Wetterau

Seltener Gast vom Schwarzen Meer

Aus Berlin, Hannover, Münster, aus Trier und Erding – aus dem gesamten Bundesgebiet machen sich derzeit Vogelbeobachter auf, um im Bingenheimer Ried einen sehr seltenen Vogel zu erleben. Ihr Ziel: eine Schwarzflügel-Brachschwalbe. Heimisch in den Steppen am Schwarzen Meer und überwinternd in Südafrika, wurde diese Art niemals zuvor in Hessen beobachtet. Auch bundesweit gibt es nur alle paar Jahre eine Sichtung, insgesamt nur 25 in den vergangenen 40 Jahren.
08. September 2017, 20:33 Uhr
Redaktion
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Eine Schwarzflügel-Brachschwalbe lockt zurzeit Vogelkundler aus ganz Deutschland ins BIngenheimer Ried. Bundesweit gibt es nur alle paar Jahre eine Sichtung. (Fotos: C. Gelpke)

Aus Berlin, Hannover, Münster, aus Trier und Erding – aus dem gesamten Bundesgebiet machen sich derzeit Vogelbeobachter auf, um im Bingenheimer Ried einen sehr seltenen Vogel zu erleben. Ihr Ziel: eine Schwarzflügel-Brachschwalbe. Heimisch in den Steppen am Schwarzen Meer und überwinternd in Südafrika, wurde diese Art niemals zuvor in Hessen beobachtet. Auch bundesweit gibt es nur alle paar Jahre eine Sichtung, insgesamt nur 25 in den vergangenen 40 Jahren.

Während die Fotoapparate klacken, sitzt der Ausnahmegast derweil mit etwas unbeteiligtem Blick auf den ausgedehnten Schlammflächen im Naturschutzgebiet Bingenheimer Ried und steigt ab und zu auf, um eine Libelle zu schnappen. Dabei leuchten die namensgebenden Unterflügel tiefschwarz, der Flug ist schwalbenähnlich entspannt und sehr elegant. Brachschwalben stammen aus der Verwandtschaft der Watvögel und Möwen. Am Boden sind die sandfarbenen Tiere gut getarnt.

Udo Seum, Arbeitskreisleiter der Hessischen Gesellschaft für Ornithologie und Naturschutz (HGON) in der Wetterau, hat die Brachschwalbe entdeckt. »Bei so einer Beobachtung geht der Puls ordentlich hoch, das ist wohl der seltenste Vogel hier im Bingenheimer Ried, seit ich das Gebiet ab den 1990er Jahren betreue«, sagt der Naturschützer erfreut.

Und nicht nur das: Neben der Brachschwalbe stärken sich derzeit rund 20 weitere Watvogelarten in diesem einzigartigen Schutzgebiet für die weitere Reise. Hat die Brachschwalbe schon einen Weg von rund 2000 Kilometern vom Schwarzen Meer hinter sich, können es bei Sichelstrandläufer, Steinwälzer oder Sanderling von der Mündung des Jennissei in Sibirien sogar 3500 Kilometer Flugweg sein. Und das, obwohl die kleinen Langstreckenflieger nicht größer sind als eine Drossel und nur etwa so viel wiegen wie eine Tafel Schokolade.

»Das große Gedränge der vielen Watvögel, Gänse und Enten zeigt, wie wichtig Schutzgebiete wie das Bingenheimer Ried sind. Ohne solche Tankstellen würden die Tiere auf ihren weltumspannenden Reisen schlicht und einfach verhungern«, bringt Seum die Bedeutung der Naturschutzflächen auf den Punkt.

Für diejenigen, die unsere heimischen Vogelarten kennenlernen wollen, bietet die HGON viele Vogel- und Naturwanderungen, aber auch spezielle Fortbildungen an. Weitere Informationen hierzu sowie zum Auftreten und zur Bestandsentwicklung der hessischen Vogelarten, aber auch zu Zugvögeln oder Seltenheiten wie der Brachschwalbe gibt es im Internet unter www.hgon.de oder unter Telefon 0 60 08/18 03.

Artikel: https://www.giessener-allgemeine.de/regional/wetteraukreis/friedbergbadnauheim/Wetterau-Seltener-Gast-vom-Schwarzen-Meer;art472,311750

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