18. November 2019, 21:01 Uhr

»Sie haben meinen Vornamen«

18. November 2019, 21:01 Uhr
Die Schüler der Klasse 7a haben sich über einzelne Opfer genauer informiert, die auf der Stele am Mahnmal genannt werden. Sie schlüpfen dann in die Rolle des jeweiligen Opfers und lesen wesentliche Daten aus deren Leben vor. (Foto: pm)

»Vier Opfer haben meinen Vornamen«, sagte eine Schülerin der Klasse 7a tief betroffen, als sie die Stele am Mahnmal genauer betrachtete. Und genau das ist es, was den Geschichtslehrern der Ernst-Ludwig-Schule (ELS) am Herzen liegt. Betroffenheit erzeugen, an das Unvorstellbare erinnern, und bewusstmachen, dass der Antisemitismus in erschreckender Weise erneut zugenommen hat. Viele Schüler hatten sich bereits entsetzt über den antisemitischen Anschlag in Halle am jüdischen Feiertag Jom Kippur geäußert und sich gefragt, warum der Antisemitismus wieder so erschreckend präsent ist. Auch deshalb ist es wichtig, zu erinnern und unsere Solidarität mit unseren jüdischen Mitbürgern zu zeigen.

Mehrere Klassen der ELS besuchten das Erinnerungsmahnmal an der Parkstraße, das erst 2016 errichtet und eingeweiht wurde. Die Initiative hierzu ging von der Arbeitsgemeinschaft Geschichte der Stadt Bad Nauheim aus, der mehrheitlich ehemalige Lehrer und Schüler der ELS angehören.

81 Jahre ist es her, dass nationalsozialistische Krawallmacher jüdische Geschäfte plünderten, die Fensterscheiben zerschlugen, in private Wohnungen eindrangen, jüdisches Eigentum auf die Straße warfen oder gar jüdische Mitmenschen verprügelten. Nicht wenige Juden wurden inhaftiert, gefoltert und einige starben an den Folgen dieser unmenschlichen Prügelei.

Juden im Alltag schikaniert

Die Schüler der Klasse 7a hatten sich über einzelne Opfer genauer informiert, die auf der Stele am Mahnmal genannt werden. Sie schlüpften dann in die Rolle des jeweiligen Opfers der Shoa und lasen wesentliche Daten aus deren Leben vor. Dabei konzentrierten sie sich besonders auf die Kinder und Jugendlichen, die in verschiedenen Vernichtungslagern umgebracht wurden. Um deutlich zu machen, wie sehr Juden schon vor den Deportationen von der deutschen Regierung durch Gesetze und Verordnungen erniedrigt, ausgegrenzt und schikaniert wurden, fügten sie jedem Opfer eine besondere Vorliebe zu, etwa das Schwimmen, das Lesen oder »Chatten mit dem Smartphone« oder das Herumtollen mit der kleinen Katze. Juden war es jedoch verboten, ins Schwimmbad zu gehen, die Leihbibliothek zu besuchen, eine Schreibmaschine oder ein Telefon zu besitzen oder Haustiere zu halten. So wurde die Schikane gegen die jüdischen Mitbürger noch deutlicher.

Mit einem Sprechchor, in dem sie Jakob Odinius zitierten, beendeten die Schüler den Besuch des Mahnmals. »Wir sind nicht schuld an dem, was passiert ist. Aber wir machen uns schuldig, wenn wir vergessen, verdrängen oder verfälschen.«

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