kommentare werden erst nach einer Prüfung durch die Redaktion veröffentlicht. Bitte beachten Sie die Netiquette sowie die Hinweise nach dem Absenden Ihres Beitrags.


Überschrift
Meine Meinung





Sie haben noch kein Login? Jetzt kostenlos registrieren.

Registrieren Sie sich kostenlos um Ihren Kommentar abzuschließen:

Wir garantieren Ihnen, dass alle persönlichen Daten nur beim Verlag intern verwendet werden und nicht ohne Zustimmung an Dritte weitergegeben werden.


Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:
Wieviel ist 43 - 10: 




Sie sind bereits registriert? Zurück zum Login.