28. September 2018, 20:32 Uhr

Sie will über Trump reden

28. September 2018, 20:32 Uhr
Die Deutsch-Amerikanerin Irene Dische möchte bei »Friedberg lässt lesen« im Alten Hallenbad mit den Gästen ins Gespräch kommen und diskutieren. (Foto: lod)

Weit mehr als eine Lesung war der Auftritt von Irene Dische am Donnerstagabend im Theater Altes Hallenbad. Es sollte ein Abend werden, in dem lebhaft über die aktuellen politischen (Rechts-)Tendenzen in den USA und in Deutschland diskutiert wurde. In der Reihe »Friedberg lässt lesen« stellte die Deutsch-Amerikanerin, die in Berlin und Rhinebeck im US-Staat New York lebt, ihr neuestes Buch »Schwarz und Weiß« vor.

Die Liebesgeschichte um das Model Lily und den farbigen Duke ist zugleich eine Reise in die amerikanische Geschichte. Die Autorin ist eine hochpolitische Frau, die in ihrem Werk schonungslos die amerikanische Politik beschreibt, insbesondere das Wirken von Präsident Donald Trump. Dessen Präsidentschaft hat sie in ihren neuen Roman eingebaut. Dische schreibt in Englisch. Warum wird gleich zu Beginn des Abends deutlich. Nach einer ganz kurzen Begrüßung liest sie den ersten Absatz aus ihrem Buch auf Englisch, »um den Klangunterschied zum Deutschen zu hören«. Es folgte die deutschsprachige »Auflösung«, mit einem erkennbaren amerikanischen Slang. Dabei fiel einem Zuhörer auf, dass in der deutschen Übersetzung ein Satz fehlt. »Ich habe den heute hinzugefügt«, gesteht die Autorin lachend.

Über 20 Jahre hat sie an dem Buch gearbeitet. »Ich habe es immer zur Seite gelegt und wieder hervorgeholt. So ein umfassendes Werk werde ich nicht mehr schreiben«, sagt die Schriftstellerin.

Viel vom Inhalt erfahren die Zuhörer nicht. Schnell wird klar, dass die Ehe des so unterschiedlichen Paars nicht so verläuft, wie sich das beide vorgestellt haben. Dische: »Sie sind ein Liebespaar, die sich im altmodischen Sinn lieben.«

Nur langsam werden im vorgelesenen ersten und einem weiteren Kapitel mit dem spannenden Titel »Ein ziviles Opfer« Zusammenhänge sichtbar. Wie genau, das bleibt offen und macht Lust auf mehr. Bereits nach einer halben Stunde beendet Dische ihre Lesung. Sie fordert die Besucher auf, Fragen zu stellen und mit ihr über die amerikanische Politik und vor allem über Trump zu reden. Die ersten zögerlichen Fragen aus dem Publikum beschäftigen sich jedoch noch mit dem Werk und der Arbeitsweise der Autorin. Dische meint dann: »Hier will wohl niemand über Politik sprechen. Ich denke ständig daran.« Sie erzählt, dass sie aktuell die Anhörung des erzkonservativen Brett Kavanaugh, den Trump für den Obersten Gerichtshof vorgeschlagen hat, verfolgt. Dische: »Er soll das werden, nur weil er gegen Abtreibung ist«. Langsam kommt dann doch eine Diskussion in Gang.

»40 Prozent bei uns finden Trumps Politik gut, die gab es in den USA schon immer, sie waren nur nicht so laut«, sagt die Schriftstellerin, die als Freiwillige für Obama im Süden der USA Wahlkampf gemacht hat. »Da gibt es Gegenden, die wählen fast 100 Prozent Trump«. Von den Besuchern wird auch der Trend zum Rechtsradikalismus in Deutschland angesprochen. »Es sieht in den Medien inzwischen so aus, als gebe es im Osten nur noch Nazis«, sagte ein Besucher. Schließlich fragt die Autorin: »Soll ich noch was lesen?«. Ein lautes Ja ist die Antwort. Noch einmal überrascht Dische: Sie liest »die kürzeste Geschichte, die ich jemals geschrieben habe.« Es ist der Brief einer Frau an deren Eltern mit der schrecklichen Schilderung eines angeblichen Unfalls und einem überraschenden Ende, das für viele Lacher sorgt.

Die Reihe »Friedberg lässt lesen« wird am Donnerstag, 4. Oktober, in der Buchhandlung Bindernagel fortgesetzt. FAZ-Literaturredakteur Tilman Spreckelsen und der georgische Autor und Literaturkritiker Lasha Bakradze lesen und reden über das georgische Nationalepos »Der Held im Pardelfell«. Beginn ist um 20 Uhr.

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