04. November 2019, 21:43 Uhr

Schwindler in der »Pension Rhönblick«

04. November 2019, 21:43 Uhr

Ein alter Bauernhof, der zur Pension umgebaut wurde, ist im Vierakter der »Krebsbachbühne« der Schauplatz für die Auftritte schräger Charaktere, die sich als Besucher mit je eigenen Interessen einstellen. Diese reizvolle Konstellation eröffnet die Möglichkeit, sich in ein Panoptikum seltsamer Vögel und in entzückende Dialoge verstricken zu lassen.

In zwei Aufführungen zeigte die »Krebsbachbühne« am Wochenende das Stück »Pension Rhönblick« von Paul Gerb. Friederike Backöfer inszenierte die Komödie mit Laiendarstellern der »Krebsbach«-Abteilung des Gesangvereins Eintracht. Petra Kremer soufflierte, René Martin regelte Licht und Technik, Sven Tölle und Gerd Merz hatten Bühnendienst und Iris Frech betreute die Masken.

Einige Akteure waren auf der Bühne »echt« und verstellten sich nicht. Andere Akteure entpuppten sich als »Schwindler« und als deren »Verfolger«.

»Echt« waren die »Handwerker« Michael Hahn und Jan-Otto Weber, die vor der Bühne ins Geschehen einführten. Die herrschsüchtige »Extremwanderin« Ellen Beier hatte sich mit dem unbeholfenen »Ehemann« Julian Feuerbach, der ganz am Ende zur Emanzipation findet, gerade den richtigen Gefährten zurechterzogen. »Gräfin« Gisi Bertagnoll kultivierte pikiert ihr aristokratisches Standesbewusstsein und ließ sich von ihrer »Zofe« Claudia Schätzel assistieren. Der trinkfreudige »Berufsschotte« Hendrik Roth trank mit dem armen »Ehemann« Brüderschaft und knüpfte mit der »Pensionswirtin« Silke Merz zarte Bande, die im Bund für Leben mündeten. Und auch Rebekka Zöller beschwindelte in der Fiktion des Stücks als hart kalkulierende »Cousine« niemanden.

Viel Applaus für Leistung

Nicht »echt« waren der an Allüren reiche »Schauspieler« Kevin Loss, den der Zuschauer, nicht aber die »Pensionswirtin«, auf der Bühne schnell als Heiratsschwindler und Betrüger durchschauen durfte, und sein heillos vertrottelter »Kumpan« Mark Vetter. Den beiden waren der anscheinend schwerhörige und dafür umso lautere »Fahnder« Robert Krieg und die ihre eigenen Wege gehende »Assistentin« Karine Merz auf der Spur.

Die »Wirtin« und ihre »Cousine« putzten ihre Pension, freuten sich auf die Gäste und erläuterten, was vor dem Einsetzen der Handlung geschehen war. Die »Cousine« spürte überall Einsparmöglichkeiten auf und bestach durch ein mit Geschäftssinn und Geistesgegenwart gepaartes übergroßes Mundwerk. Die Dominanz der »Extremwanderin« über ihren »Ehemann« war so heftig, dass bei diesem endlich der Knoten platzen musste.

Jedes Zimmer hatte sein Manko. Als die hyperaffektierte »Gräfin« und der Dudelsack spielende »Schotte« sich einstellten und beide die Pension das Fürchten lehrten, eskalierten die Konflikte. Überzogene Ansprüche und biedere Ländlichkeit prallten aufeinander. Die »Extremwanderin« stritt sich mit ihrem armen »Ehemann« und bekam auf ihre ambitionierten Wünsche hin »arschwarme Eier vom Hinkel«. Der für den großen Coup des »Schauspielers« vorgesehene Abend kam heran. Der »Fahnder« und seine »Assistentin« verhafteten alle Übeltäter. Der schikanierte »Ehemann« fand zu neuem Selbstbewusstsein. Der »Schotte« und seine »Pensionswirtin« fielen einander um den Hals. Jetzt war alles gut.

Das Publikum hatte großes Vergnügen an der Komödie und den herausragenden Darstellern. Es spendete viel Applaus und ging fröhlich nach Hause.

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