14. Februar 2019, 20:34 Uhr

Sedlak liefert zum Abschied gute Zahlen

Trotz schwieriger Rahmenbedingungen – das wird stets betont – hat die Sparkasse Oberhessen auch für 2018 gute Zahlen vorgelegt. Für den Vorstandsvorsitzenden Günter Sedlak, der im Oktober in den Ruhestand geht, war es die letzte Bilanz, die er der Presse verkünden durfte. Gut möglich, dass es für die beiden Eigentümer ein lukratives Abschiedsgeschenk gibt.
14. Februar 2019, 20:34 Uhr
Für Sparkassen-Vorstand Günter Sedlak, eingerahmt von den Landräten Manfred Görig (2. v. l.) und Jan Weckler (2. v. r.), ist es die letzte Bilanzpressekonferenz. Außen Sedlaks Vorstandskollegen Thomas Falk (l.) und Roman Kubla. (Foto: pv)

In diesem Jahr wird keine der 67 Sparkassen-Filialen in der Wetterau und im Vogelsberg geschlossen. Auch der Sparkassen-Bus mit 42 Haltestellen bleibt. Das versprach der Vorstandsvorsitzende Günter Sedlak am Donnerstag in Friedberg bei der Vorstellung der Bilanz für 2018. Man sei sich der Verantwortung für die Heimat bewusst.

Für schlechte Nachrichten wird vermutlich sein Nachfolger zuständig sein (die Stelle ist seit zwei Wochen ausgeschrieben; im Sommer will der Verwaltungsrat eine Entscheidung treffen). Denn der Trend zum Online-Banking ist unverändert stark: Lediglich 3000 Kunden kommen pro Tag noch zu Fuß in eine der Filialen. »Manchmal ist schon wenig los«, bekannte Vorstand Thomas Falk. 57 Prozent der Privatkunden erledigten ihre Geschäfte bereits online. Die Sparkassen-App werde von 30 000 Bankkunden genutzt. Auch deshalb wird die Sparkasse in Nidda ein neues Online-Beratungscenter einrichten, dass sich um die persönliche Beratung via (Video-)Chat oder E-Mail kümmert. Laut Falk ist die Digitalisierungs-Strategie der Sparkasse Oberhessen eine »Erfolgsstory«. 2018 habe man Neuerungen wie Echtzeit-Überweisungen (gegen Gebühr), kostenloses Multibanking (Onlineverwaltung Sparkassen-fremder Konten) oder den Anschluss an die App »Mobiles Bezahlen« (bislang nur bei Android-Handys) eingeführt und beispielsweise die »Hinnerbäcker«-Filialen mit 80 Terminals für kontaktloses bezahlen ausgestattet. Kleinere Beträge wechseln hier ohne PIN-Eingabe den Besitzer, indem man die EC-Karte auflegt oder das Handy an das Gerät hält. »44 Prozent der Deutschen würden laut einer Umfrage komplett auf Bargeld verzichtet«, sagte Falk und skizziert damit auch die künftige Ausrichtung der Bank. »Die Digitalisierung ändert alles«, meinte auch Sedlak.

Kredite, Einlagen, Girokonten – in allen wichtigen Geschäftsbereichen habe man im 185. Geschäftsjahr kräftig zugelegt, berichtete ein zufriedener Sparkassen-Chef. Dabei seien der anhaltende Niedrigzins, die noch immer strengen Regulierungen und die Probleme der Weltwirtschaft (Handelskriege, Brexit-Sorgen) nicht unbedingt die besten Vorzeichen für ein gutes Wirtschaften. Dass die Kommunen in beiden Kreises für die »Hessenkasse«gut 100 Millionen Euro an Kassenkrediten bei der Sparkasse abgelöst haben, sei ebenfalls aus Bankensicht eher ärgerlich. Das Kreditgeschäft (Bestand: 3,36 Milliarden Euro) lief dennoch nicht gerade schlecht. 9600 neue Kredite, vor allem für Immobilien, mit einem Gesamtvolumen von 669 Millionen Euro wurden vergeben – 100 Millionen mehr als im Vorjahr. Weil auch die Zahl der Girokonten wuchs (um 1438), die Einlagen auf 3,69 Milliarden Euro stiegen und die Kunden vermehrt in Wertpapiere (1,08 Milliarden) investierten, stieg die Bilanzsumme auf 4,74 Milliarden Euro.

Rücklage oder Ausschüttung?

Ob der Gewinn von 10,1 Millionen Euro wie in den vergangenen Jahren in die Rücklagen (für kommende Stresstests) fließt oder an die beiden Eigentümer-Kreise ausgeschüttet wird, wie es sich Vogelsberg-Landrat Manfred Görig wünscht, werde nun im Verwaltungsrat »ergebnisoffen« diskutiert. Der Vogelsberg hält 26 Prozent der Anteile an der Bank, der Wetteraukreis 74 Prozent.

Der Wetterauer Landrat Jan Weckler als Vorsitzender des Verwaltungsrats nutzte die Pressekonferenz für einen Lobgesang auf Sedlak. Er habe in seinen 25 Jahren als Vorstandsvorsitzender der Sparkasse ein Gesicht gegeben, stehe für Seriosität und Verlässlichkeit, vermittle Vertrauen. Auch Görig bekannte, mit der guten Entwicklung der Bank mehr als zufrieden zu sein. Sedlak werde bei seinem Abschied im Herbst sicher viele lobende Worte erhalten.

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