30. Juli 2018, 17:00 Uhr

Polizei-Serie

Schwertransporte: Polizei begleitet Riesen auf Reisen

Nichts geht mehr. Der Transporter ist zu breit, hat sich in der Baustelle auf der A 5 bei Butzbach festgefahren. Das darf nicht passieren. Die Polizei begleitet die Riesen unter den Schwertransportern.
30. Juli 2018, 17:00 Uhr
Ein Schwertransport macht sich von einem Alsfelder Gebrauchtmaschinenzentrum in Richtung Süden auf den Weg. Begleitet wird er von drei Polizeistreifen. Die Beamten der Autobahnpolizeistation Butzbach haben 29 Schwertransporter im vergangenen Jahr auf ihren Fahrten auf der A5 und der A45 begleitet. Früher waren es laut Frank Parr, Leiter der Verkehrsüberwachung, deutlich mehr. (Foto: Archiv)

Autobahnpolizei

Hessens größte Autobahnstation befindet sich in Butzbach: Vom Bad Homburger Kreuz bis nach Homberg, von Altenstadt nach Haiger – das Arbeitsgebiet der Polizisten umfasst über 190 Autobahnkilometer. Was genau die Mitarbeiter tun? Die WZ hat nachgefragt.


Der Transformator wog 160 Tonnen, war über 5,50 Meter breit. Er musste über die Autobahn transportiert werden. Dafür, dass der Schwertransporter sicher ankam, sorgte nicht nur sein Fahrer, sondern auch Polizeihauptkommissar Frank Parr.

Parr ist Leiter der Verkehrsüberwachung bei der Autobahnpolizeistation in Butzbach. Rollt ein Schwertransporter über die A 5 oder die A 45 im Einzugsbereich der Station, weiß der 54-Jährige darüber Bescheid.

 

300 Warnbalken müssen verschoben werden

 

2017 gab es laut Parr in Mittelhessen 3289 sogenannte Anhörungsverfahren. Speditionen, die übermäßig schwere oder breite Waren ausliefern möchten, müssen bei Straßenverkehrsbehörden und Polizei anfragen, ob ihre Wunschstrecke befahrbar ist. Das passiert nicht immer. Kürzlich steckten mehrere Schwertransporter in der Baustelle auf der A 5 bei Butzbach fest. Erst nachdem Mitarbeiter der Baustellen-Firma 300 Warnbaken verrückt hatten, ging es weiter.

Frank Parr

»Bei einer Breite ab 3,50 Metern ist eine Begleitung außerhalb der Autobahn erforderlich«, sagt Parr. Früher war dann bereits die Polizei gefragt. Inzwischen hat sich die Rechtslage geändert. Private Firmen haben speziell ausgerüstete Wagen, die hinter dem Schwertransporter fahren, um andere Autofahrer via Signal-Anzeigetafel zu warnen. Oder sie fahren vor dem Transporter, um dafür zu sorgen, dass die benötigte Fahrbahnbreite gewährleistet ist. Die Lenker der Begleitfahrzeuge müssen entsprechend ausgebildet sein.

 

Laster kracht in Begleitfahrzeug

 

Die Arbeit ist nicht ungefährlich. Ende Mai kam es auf der A 5 in der Höhe der Abfahrt Friedberg zu einem schweren Unfall. Parr berichtet, der Fahrer eines Schwertransporters habe einen Knall gehört und entschieden, anzuhalten. Das Begleitfahrzeug stoppte ebenfalls, sicherte den Laster ab. »Direkt hinter der Steigung«, erinnert sich Parr. Ein Lkw-Fahrer sah das zu spät, krachte ungebremst in das Begleitfahrzeug. Dessen Fahrer wurde eingeklemmt und schwer verletzt. Feuerwehr und Notarzt hatten aufgrund der fehlenden Rettungsgasse Probleme, schnell zur Unfallstelle zu kommen, konnten den Mann erst spät versorgen. »Er liegt noch immer im Koma«, sagt Parr.

Ist die Ladung eines Schwertransporters breiter als 5,50 Meter, übernimmt die Polizei auch auf den Autobahnen die Begleitung. 29 Mal war das 2017 laut Parr der Fall. Die Speditionen müssen den Einsatz zahlen: Pro 15 Minuten fallen 16,50 Euro pro Polizist an, außerdem 65 Cent pro Kilometer für das Begleitfahrzeug.

 

Brücken werden während der Überfahrt gesperrt

 

Gefahren werde »zur verkehrsarmen Zeit«, also überwiegend nachts. In Einzelfällen wird auch tagsüber gefahren, dann allerdings außerhalb des Berufsverkehrs. Zahlreiche Vorschriften regeln im Detail, was bei jedem einzelnen Transport zu beachten ist. Auf der Strecke der A 45 zwischen Wetzlar und Haiger etwa »werden viele Brücken saniert«. Je nach Mindesttraglast einer Brücke wird diese während der Überfahrt des Schwertransporters für den weiteren Verkehr gesperrt.

Parr sagt, in den allermeisten Fällen verlaufe die Fahrt der Schwertransporter über die Autobahn unkompliziert. Ganz anders kann das auf der Landstraße sein. »Sehr sportlich« sei es, Teile von Windkraftanlagen von Florstadt bis nach Gedern zu bringen. 2016 waren 80 solcher Fahrten nötig, bei Kefenrod entstand ein neuer Windpark. Glück für Parr und seine Kollegen: Abseits der Autobahn sind sie nicht mehr verantwortlich, dann übernehmen ihre Kollegen aus den Polizeistationen.

Ende des Jahres soll Schluss damit sein, dass die Autobahnpolizei die ganz breiten Transporter begleitet. Private Firmen werden auch diese Aufgabe übernehmen.

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